Die Zeiten für High-Yield-Unternehmensanleihen, insbesondere US-amerikanischer Firmen, sind gut. Entscheidend für ein erfolgreiches Investment in diese etwas risikoreichere Anlageklasse sind die Fundamentaldaten der Unternehmen. Die Frage ist also: Sind ihre Umsätze und Cashflows stabil? Zurzeit scheint dies so zu sein. Viele Unternehmen erzielen hohe Cashflows, weil ihre Umsätze stabil sind oder wachsen – und das Gleiche für die Gewinnmargen gilt.

Zudem ist die Verschuldung der Firmen unter Kontrolle. Nur wenige Unternehmen sind hoch verschuldet, vermutlich, weil sie während der internationalen Finanzkrise ihre Lektion gelernt haben. Seitdem bemühen sich die Geschäftsleitungen, die Verschuldung unter Kontrolle zu halten, um nicht in Schwierigkeiten zu geraten. Hinzu kommt das weltweit sehr niedrige Zinsniveau. Die Firmen profitierten von der expansiven Geldpolitik der Zentralbanken und könnten daher ihre Anleihen ohne Schwierigkeiten bedienen.

Gute Verschuldungssituation bei Unternehmen

Dies zeige sich auch daran, dass die Ratingagenturen nur wenige Ratings senkten. Nur einzelne Unternehmen seien von Investmentgrade auf High Yield runtergestuft worden. Zudem halten sich die Zahlungsausfälle in Grenzen – mit etwa zwei Prozent oder noch weniger sind sie zurzeit sehr niedrig. Der Vergangenheitsdurchschnitt liegt bei drei bis vier Prozent. Auch die Marktdynamik im Bereich High Yield ist derzeit sehr förderlich, das Angebot ist recht gering, nur wenige völlig neue Emittenten kommen an den Markt.

Zudem sind die meisten Unternehmen, die neue Anleihen begeben, entweder relativ klein oder sie emittierten zum wiederholten Male, beispielsweise um alte Anleihen zu refinanzieren. Dadurch steige das Nettoangebot an High-Yield-Anleihen nicht. Die Nachfrage nach Neuemissionen ist hingegen hoch – noch immer fliesst sehr viel Geld in die Assetklasse, dank ihrer stabilen Erträge und hohen Coupons. Das stützt die Kurse.

Gute Aussichten für High-Yield-Obligationen

Experten gehen davon aus, dass High-Yield-Obligationen sich auch im kommenden Jahr gut entwickeln werden – mit Renditen um aktuell etwa sechs Prozent, niedrige bis hohe einstellige Erträge auf Jahressicht scheinen für 2018 realistisch. Legt ein Unternehmen überraschend schlechte Zahlen vor, die durch andere Anleihen nicht auszugleichen seien, kann der Ertrag eines gut strukturierten Portfolios auf etwa fünf Prozent fallen.

Wenn man aber ein gutes Jahr hat und die Kurse einiger Anleihen, die man zu pari gekauft hat, auf 120 US-Dollar steigen, könnte der Ertrag sieben bis neun Prozent betragen.

Potenziell riskante Sorglosigkeit

Es gibt allerdings auch Risikopotenziale. Nach der langen Phase mit niedrigen Ausfallquoten hält am Markt eine gewisse Sorglosigkeit Einzug. Titel mit geringerer Kreditqualität bieten kaum höhere Erträge als Anleihen mit einem B-Rating, obwohl riskanter. Bei Papieren mit schlechteren Ratings als B oder BB ist Vorsicht geboten.

Die langsame Einschränkung der expansiven Geldpolitik wiederum dürfte eher geringe Auswirkungen auf die Anleihe-Entwicklung haben, denn High-Yield-Anleihen haben meist kurze Laufzeiten von etwa fünf bis sieben Jahren, sodass sie in der Regel stärker auf Schwankungen der Kreditqualität als auf Zinsänderungen reagieren. Sie können daher auch dann gut abschneiden, wenn die Zinsen steigen.

*Shannon Ward ist High-Yield-Portfoliomanagerin bei der Capital Group

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