Auf dem Rohölmarkt gibt es weit mehr Spekulanten als bisher angenommen. Das geht aus jüngsten Daten der US Commodity Futures Trading Commission (CFTC) hervor, der wichtigsten amerikanischen Regulierungsbehörde im Rohstoffmarkt. Im vergangenen Monat revidierte die CFTC die Einstufung eines grossen, unbekannten Öltraders auf «nicht kommerzieller Spekulant». In der Folge wurde der Anteil der von spekulativen Tradern gehaltenen Rohöl-Futures und Optionen an der New Yorker Warenterminbörse nach oben korrigiert: von 38 auf 49%. Als Spekulanten gelten all jene Trader, für die es in ihrem Geschäft wirtschaftlich nicht notwendig ist, die Risiken der Energiepreise abzusichern.

Debatten im US-Wahljahr

Dieser Schritt der CFTC hat die Einschätzung vieler Analysten grundlegend geändert. Bisher hatten sie den Ölmarkt als breit diversifizierte Handelsplattform gesehen. Nun müssen sie feststellen, dass die Konzentration von Spekulanten doch höher ist als gedacht. Zugleich fachen die neuen Erkenntnisse die ohnehin schon heftigen Debatten im US-Wahljahr über den Einfluss spekulativer Trader weiter an. So bestätigen die jüngsten Revisionen die Demokraten im Kongress in ihren Bemühungen, im Energiehandel umfangreiche Restriktionen einzuführen.

Mittlerweile wird auch innerhalb der CFTC, die an den Terminbörsen die Aufsicht über Rohstoff-Futures und Optionen in Höhe von 4,78 Billionen Dollar hat, diskutiert, wie viel die Behörde eigentlich über die Marktteilnehmer weiss. Aus dem Kongress kam in diesem Jahr bereits der Vorwurf, die Aufsicht sei zu lasch. Lange Zeit vertrauten Player auf dem Rohstoffmarkt auf die wöchentlichen Berichte der CFTC über grosse kommerzielle und spekulative Trader und versuchten, daraus Markttrends zu erkennen. In jüngster Zeit nahm allerdings nicht nur die Spekulationstätigkeit, sondern auch die Kritik am darüber veröffentlichten Datenmaterial zu.

Anzeige

Schwierige Unterscheidung

Tatsächlich ist die Unterscheidung zwischen Spekulanten und kommerziellen Tradern, die täglich die Risiken im Zusammenhang mit Gebrauch, Verkauf oder Verarbeitung des physischen Rohstoffes absichern müssen, sehr schwierig. Denn zahlreiche Investmentbanken, Private-Equity-Firmen und Hedge-Fonds haben in physische Werte wie Lagerräume, Distributionsfirmen, Kraftwerke oder Pipelines investiert. Diese Doppelrolle versetzt sie in eine Position, in der sie potenziell sowohl Hedger als auch Spekulanten sind.