Die Soft Commodities, die Agrargüter, hatten im Frühjahr ihre Preishöhepunkte gesehen. Weizen kulminierte im März bei einem Höchst von 1150 Cents pro Bushel. Aktueller Stand: 550 Cents. Mais sah im Juli seinen höchsten Preis von 750 Cents. Gegenwärtig ist der Preis halb so hoch. Das Gleiche gilt für Sojabohnen. Reis, im Frühjahr noch aufgrund von Preiserhöhungen ein Anlass für Demonstrationen in asiatischen Ländern, ist ebenfalls auf das halbe Preisniveau zurückgefallen. Kakao hatte seinen Preispeak Ende Juni bei 3200 Dollar pro Tonne – inzwischen liegt das Niveau 1000 Dollar tiefer.

Auf und Ab mit Konjunktur

Die einschlägigen Index-Tracker wie RIACH, RIEHA, RIEGA, RICAC, RIAEU oder RICAA auf die Agrargüterversionen der Rogers- Commodity-Indizes machten diese Abwärtsbewegung eins zu eins mit. Auch Einzel-Commodity-Produkte wie beispielsweise die Zucker-Preistracker ACZUC oder AZSUG fielen parallel zum Basiswert. Etwas gedämpft wurde der Preiszerfall bei den Produkten, bei denen die Währungsschwankungen durch entsprechendes Hedging gebremst wurden. Bei GSOEG, einem anderen breiten Agrar-Preistracker, verstärkt der Euro-Kursrückgang die Abwärtsbewegung noch.

Diese Preisbewegungen bei den Soft Commodities widerspiegeln zwei Irrtümer. Erstens haben sich die Rohstoffe zwar als eigenständige Asset-Klasse etabliert und sie sind dank einer Vielzahl von Preistrackern auch für Privatanleger leicht zugänglich. Aber sie weisen – wie häufig geglaubt wird – keine eigenständige Preisentwicklung auf, sondern widerspiegeln, genauso wie Aktien und Bonds, das Auf und Ab der Weltkonjunktur. Und zweitens war der Rückgang nicht weniger heftig als bei Aktien – im Gegenteil.

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Die Skepsis der Anleger zeigt sich in den «Forward»-Kurven, welche die Analysten von Morgan Stanley zusammengetragen haben. Bei Mais liegen die FuturePreiserwartungen für die nächsten drei Jahre zwischen 390 und 480 Cents pro Bushel, rund halb so hoch wie beim Sommerhöhepunkt. Bei Sojabohnen ist die Kurve in einem schmalen Preisband zwischen 900 und 980 Cents pro Bushel vergleichsweise flach. Weizen soll in drei Jahren 15% mehr kosten als heute. Diese Preiskurven sanken über alle Future-Laufzeiten in den letzten vier Wochen.

Gegessen wird immer

Auch die Aussichten für viele Agrarrohstoffe sind trübe: Die Analysten von Merrill Lynch haben eben das Preisziel für Zucker reduziert. In Brasilien zeigt sich auf dem Äthanolmarkt, dem Benzin-ersatzmarkt, ein Überangebot. Global wird laut den Analysten von JP Morgan die Zuckerproduktion im nächsten Jahr zum ersten Mal seit 2004 fallen. Auch die Sojabohnenpreise sind vor dem Hintergrund einer weiteren möglichen Nachfrageschwäche von US-Fleischkonsumenten in freiem Fall. Die UBS-Analysten haben für Agrargüter die mittelfristigen Prognosen deutlich gesenkt.

In solchen Situationen müssen Derivateanleger die Kosten einer Verlustbegrenzung mit den potenziellen Gewinnen verrechnen. Die meisten Retailinvestoren sitzen auf Kursverlusten. Wer kein positives Anlageszenario hat, das die Buchverluste vermindert, sollte diese begrenzen und Positionen schliessen. Für alle anderen gilt: Gegessen wird immer. Eher später als früher könnte sich der Einsatz auszahlen. Denn Agrargüter sind nur dann knapp, wenn die Marktstimmung sie für knapp befindet.