Die Kreditmarktkrise und die dadurch in Schieflage geratenen Grossbanken trüben das ansonsten international sehr helle Licht auf den Finanzplatz Schweiz. «Die Wahrnehmung des Finanzplatzes Schweiz wird zwangsläufig stark durch die beiden Grossbanken beeinflusst. Wenn diese mit Problemen kämpfen, geht das nicht spurlos am Finanzplatz vorbei», urteilt Urs Rüegsegger, CEO der im Herbst gemeinsam von SWX Group, SIS Group und Telekurs Group ins Leben gerufenen Finanzplatzholding Swiss Financial Market Services AG (SFMS).

Peter Gomez, Präsident der SWX Group und Präsident des Verwaltungsrats der SFMS, sieht in der Kreditmarktkrise aber auch eine zusätzliche Chance für die SFMS: «Durch die Subprime-Krise erweisen sich unsere Ziele zur Stärkung des Finanzplatzes Schweiz als aktueller und notwendiger denn je. Denn sie dokumentieren Kompetenz und fördern das Vertrauen.»

Schweiz soll Nummer drei werden

Übergeordneter Anspruch der neuen Holding ist es, die Kräfte zu bündeln, um «die Effizienz und die Innovationskraft zu steigern und die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes zu stärken», so die offizielle Lesart. Erste Ziele für das Jahr 2008 sind laut Gomez die zügige Integration der Wertschöpfungskette «vom Kunden zum Kunden», die Förderung der Innovation im Hinblick auf den Aufbau neuer übergreifender Geschäfte und die solide Verankerung des neuen Unternehmens bei allen Anspruchsgruppen im In- und Ausland.

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Dafür hat sich die SFMS mit Urs Rüegsegger einen erfahrenen Banker an die Spitze geholt. Unter seiner Regie als Präsident der Geschäftsleitung hat sich die St. Galler Kantonalbank zu einem erfolgreichen und profitablen Kreditinstitut entwickelt. Im Jahr 2001 erfolgten der Börsengang und die Teilprivatisierung, im Jahr 2002 die Akquisition der Zürcher Privatbank Hyposwiss und im Jahr 2003 die der St. Galler Bank Thorbecke. Rüegsegger hinterlässt seinem Nachfolger eine gut positionierte und professionell geführte Privatbank und bringt beste Voraussetzungen für die neue Funktion in der neuen Holding mit. Denn Rüegsegger gilt als konsequente und integrative Führungspersönlichkeit, die zudem bescheiden auftritt und ihre Person nicht in den Vordergrund drängelt. Eine Eigenschaft, die ihm bei der SFMS zugute kommen dürfte, wenn es gilt, die Interessen der verschiedenen Stakeholder unter einen Hut zu bekommen.

Besitzer der SFMS sind die Grossbanken (31,1%), Kantonalbanken (14,1%), Regional- und Raiffeisenbanken (4,3%), Handels- und Vermögensverwaltungsbanken (19,5%), Privatbanken (10,5%), Auslandsbanken (19,3%) und andere Stakeholder (1,3%).

Die seit dem Herbst tobende Kreditmarktkrise hat die Situation für die Finanzbranche nicht gerade vereinfacht. Der durch die Milliardenabschreiber öffentlich in Misskredit geratene Ruf des Bankensektors ist dem angestrebten Lobbying in Bern nicht unbedingt zuträglich. Denn letztlich bleibt es eine Frage der Politik, den ebenfalls im Herbst letzten Jahres vorgestellten «Masterplan» der Finanzindustrie durch- und umzusetzen. Das von Bankiervereinigung, Fondsverband, Versicherungsverband und Finanzplatz-Holding entwickelte Grundsatzpapier will primär für marktgerechte Rahmenbedingungen sorgen, die den Finanzplatz Schweiz bis zum Jahr 2015 im internationalen Ranking wieder an dritte Stelle hinter New York und London bringten. Seit den 1980er Jahren ist die Schweizer Finanzbranche in Sachen Wachstum vom zweiten auf den sechsten Platz abgerutscht.

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«Wir hatten bereits intensive Gespräche auf Bundesratsebene sowie mit kantonalen Behörden. Alle sind sich einig, dass wir rasch und konzentriert handeln müssen, damit das Ganze nicht einfach ein Papiertiger bleibt», verspricht Peter Gomez, Präsident des Verwaltungsrats der SFMS. Die ersten Reaktionen aus Politik und Verwaltung seien dabei «durchwegs positiv» ausgefallen, so Gomez.

Neujahrswünsche

Nach seinen Wünschen für das neue Jahr 2008 befragt, antwortet Peter Gomez: «Für unser Land wünsche ich mir eine konstruktivere Zusammenarbeit von Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Verwaltung zur Stärkung des Finanzplatzes und der Bildungsnation Schweiz.» Der operative Chef Urs Rüegsegger bleibt mit seinen Zielen 2008 etwas greifbarer: «Ich wünsche mir, von den Mitarbeitenden und dem Führungsteam der SFMS gut aufgenommen zu werden.»