Ursprünglich haben Sie eine Landwirtschaftslehre absolviert. Wer ist Ihrer Meinung nach ehrlicher: Der Banker oder der Landwirt?

Barend Fruithof: Ich denke, dies ist sehr personenbezogen und hat nichts mit der Branche zu tun. Ehrlichkeit ist das Fundament eines Bankers. Die Krise hat vielen Bankern in Erinnerung gerufen, wie wichtig Vertrauen ist. Und Vertrauen kann man nicht allein durch Zahlen erwirken.

Auch gegenüber den Banken wird das Vertrauen immer wichtiger. Wie sehr vertrauen die Kunden der Credit Suisse?

Fruithof: Das Vertrauen ist sehr gross - man sieht es an der positiven Entwicklung in unserem Firmenkundengeschäft.

Bei den Grossfirmen wollen Sie zur Nummer eins werden. Wie wollen Sie dieses Ziel erreichen?

Fruithof: Generell möchten wir den sogenannten «share of wallet» des Kunden erhöhen. Das bedeutet, dass wir die Geschäftsbeziehung vertiefen wollen, indem wir die umfassende Angebotspalette der integrierten Bank einbringen. Im Grosskundensegment haben wir zu 90% aller potenziellen Schweizer Kunden eine Beziehung. In diesem Segment sind wir vor allem gefordert, den Unternehmen für verschiedene Problemstellungen Lösungen zu liefern. So haben wir auch den einen oder anderen Kunden während der Finanzkrise finanziell unterstützt. Um in diesem Bereich weiter wachsen zu können, wollen wir den Kunden noch mehr Service anbieten. Der klassische Kredit ist dabei nur eines von vielen Themen.

Wo drückt bei den Grossfirmen derzeit besonders der Schuh?

Fruithof: Sehr bedeutend sind zurzeit Währungsabsicherungen, Pensionskassenlösungen und Exportfinanzierungen. Unser Ziel ist es, für den Geschäftsführer, den Finanzchef und den Verwaltungsrat einer Firma ein strategischer Partner sein zu können. Denn wenn wir das erreicht haben, können wir die Beziehung vertiefen, und wir werden immer wieder für neue Projekte engagiert. Das ist unser Ambitionsniveau.

Anzeige

Welche Ziele verfolgen Sie bei den KMU?

Fruithof: Ein Schwerpunkt im KMU-Geschäft ist sicherlich das Segment der stark exportorientierten Unternehmen. Hier können wir als integrierte Bank auch am stärksten unsere Vorteile ausspielen, durch eine breite Dienstleistungspalette mit Exportfinanzierung und dem Zugang zu internationalen Märkten. Eine wichtige Thematik ist auch die Nachfolge. Und nicht zuletzt brauchen die KMU Kreditfazilitäten, die wir auch sprechen wollen.

Welches Kreditvolumen streben Sie denn konkret an?

Fruithof: Unser Ziel ist es, mindestens mit dem Markt zu wachsen. Dies hängt aber immer auch von der volkswirtschaftlichen Situation der Schweiz ab. Wir möchten letztlich im gesamten Angebotsspektrum wachsen, was wir auch beweisen durch die geplanten Standorterweiterungen in Frauenfeld, Nyon und Liestal. Hier können wir die geografische Nähe zum Kunden verbessern. Nähe hilft - neben einem guten Ruf - bei der Akquisition von Kunden. Bereits stellen wir fest, dass Unternehmen, die während der Krise zu anderen Banken wechselten, wieder zur Credit Suisse zurückkehren, da wir ihnen eine breite Dienstleistungspalette anbieten können.

Unterstützung brauchen die Firmen derzeit wohl wegen der Euro-Krise. Wie dramatisch ist die Lage?

Fruithof: Natürlich wird sich der tiefe EuroKurs beim einen oder anderen Unternehmen negativ auswirken. Man darf aber nicht vergessen, dass sehr viele Schweizer Firmen im Euro-Raum einkaufen. Dabei kommt ihnen der tiefe Wechselkurs zugute. Nun stellt sich die Frage, wie gross die Euro-Polster bei den jeweiligen Unternehmen sind. Momentan verzeichnen wir eine grosse Nachfrage nach Fremdwährungsabsicherungsinstrumenten. Einigen Unternehmen hilft es aber auch, dass während der Krise und auch jetzt die Zinsbelastung aufgrund des tiefen Zinsniveaus nicht zugenommen hat.

Im institutionellen Bereich ärgern sich einige Exponenten über die Vergütungspolitik bei der CS. Wie werden Sie sich in diesem Bereich weiterhin positionieren können?

Fruithof: Beim Thema Vergütung haben wir als globale Bank in der Schweiz Erklärungsbedarf, und dieser Diskussion stellen wir uns auch. Im institutionellen Geschäft streben wir klar die Marktführerschaft an. Je nach Berechnungsmethode haben wir diese Spitzenposition bereits erreicht. Dieser Geschäftsbereich läuft momentan sehr gut. Bereits im 1. Quartal konnten wir einen ausgezeichneten Nettoneugeldzufluss ausweisen.

