Grosse Sportevents wie die Fussball-Europameisterschaften wecken den Spieltrieb und die Fantasie der Investoren. Neben kuriosen Themen entstehen dabei durchaus interessante Ansätze, wie ein Anleger vom Grossereignis profitieren kann. Denn schliesslich gibt es kaum einen Bereich um die Euro 08, der den Investoren verschlossen bleibt.

Die Investment-Idee ist simpel: Wenn an der Euro 08 ein neuer Fussballstern aufgeht, explodiert dessen Wert über Nacht. Der Kauf einer Aktie des Besitzerklubs sollte sich demnach lohnen, da dieser bei einem allfälligen Transfer Kasse machen kann. «Durch den Verkauf von David Odonkor von Borussia Dortmund zu Sevilla nach der Weltmeisterschaft 2006 sind den Borussen hohe ausserordentliche Erträge zugeflossen», zeigt Klaus Kränzle, Analyst von GSC Research, den Mechanismus auf. Doch mit dem Verkauf eines Spielers wird sogleich auch das Kader geschwächt, was sich über kurz oder lang in mangelndem sportlichem Erfolg niederschlägt. «Hinzu kommt, dass kaum ein Verein den Kauf eines neuen Spielers zugunsten einer Dividendenausschüttung zurückstellen wird», so Kränzle. Das Fazit zu Fussballaktien bleibt daher trotz Euro 08 dasselbe: Die Titel sind Liebhaberwerten und wer seinen Klub unterstützen will, kauft besser eine Saisonkarte.

Für einen erfolgreichen Euro-08-Abend braucht es neben einem spannenden Fussballspiel auch jede Menge Elektronik. Vom neuen HDTV-Fernseher über den Beamer bis hin zur Satelliten-Empfangsbox werden dieser Tage die Schweizer Wohnzimmer auf den kommenden Grossevent vorbereitet. Davon profitieren die Anbieter von Unterhaltungselektronik, wenngleich in einem weit geringeren Ausmass, als noch zur WM 2006 erwartet. «Damals hat der Handel mehrere Monate benötigt, um die hohen Lager wieder abzubauen», erklärt Clariden-Leu-Analyst Thomas Liebi. Den positiven Effekt von Sportevents auf die Elektronikaktien hält er denn auch für wenig ausgeprägt. Hinzu kommt, dass der Zeitpunkt für ein Investment verpasst wurde. «Zwar dürfte Kudelski mit den Smartcards für digitales Fernsehen und den Systemen für die Zutrittskonktrolle doppelt profitieren, doch wäre ein allfälliger Effekt schon im Aktienkurs eingepreist», so Liebi. Ohnehin würde er die Euro nicht zum Anlass für ein Investment nehmen. «Für das Timing kann sie von Nutzen sein. Trotzdem sollte man sich auf die finanziellen Kennzahlen stützen», ist der Claridenleu-Analyst überzeugt. Einen Geheimtipp hat er dennoch auf Lager: Die belgische EVS Broadcast Equipment vermietet den Fernsehstationen professionelle Ausrüstungen. Und diese erleben durch die Grossevents eine überdurchschnittliche Nachfrage.

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Bekanntermassen kann man bei englischen Buchmachern auf beinahe alles wetten: Ob nun auf das Abschneiden der Präsidentschaftskampagne von Barack Obama oder darauf, wann Gordon Brown als Premierminister zurücktritt.

Doch auch die Euro 08 sorgt bei den Wettanbietern für Rekordumsätze. Auf über 700 Mio Fr. wird laut Medienberichten der Wettumsatz während der EM alleine in Grossbritannien geschätzt. Dies, obwohl sich keine Mannschaft aus dem Mutterland des Fussballs qualifizieren konnte. Profitieren können etwa der irische Wettanbieter Paddy Power und die englischen Buchmacher William Hill und Ladbrokes. Die Broker von der Insel sind vor allem durch den Ausbau des Online-Betting erfolgreich. Die zunehmende Liberalisierung des englischen Marktes hat zu einer positiven Entwicklung bei allen drei Unternehmen geführt.

