Die abnehmende Nachfrage nach Erdöl in den USA und das verlangsamte Wirtschaftswachstum in China könnten Signale für ein weiteres Absinken des Ölpreises sein.

Schon jetzt hat der Rohölpreis deutlich abgenommen. Das Barrel Rohöl kostet weniger als 80 Dollar. Die Experten von Goldman Sachs haben die Jahresendprognose auf 70 Dollar pro Fass gesenkt. Der Preis könne unter Umständen sogar auf 50 Dollar fallen. Zur Erinnerung: Im Sommer war der Preis für das Fass Öl auf zwischenzeitlich über 140 Dollar geklettert.

Petroplus im Jammertal

Von den hohen Ölpreisen profitierte der Ölkonzern Chevron. Er konnte dank guten Resultaten im Bereich Raffinerieerzeugnisse ein starkes 3.-Quartals-Ergebnis präsentieren.

Trotzdem brach die Aktie bis Mitte Oktober ein. Als Grund dienten Abstriche von Chevron bei der Öl- und Gasförderung. Dies und die Sorge um die global sinkende Energienachfrage liessen den Valor bis auf 57.8 Dollar absacken. Das bedeutet ein Minus von 44% seit Mai dieses Jahres. Dennoch werten Marktexperten den soliden Geschäftsgang von Chevron als positives Signal für die Branche.

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Also auch für Petroplus. Der in Belgien, Deutschland, Grossbritannien und der Schweiz tätige Raffineriebetreiber konnte zuletzt mit starken 1.-HalbjahresZahlen glänzen. Das Unternehmen hebt sich von den Mitbewerbern durch eine auf Raffination fokussierte operative Tätigkeit und die Eigenständigkeit ab, so die ZKB. Petroplus ist ein unabhängiger Raffineriebetreiber und kann verschiedene Rohölsorten von unterschiedlichen Anbietern kaufen. Auf den Aktienkurs hat sich das zuletzt nicht positiv ausgewirkt. Die Aktie hat seit Jahresbeginn 64,5% verloren und zwischenzeitlich bei 31 Fr. notiert. Sie konnte sich zuletzt bis auf 34.40 Fr. erholen.

«Längerfristig sind die Aussichten für Petroplus intakt», so Martin Schreiber, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Petroplus ist derzeit günstig bewertet. Das für 2009 geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt mit 5,8 unter dem Durchschnitt der Mitbewerber von 8,6. Der Abschlag ist für die Analysten nicht gerechtfertigt. Zusätzlich erwarten die Experten der ZKB für 2008 eine leicht erhöhte Dividendenzahlung von 1.10 Fr. pro Aktie. Positiv auf den Geschäftsgang von Petroplus haben sich die hohen Crack Spreads ausgewirkt. Die Differenz zwischen Rohöl und den daraus hergestellten Produkten ist die entscheidende Grösse im Raffineriesektor. Bei sinkenden Ölpreisen nahmen die Spreads mit leichter Verzögerung ebenfalls ab. Jedoch: «Die Crack Spreads sind derzeit relativ hoch. Bei Petroplus liegt der durchschnittliche Crack Spread bei rund 13 Dollar pro Barrel», so Schreiber.

Die Marge soll erst 2009 durch die steigenden Energie- und Rohstoffkosten gedrückt werden.

Die Ölservice- und Ausrüstungsgesellschaft Halliburton gilt als Geheimtipp für konträre Investoren. Das Unternehmen hat zuletzt unter der Hurrikansaison gelitten. Die Stürme Gustav und Ike wirbelten die 3.-Quartals-Zahlen durcheinander und liessen die Aktie auf 17.40 Dollar absinken.

Doch höhere Fördermengen?

Dennoch ergeben sich für die Branche weniger stürmische Aussichten. Studien zeigen, dass bis 2015 rund 80 neue Tiefwasser-Bohrinseln benötigt werden. Der Anteil der weltweiten Förderung durch Off-Shore-Anlagen soll demnach weiter ansteigen. Experten gehen davon aus, dass anstelle der heutigen 25 Mio Barrel pro Tag im Jahr 2015 bis zu 35 Mio Barrel täglich auf Bohrinseln gefördert werden sollen.

Die Finanzkrise sorgt jedoch für Unsicherheit. «Es ist derzeit vieles in der Schwebe, da die Finanzierung ungewiss ist», so ZKB-Analyst Martin Schreiber. Das sei eher positiv für bestehende Anlagen, da sie ihre Kapazitäten zukünftig ausschöpfen können.

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