Strukturierte Produkte sind Schuldverschreibungen auch wenn das gerne vergessen geht. Wenn ein Emittent Pleite geht, ist damit das investierte Geld, anders als bei Fonds, gefährdet. Rechtlich sind die Käufer dann normale Gläubiger 3. Klasse und Käufern von Obligationen gleichgestellt.

Anleger haben zwei Hilfsmittel, um das Risiko zu ermitteln: Einerseits die langfristigen Bonitätseinschätzungen der Experten von Standard&Poor’s, Moody’s oder Fitch. Diese Bonitätsnote gibt Auskunft über die finanzielle Gesundheit einer Bank. Die Skala der Noten reicht von «AAA» für sehr gut finanzierte Banken bis zu D, einem Pleite gehenden Institut. Typische europäische und US-Banken haben heute Einschätzungen zwischen «A» und «AA», die UBS kommt auf AA- (S&P), die Credit Suisse auf A+.

Versicherung gegen Pleitegeier

Weil dieses statische Vorgehen lediglich eine Rückschau ist und aktuelle Veränderungen ausblendet, interessieren sich immer mehr Anleger für die bisher lediglich den Geld- und Kapitalmarktprofis bekannten Credit Spreads. Diese leiten sich aus der Differenz zwischen risikofreien Libor- bzw. Euribor-Zinsen sowie den aktuell am Markt ermittelten und gehandelten Risikozuschlägen ab. Die Preise von Credit Default Swaps (CDS), mit denen sich Gläubiger gegen Pleiten bei Banken versichern, reagieren rascher als die oft wichtigen Ereignissen hinterherlaufenden Bonitätsnoten.

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Aufschlag auf Merrill Lynch

Vor einem Jahr waren zweistellige Aufschläge bei vielen Banken die Regel. Für fünfjährigen Versicherungsschutz müssen Banken bei erstklassigen Adressen wie der Credit Suisse, ABN Amro, BNP Paribas oder Deutsche Bank gegenwärtig zwischen 110 und 170 Basispunkte Aufpreis bezahlen.

Die UBS kommt auf 330 Punkte, Goldman Sachs auf 620 und Morgan Stanley auf 1000 Punkte Aufschlag. Das heisst: Anleger müssen bei Morgan Stanley 10% der ausstehenden Bond-Nettowertsumme für einen fünfjährigen Versicherungsschutz aufwenden. Bei Merrill Lynch liegt der Aufschlag bei 540 Punkten; die Ausstände, zu denen auch Retailderivate zählen, gelten hier als gerettet.

Für Lehman-Bonds erwarten die Analysten von Credit Sights eine Auszahlquote um 60%. Die Mittelkurse der drei in der Schweiz begebenen Obligationen liegen bei 33 bis 37%, der Markt erwartet demnach diese Rückzahlquoten. Je nachdem, ob und wie viel die Verkäufe von Assets noch einspielen werden, kann sich dieser Betrag noch verändern. Das sind aber noch nicht alle Schäden der Kreditkrise für Derivatekäufer. Anleger, die Produkte von den in Schieflage geratenen Banken halten, konnten diese auch nicht mehr zu günstigen Konditionen verkaufen.

Der Handel wurde eingestellt, und bis es zu einer Auszahlung kommt, können Jahre vergehen. Etwas über 300 Mio Fr. haben Anleger gemäss Schätzungen durch Lehman-Produkte verloren. Dieser Betrag könnte noch schrumpfen, weil sich einige Banken, die solche Produkte verkauft hatten, gegen einen Ausfall von Lehman versichert hatten.

SVSP will Ratings publizieren

Eingestellt wurde aber auch der Handel bei vielen Produkten, bei denen Aktien von AIG oder Lehman als Basiswert verwendet wurden. Ansonsten habe der Sekundärmarkt für strukturierte Produkte auch in diesem schwierigen Marktumfeld zumeist reibungslos funktioniert, stellte der Schweizerische Verband für Strukturierte Produkte (SVSP) nach der Lehman-Pleite fest. Der Verband möchte jetzt auch seinen Beitrag leisten und die Ratings der Emissionsbanken auf der eigenen Webseite veröffentlichen.