Die schlimmste Zeit ist wohl vorbei»: Thomas Hohl, Geschäftsleiter der Pensionskasse MPK des Detailhandelsriesen Migros, blickt zuversichtlich in die Zukunft. Das muss überraschen. Denn noch vor wenigen Monaten waren vonseiten der Schweizer Einrichtungen der beruflichen Vorsorge nur Hiobsbotschaften zu vernehmen; es jagten sich Verlust- und Unterdeckungsmeldungen und Sanierungspläne.

«Hände nicht in Schoss legen»

Seit der Entspannung an den Börsen ab letztem März hat sich das Blatt nun aber gewendet: Wie Hohl geben sich die Leiter der Vorsorgewerke der wichtigsten Schweizer Arbeitgeber optimistisch, was die Zukunft der 2. Säule anbelangt. Der beste Beweis: Sie sind dabei, in ihren Anlagen wieder mehr Risiken zu fahren.

«Die Voraussetzung für ein Untergewicht bei Aktien ist nicht mehr gegeben», sagt Susanne Haury von Siebenthal, Leiterin Asset Management bei der Pensionskasse des Bundes Publica. Die Publica hat letzten März ihr Untergewicht in Aktien beseitigt und die Quote von 19% auf das neutrale Gewicht von 23% heraufgefahren. Dies bei einem Deckungsgrad von derzeit 98% (siehe Tabelle). Hohl von der MPK hat seit letztem November antizyklisch Aktien zugekauft. «Wir wollten die Hände nicht einfach in den Schoss legen.»

Anzeige

Früh aus der Reserve herausgekommen ist auch die Pensionskasse der UBS. Zwischen Ende letzten März bis Ende Juni steigerte sie den Aktienanteil am Vorsorgevermögen von 26,3 auf 32,2%. Trotz des erhöhten Risikos blieb die PK UBS - ganz im Gegensatz zur gestrauchelten Grossbank - ein Hort der Stabilität. Ihr Deckungsgrad stieg 2009 von 115,7 auf 116,4%. Zum Vergleich: Der von Lusenti Partners veröffentlichte Deckungsgradindex der Schweizer Penisionskassen lag per Ende letzten Juni bei 96%.

Die Pensionskasse der UBS musste in der Folge auch noch keine Sanierungsmassnahmen treffen, das Gleiche gilt für die PK der Credit Suisse. Erst wenn der Deckungsgrad eines Vorsorgewerks unter 100% fällt, muss saniert werden, wobei unter 90% eine «erhebliche Unterdeckung» besteht. Sowohl Publica wie auch MPK sind derzeit zwar in Unterdeckung, warten aber vorderhand mit Massnahmen zu. Die MPK wird solche nur ergreifen, wenn der Deckungsgrad am Jahresende 2009 unter 95% fallen sollte.

Andere Vorsorgewerke grosser Schweizer Arbeitgeber haben unterdessen schon gehandelt: Sowohl die PK Post wie auch die comPlan, die unter anderem die Mitarbeiter der Swisscom versichert, prüfen Sanierungs- und andere Massnahmen.

Zur Diskussion steht dabei ein ganzer Katalog von Massnahmen, wie Françoise Bruderer ausführt, die zurzeit sowohl als Geschäftsführerin ad interim der comPlan als auch als Direktorin der PK Post amtet.

Dieser reiche von Einlagen des Arbeitgebers, Sanierungsbeiträgen und einer Prüfung der Leistungen bis zu Akquisitionen, um die Flexibilität zu erhöhen. Bruderer: «Welche Massnahmen umgesetzt werden, steht noch aus. Die Stiftungsräte beider Pensionskassen wollen die Massnahmen sorgfältig angehen.» Für Augenmass beim Sanieren ist auch Michael Dober, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Pensionskasse der Coop-Gruppe, der CPV/CAP. Trotzdem hat die Kasse schon reagiert. 2009 wird die Verzinsung der Deckungskapitalien der aktiven Versicherten auf 2% gesenkt. Die Rentner erhalten derweil keinen Teuerungsaugleich. Dazu seien weitere Massnahmen zur Behebung der Unterdeckung angedacht, aber noch nicht spruchreif, so Dober.

PK SBB: Weniger Leistung?

Alles in allem sind die PK-Manager ohne Umschweife daran gegangen, die Verlustlöcher aus der Finanzkrise zu stopfen. Das attestiert ihnen auch Urs Schaffner von Hewitt Associates, dem grössten Pensionskassenberatungsunternehmen in der Schweiz. Dass lässt für die Zukunft hoffen: «Innerhalb der rechtlichen Frist von 5 bis 7 Jahren sollte es den meisten Einrichtungen nun möglich sein, wieder einen Deckungsgrad von 100% zu erreichen.»

Ob dies auch ein realistischer Zeitplan für das Vorsorgewerk der Bundesbahnen, der PK SBB, sein wird, ist hingegen ungewiss. Zwar hat die öffentlich-rechtliche Kasse mehr Spielraum bei der Unterdeckung, und der Bundesrat will nun über 1 Mrd Fr. an Bundesmitteln zur Sanierung beisteuern. Trotzdem wird die PK SBB zusätzlich eigene Massnahmen treffen müssen. Bis im Sommer sollten diese ursprünglich spruchreif sein; nun dürfte es Herbst werden, wie PK-SBB-Direktor Rudolf Stampfli auf Anfrage mitteilt. Bereits wurde über mögliche Lohnabzüge, eine Heraufsetzung des Rentenalters und Zinskürzungen spekuliert. Zumindest Letzteres ist wahrscheinlich, da gemäss Stampfli auch die Verzinsung 2009 der Altersguthaben der aktiven Versicherten Teil des Sanierungskonzepts sein werde.