Einige Banken klagen, dass durch die Krise der Konkurrenzkampf in der Schweiz stark zugenommen hat. Wie veränderte sich die Situation im Firmensegment?

Fruithof: Der Konkurrenzkampf im Firmenkundenbereich war schon immer sehr gross. Denn dieser Bereich wird von allen Kantonal- und einigen Regionalbanken sowie der UBS bearbeitet. Während der Krise hat sich aber die Marktsituation etwas geändert. Beispielsweise im Grosskundengeschäft waren bislang auch viele ausländische Banken tätig. Aufgrund der Krise haben sich nun aber viele von ihnen ganz aus dem hiesigen Markt zurückgezogen. Unser Ziel war und ist es, dort Verantwortung zu übernehmen und in die Lücke zu springen. Es hat sich bestätigt, dass wenn man auch in schwierigen Zeiten den Firmen zur Seite steht, diese einem langfristig Vertrauen entgegenbringen.

Also springen Sie in jede Lücke, die sich auftut, um neue Kunden zu gewinnen?

Fruithof: Jeder Kunde muss zur Credit Suisse passen. In unserem Bereich ist dieser Ansatz umso wichtiger, als eine Firmenkundenbeziehung eine wesentlich längerfristigere Partnerschaft ist als eine andere Bankbeziehung. Diese Partnerschaft kann nicht von heute auf morgen aufgelöst werden, da sie oftmals mit eingespielten Prozessen verbunden ist.

Je mehr Prozesse mit einer Firma verbunden werden können, umso besser wohl für Sie. Hat die CS überhaupt Interesse an Kleinstunternehmen?

Fruithof: Es ist ein Irrglaube, der manchmal kursiert, die Credit Suisse hätte kein Interesse an Kleinkunden. Natürlich sind für uns auch diese wichtig. Klar ist aber, dass unser Geschäftsstellennetz zwar gross ist, aber doch nicht so kapillar wie bei anderen Banken. Daher haben wir im Bereich Kleinstunternehmen nicht die stärkste Marktposition. Wir können unser Geschäftsprofil wesentlich besser zur Geltung bringen, je komplexer und anspruchsvoller die Kundenbedürfnisse sind.

Während der Krise und auch danach wurde immer wieder von einer Kreditklemme gesprochen. Die Meinungen gehen jedoch weit auseinander. Woher kommt diese Uneinigkeit?

Fruithof: Solche Meinungen entstehen immer aus einer Unsicherheit, und diese war während der Krise sehr gross und getrieben durch die verschiedenen Krisen im Ausland. Im Ausland gab es diese Kreditklemmen tatsächlich. Das lag aber daran, dass die ausländischen Bankensysteme niemals die Stabilität aufweisen, wie dasjenige der Schweiz. Hinzu kommt, dass in vorhergehenden Krisen der Kreditbedarf meistens deutlich angestiegen ist, was dieses Mal nicht der Fall war.

Wie hat sich die CS in dieser Zeit gegenüber ihren Firmenkunden verhalten?

Fruithof: Wir haben schon früh mit den Unternehmen das direkte Gespräch gesucht und uns überlegt, was wir machen könnten, wenn sich die Situation dramatisch verschlechtern würde. Dazu hatten wir eine Arbeitsgruppe in der Kundenkommission der Bankiervereinigung, in der ich selber mitmachte. Hier trafen wir uns unter anderem mit der Swissmem und dem Gewerbeverband.

Dennoch: Trotz diesen Anstrengungen wurde immer wieder behauptet, die Banken würden keine Kredite sprechen.

Fruithof: Im Fall einer Krise gibt es auch immer Verlierer. Eine Bank hat natürlich Interesse an der Nachhaltigkeit und damit am Fortbestehen einer Unternehmung. Entsprechend war es wohl eher so, dass nicht die Banken die Kredite nicht gewähren wollten, sondern die Unternehmen nicht die nötige Nachhaltigkeit ausweisen konnten. An dieser Stelle muss ich aber sagen, dass ich extrem beeindruckt war angesichts der Managementqualitäten, die der Grossteil der Schweizer Firmen an den Tag legte. Wenn Sie mich gefragt hätten, ob man mit beispielsweise 40% weniger Umsatz noch Gewinn schreiben könnte, hätte ich Ihnen etwas Betriebswirtschaftsnachhilfe ans Herz gelegt. Ich habe aber in der Tat einige Unternehmen gesehen, die 40% weniger Ertrag erwirtschafteten und dennoch positive Cashflows und Gewinne generierten.

Dann müssen Sie jetzt in den Nachhilfeunterricht?

Fruithof: Das scheint so (lacht). Bislang hat man es einfach kaum für möglich gehalten, bei solchen Umsatzeinbussen dennoch rentabel wirtschaften zu können. Die Unternehmen haben aber sehr früh Massnahmen ergriffen, und wir haben immer wieder das direkte Gespräch mit den Kunden gesucht. Wir mussten praktisch keine Änderungen in unseren Bewertungen vornehmen. Das zeigt, in was für einem gesunden Zustand sich die Schweizer Wirtschaft trotz Krise befindet.