Blue Chips aus dem Euroraum bereiten Anlegern seit langem keinen Grund zur Freude. Während andere Indizes wie Dow Jones, SMI oder DAX oft nicht erst Anfang 2018 neue Allzeithochs gefeiert hatten, notiert der Euro Stoxx 50 mit den grössten Titeln in der Eurozone immer noch 30 Prozent unter den Rekorden kurz vor Ausbruch der Finanzmarktkrise 2008. Und vom Allzeithoch zur Jahrtausendwende haben die 50 grossen Standardwerte immer noch 40 Prozent Verlust. Auf Sicht von zwölf Monaten bringt beispielsweise der S&P 500 20 Prozentpunkte mehr Rendite als Blue Chips im Euroraum.

Viele Anleger machen deswegen seit längerem einen grossen Bogen um den Index. Das könnte grosser ein Fehler sein. Denn der Euro Stoxx 50 könnte vor starken Zeiten stehen – zumindest in den nächsten Monaten. Während nämlich insbesondere der Juni und September im Index statistisch betrachtet mit durchschnittlichen Kursverlusten in den letzten zehn Jahren von 1,8 und 1,6 Prozent die schwächsten Monate waren, steht die beste Börsen-Zeit jetzt erst bevor.

Oktober – ein guter Monat für Blue Chips in der Eurozone

Zwar bringt der Oktober dem Index aktuell noch ein Minus von sechs Prozent. Doch der Monat ist noch nicht vorbei und im Durchschnitt gab es im Oktober bei den grossen Blue Chips der Eurozone seit Start des Euro Stoxx 50 vor 20 Jahren 1998 ein Plus von 2,6 Prozent.

Die statistische Wahrscheinlichkeit auf einen raschen Rebound in den nächsten Wochen ist damit gross. Zum statistischen Aufholpotenzial im Oktober kommt auch das hohe Kurspotenzial des Index im November und Dezember. «In den letzten zehn Jahren lag der durchschnittliche Kursanstieg des Index in den beiden Monaten bei rund 1,3 und mehr als 1,6 Prozent», weiss Börsenexperte Marc Pribram von Commerzbank.

Charttechnik wirkt vielversprechend

Auch die Charttechnik bietet Grund zur Hoffnung. Denn der Euro Stoxx 50 notiert jetzt an der unteren Begrenzungslinie seines kurzfristigen Abwärtstrends vom Mai. Von dort konnte der Index in den letzten fünf Monaten schon drei Mal nach oben drehen und dabei jeweils um rund fünf Prozent zulegen.

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Dazu kommt: Der Index notiert obendrein nicht nur im Bereich der starken Unterstützung um 3200/3300 Punkte, sondern auch noch an der unteren Trendlinie seines Aufwärtstrends aus 2011. Und auch von dort konnte der Index in den letzten Jahren schon mehrmals schnell nach oben sprinten.

Anleger setzen mit einem Call auf schnelle Kursgewinne

Angesichts dieser Gemengelage aus Charttechnik und der Statistik lässt sich die Kursphantasie im Euro Stoxx 50 gut mit einem Indexzertifikat mit Hebel spielen. Da der Index seit fünf Jahren nicht mehr unter 2600 Punkte gefallen ist, greifen Anleger zu einem Turbo mit moderatem 4er-Hebel.

Basis und Knock-out liegen dabei jeweils bei rund 2482,7 Punkten (ISIN: DE000UW9HJM9) und damit weit vom aktuellen Kursniveau entfernt. Steigt der Euro Stoxx jetzt schnell wieder auf 3500 Punkte, dann wären mit dem Zertifikat trotz des hohen Sicherheitspolsters rund 40 Prozent Gewinn drin.

Auch Einzelwerte sind antizyklisch vielversprechend

Wer dagegen auf Einzelwerte setzen will, wirft antizyklisch einen Blick auf den Luxusgütersektor und LVMH. Mitte Oktober hatte Morgan Stanley die Branche von «neutral» auf «untergewichten» zurückgestuft und die Aktie des grössten Luxusplayers der Welt büsste dadurch seither rund zehn Prozent an Wert ein.

Dabei konnte der Konzern aus Paris seinen Umsatz in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres rein organisch sogar um elf Prozent steigern und im dritten Quartal blieb das Tempo mit einem Plus von zehn Prozent anhaltend hoch. Da die Aktie nach dem Rücksetzer im Bereich der unteren Begrenzungslinie ihres Aufwärtstrends aus Mitte 2017 notiert, könnte es in einer wieder freundlicheren Börsenphase rasch zum kräftigen Wiederaufschwung kommen.

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Einen Blick für antizyklische Anleger mit belastbarem Nervenkostüm ist jetzt unbedingt auch Intesa Sanpaolo wert. Die Bank mit Sitz in Turin kam in den letzten Wochen wegen der Verschuldungspläne der italienischen Regierung unter Druck und rutschte seit Ende September um rund 20 Prozent nach unten weg.

Aber Sorgen um Italiens Banken gab es schon oft und auf Kursrückschläge folgten dann schon bald wieder starke Erholungsphasen. Nachdem die Aktie von Intesa jetzt im Bereich der starken Unterstützung um 2,0 Euro notiert, könnte es von dort nun erneut zum schnellen Rebound kommen. Da die Bank die Erträge im ersten Halbjahr kräftig von 1,7 auf 2,2 Milliarden Euro steigern und auch das operative Ergebnis um 6,1 Prozent ausbauen konnte, ist mit der Fortsetzung der Dividendenpolitik zu rechnen. Das heisst: Auch im nächsten Jahr sind über sieben Prozent Rendite drin.
 

* Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke, unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) spezialisiert. Performance des Musterdepots 1 Jahr: +18,7 Prozent (DAX: +5,6 Prozent), 3 Jahre: +51,8 Prozent (DAX: +14,9 Prozent). Seit Start im April 2010 steht ein Zuwachs von +374,2 Prozent (Dax: +96,9 Prozent)