Die gute Nachricht vorweg: «Es hätte noch schlimmer sein können», kommentierten die Analysten von Barclays die Beschlüsse der US-Bankenaufsicht, die Ende Juni vom amerikanischen Senat genehmigt wurden. Natürlich würden sie die Banken durch tiefere Gebühren, höhere Kosten und neue Restriktionen treffen. Aber die Banken würden ihrerseits auch nicht stillstehen. Matthew Clark, Analyst bei Keefe, Bruyette & Woods, ergänzt: «Die europäischen Banken mit nennenswerten US-Investment-Banking-Aktivitäten sind von der Reform genauso betroffen, wie ihre US-Konkurrenten.» Wenn 2013 die Einschränkungen beim Eigenhandel, beim Geschäften mit Hedge-Fonds und Private-Equity-Firmen in Kraft treten, dürfte sich laut den Barclays-Analysten für US-Banken der Gewinn pro Aktie um durchschnittlich 14% reduzieren.

Mehr Zeit zur Umstellung erhalten die Banken in Europa durch die von den G20-Staaten beschlossenen verlängerten Einführungsfristen für das Basel-III-Regelwerk. Es sieht als wichtigste Elemente grössere Kapitalpuffer für Banken, weitere Sicherheitspuffer für Finanzkrisen in den Bankenbilanzen sowie obere Verschuldungsgrenzen («Leverage Ratio») vor.

Zeitplan ist noch zu definieren

Die Banken können sich jetzt auf einen neuen Zeitplan einstellen. Und dieser wird erst beim G20-Folgegipfel in Seoul im November dieses Jahres definitiv ausgehandelt. «Das ist zwar eine Erleichterung für die Investmentbanken», kommentiert Geoff Dawes, Analyst bei Macquarie, «die Vorteile dürften aber durch die beschlossene US-Finanzmarktreform kompensiert werden.» Zu den Nutzniessern zählen laut den Macquarie-Analysten die Banken in Skandinavien, die französische Crédit Agricole sowie die österreichische Erste Bank. «Unter Druck dürften die Investmentbanken sowie die spanischen Banken kommen», meint Dawes weiter.

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Die beiden Schweizer Grossbanken Credit Suisse und UBS rangieren in seiner Übersicht hinsichtlich der Kapitalisierung ganz vorne in Europa. Unter Druck dürften hingegen die Umsätze kommen, die sich aus den Gebühren und Kundenaktivitäten ergeben.

Auch ohne die neuen Spielregeln würden diese bei Credit Suisse und UBS wohl weniger Einnahmen bringen, sind die Analysten von Morgan Stanley überzeugt, die sich kürzlich mit Brady Dougan, dem CEO der Credit Suisse, sowie dem operativen Chef der UBS, getroffen hatten. Für beide Banken haben sie ihre Gewinnschätzungen für das laufende Jahr um 7 bzw. 6% zurückgenommen, weil im bisher einträglichen Private Banking die Margen unter Druck sind und auch der Gebührenboom im Investment-Banking stockt.

Weniger Mittelabflüsse bei UBS

Für das zu Ende gehende 2. Quartal 2010 rechnen sie bei den beiden Grossbanken mit einem deutlichen Rückgang der Investment-Banking-Umsätze zwischen 6 und 39%, je nach Geschäftsfeld. Diese Schätzungen sind relativ zuverlässig, weil sie sich aus den von der Firma Dealogic zusammengetragenen transparenten Daten zu den öffentlich sichtbaren Emissionsaktivitäten ergeben. Immerhin rechnen die Morgan-Stanley-Analysten bei der UBS mit einem Ende des Mittelabflusses beim Private Banking in der 2. Jahreshälfte 2010.

Für die beiden Schweizer Grossbanken bewirken die Veränderungen der Regulatorien im Investmentbanken-Geschäft - noch - wenig: Allein die US-Regulierung wird laut Analysten bis zu 20 000 Seiten umfassen, wenn sie einmal fertig ist. Und laut den Analysten von Barclays sind alle Banken einigermassen erfinderisch, wenn es darum geht, anfallende Extra- kosten an die Kunden weiterzugeben.

Die Analysten von Morgan Stanley geben der Credit Suisse trotz der gedrückten Stimmung den Vorzug vor der UBS. Dabei seien das schlechter laufende Handelsgeschäft sowie die Ungewissheit um die Regulierung bereits in den Kursen enthalten. Die Credit Suisse ist zudem mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7,8 tiefer bewertet als die UBS, deren Aktien mit einem KGV von 8,8 umgesetzt werden. «Bei der Credit Suisse erwarten wir denn auch keine negativen Überraschungen», sagen die Morgan-Stanley-Analysten. Bei der UBS hingegen müsse der Turnaround erst noch weitere Fortschritte zeigen.