Wer in diesem Jahr in BRIC-Produkte investiert hatte, bei denen die Länder Brasilien, Russland, Indien und China aufgrund ihrer Grösse und ihres Wachstumspotenzials zusammengefasst wurden, sah sich mit einer zweigeteilten Entwicklung konfrontiert: Die Aktienkurse in China, gemessen am Shanghai-Composite-Index, verloren gut die Hälfte ihres Wertes, der Leitindex der Börse von Mumbai liegt 30% unter dem Stand vom Jahresanfang. Per Saldo gehalten hat sich der Bovespa-Index, der die Blue Chips an der Börse von São Paolo zusammenfasst. Und in der Pluszone liegt nur der RTX-Index, der die (in Dollar berechneten) Kursfortschritte russischer Aktien ausweist.

Inländische Wirtschaft wächst

Das liegt inzwischen nicht mehr nur an den boomenden Rohstoffpreisen, wie die Analysten von Merrill Lynch in einer kürzlich veröffentlichten Russland-Studie argumentieren. Zwar bilden Rohstoffe und das florierende Exportgeschäft immer noch die Basis des gegenwärtigen Booms. Aber die wachsende inländische Wirtschaftsleistung sollte mithelfen, externe Schocks abfedern zu können. Der Haushaltüberschuss von 4% kommt dem Infrastruktursektor zugute, wo ein riesiger Aufholbedarf besteht. Die Löhne steigen 23% pro Jahr, lediglich die auf 14% gestiegene Inflationsrate trübt das Bild. Neben den soliden makroökonomischen Daten sehen die Analysten von Merrill Lynch auch kaum politische Risiken am Horizont. Investitionen in Russland sind immer noch vor allem Rohstoffanlagen, und in allen kapitalgewichteten Indizes absorbieren Energiewerte wie Gazprom und Lukoil gut die Hälfte der Gesamtkapitalisierung. An zweiter Stelle rangieren in solchen Indizes die grossen Metallförderer. Ein dritter Sektor ist der Mobiltelefoniebereich, der mehr als die Versorger vom Konsumboom profitiert. Eine eigenständige und für Investoren attraktive Konsumgüterindustrie hat sich in Russland (noch) nicht etabliert – die beliebtesten Güter wie Autos, Elektronik oder Luxusgüter kommen weiterhin aus dem Ausland. So bilden Aktien wie jene der Firmen Daimler, Porsche, Sony oder LVMH indirekte Russland-Anlagen.

Neue Derivate auf Russland

In diesem Umfeld ergänzt die Bank EFG ihr Portefeuille von Produkten für den russischen Markt um einen Worst-of-Barrier-Reverse-Convertible auf Novatek, Rosneft Oil und Surgutneftegaz (VN 3997704). Alle drei Werte sind attraktive Erdgasaktien. Die Barriere, bei der anstelle der Rückzahlung und eines Coupons von 13,5% die Aktien geliefert werden, liegt bei 60%.

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Produkte wie diese sind jedoch nur risikofähigen Anlegern zu empfehlen. Weniger riskant sind die vom gleichen Emittenten angebotenen vier Kapitalschutz-Produkte, die entweder 100% Schutz mit voller Partizipation und einem Cap nach oben zwischen 22 und 33%, oder aber mit einer nach oben unbegrenzten Partizipation von 85% verbinden. Einen Mittelweg bieten Bonuszertifikate oder einfache Preistracker auf den Index oder Aktienkörbe, wie der von der Credit Suisse kürzlich auf den Markt gebrachte Aktienbasket (Valor: 004352498). Der Vorteil liegt in einer tiefen Gewichtung von Gazprom. Wer zudem die Währungsrisiken beseitigen möchte, sollte, wie immer bei Anlagen in BRIC-Länder Quanto-Produkte wählen.

Das BRIC-Konzept hat sich damit nicht überholt. Anleger sollten indes eher vier Einzelländer-Anlagen halten, um diese, je nach der individuellen Länderentwicklung, regelmässig anpassen zu können.