Die Kreditvergabe an in der Eurozone tätige Unternehmen ging im November zurück - ein Zeichen, dass die konjunkturelle Erholung in der 16 Länder umfassenden Währungsgemeinschaft auf wackligen Beinen steht. Die wirtschaftliche Unsicherheit wird noch unterstrichen durch Zahlen aus Spanien, dem viertgrössten Land der Eurozone, wo die Immobilienpreise im 4. Quartal zurückgingen: Um 0,9% im Vergleich zum 2. Quartal und um 7% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Europäische Zentralbank (EZB) sagte, die Kreditvergabe im Privatsektor sei bereits den dritten Monat in Folge zurückgegangen.

Erholung verzögert sich

Diese Meldungen «schüren die Bedenken, die Erholung in der Eurozone könnte in den kommenden Monaten durch eine beträchtliche Zahl von Unternehmen verzögert werden, die nicht die Kredite bekommen, die sie brauchten», glaubt Howard Archer von Global Insight. Unternehmen der Eurozone haben im vergangenen Jahr die Ausgabe von Anleihen erhöht, doch nur den grössten Unternehmen steht diese Alternative zu Bankkrediten zur Verfügung. Die meisten mittleren und kleinen Unternehmen sind voll und ganz auf Banken angewiesen. Kredite mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr gingen um 12 Mrd Euro zurück, solche mit Laufzeiten von mehr als fünf Jahren stiegen hingegen um 10 Mrd Euro.

Die Zahlen der EZB lassen jedoch Hoffnung für den Häusermarkt in der Eurozone aufkommen: Die Hypothekenkreditvergabe stieg im Oktober um 10 Mrd und im November um 9 Mrd Euro. Verglichen mit Oktober/November 2008 ist das ein Anstieg um 0,3%.

Einfluss auf den EZB-Leitzins

Laut EZB ist die Geldmenge M3, also das in Umlauf befindliche Bargeld, Sichteinlagen, die meisten Spareinlagen sowie Geldmarktfonds, im November um 0,2% zurückgegangen. Ökonomen hatten erwartet, sie werde um 0,4% wachsen. Die Daten zu Kreditvergabe und Geldmenge lassen vermuten, dass es noch dauern wird, bis die EZB den Leitzins erhöht.

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