Die Quote der Schweiz auf den EM-Titel liegt beim österreichischen Wettanbieter bwin bei 34 Euro. Obwohl Köbi Kuhns Truppe so einiges zugetraut wird, sind laut Marktbeobachtern die Chancen, mit der bwin-Aktie Geld zu verdienen, höher. Über 60% der Analysten raten, die Aktien zu kaufen.

Christine Reitsamer, Sal.-Oppenheim-Analystin, bewertet die Aktie aber etwas kritisch. «Das WM-Geschäft war für bwin eher enttäuschend», hält die Analystin fest. Sie nimmt zudem an, dass der Hype an der Euro 08 kleiner sein wird als vor zwei Jahren. «Das Marketing hat sich damals wahrscheinlich nicht ausgezahlt, weil bwin hauptsächlich One-Time-Better als Kunden gewinnen konnte.» Diese Kunden wären bwin nicht treu geblieben, sondern seien bald nach der WM wieder abgesprungen. Die rechtliche Komponente des Wettgeschäfts macht die bwin-Aktie zudem unberechenbar. Christine Reitsamer glaubt jedoch: «Sollte das Euro-08-Geschäft erfolgreich sein, könnte die Aktie danach zulegen.»

An der Euro 08 wird nicht nur unter den Fussballmannschaften gekämpft. Auch die Sportartikelhersteller tragen am Grossevent ein Gefecht darüber aus, wer im Geschäft mit dem runden Leder die Nase vorn hat. Offizieller Sponsor des Grossanlasses ist die deutsche Adidas. Der Marktführer im Fussball stattet die Teams Deutschland, Frankreich, Spanien, Griechenland und Rumänien mit den drei Streifen aus. Ob darunter jene Mannschaft ist, welche am Schluss den Pokal nach Hause tragen darf, wird sich zeigen. Auf jeden Fall will das deutsche Unternehmen 2008 über 1,2 Mrd Euro mit Fussballprodukten umsetzen.

Das 1. Quartal 2008 verlief erfolgversprechend: Die weltweite Nummer zwei im Sportartikelgeschäft steigerte ihren Gewinn um 32%. Durch den Kauf der US-Tochter Reebok gelang es der Firma, ihren Umsatz in den USA zu verdoppeln. Markante 80% der zuständigen Analysten empfehlen die Valoren zum Kauf.

Der weltweit umsatzstärkste Sportartikelhersteller heisst indes Nike. Um die deutschen Konkurrenten Adidas und Puma auf Distanz zu halten, will sich Nike vermehrt multimedial vermarkten. Jüngster Coup ist eine Zusammenarbeit mit Apple: Ein am Laufschuh installierter Sensor misst Geschwindigkeit und Distanz der gerannten Strecke. Nike wird an der Euro 08 die Teams Türkei, Portugal, Kroatien, Niederlande, Russland und Schweden ausrüsten. 75% der Analysten stufen die Nike-Titel als «Kauf» ein.

Weniger überzeugt ist die Analystenzunft von der deutschen Puma. Lediglich 11 von 28 Analysten würden die Aktien des Unternehmens mit Sitz in Herzogenaurach zukaufen. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 263 Fr. Dank der europäischen Nummer zwei der Sportartikelproduktion tragen die Mannschaften der Gastgeber Schweiz und Österreich sowie auch die Teams von Tschechien, Polen und Italien an der Euro 08 das Raubkatzenlogo auf dem Trikot.Die immensen Marketingausgaben für den Sportanlass reissen jedoch ein grosses Loch in die Kasse: Im 1. Quartal ist der Gewinn von Puma um 6,7% gefallen. Grund dafür sind die hohen Kosten für die Vermarktung der EM und der Olympischen Spiele.

Puma wird zu 65% von der französischen Luxusgüterfirma PPR kontrolliert, lediglich 35% der Aktien sind im Streubesitz.