Die Turbulenzen um Zypern haben den Euro-Kurs anfänglich kaum belastet – erst zum Wochenauftakt geriet die Währung ins Trudeln. Was geht in den Köpfen der Devisenspekulanten vor?
John Hardy:
Anfänglich reagierte der Euro-Kurs positiv, weil die Märkte gelernt haben, dass die Behörden eine Krise um jeden Preis verhindern. Trotzdem stimmte es nachdenklich, dass die Lösung für Zypern Spargelder herbeizieht. Richtig schockierend war dann die Aussage des Euro-Gruppe-Vorsitzenden Jeroen Dijsselbloem, die Zypern-Lösung könne als Blaupause für andere Probleme in Europa dienen.

Also haben die Investoren bereits Spanien im Auge. Dann ist Zypern doch system-relevant für die Euro-Zone?
Zypern ist nur relevant in seiner Eigenschaft als Präzedenzfall für andere Euro-Mitgliedstaaten. Nachdem das Rettungspaket jetzt geschnürt ist, spräche eigentlich viel dafür, dass das Land aus der Währungsunion ausscheidet. Was hat Zypern jetzt noch zu verlieren?

Ja, was?
Darüber will zurzeit niemand diskutieren. Aber ich mache mir Gedanken, ob der Weg nicht in diese Richtung führt.

Was heisst das für den Wechselkurs des Euro zum Franken?
Ich denke, dass der Euro letztlich gegenüber dem Franken an Boden gewinnen wird. Die Nationalbank wird ihren Teil dazu beitragen, indem sie die Euro-Untergrenze bei 1.20 beibehält. Ausländischem Kapital wird gezeigt, dass es in der Schweiz nicht willkommen ist. Die Gebühren einzelner Banken auf Frankeneinlagen institutioneller Investoren spielen ebenfalls eine Rolle.

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Die Nationalbank setzte das Mittel der Negativzinsen aus Frankeneinlagen noch in den 1970er-Jahren ein. Feiert das Instrument jetzt ein Comeback?
Ich könnte mir vorstellen, dass dieses Mittel vermehrt zum Zug kommt. So könnte verhindert werden, dass die Nationalbank-Reserven noch mehr anschwellen.

Der Franken wird also mit allen Mitteln gedrückt. Welche Währungen haben denn noch Steigerungspotenzial?
Der Dollar könnte künftig zulegen, da sich die amerikanische Notenbank Gedanken über eine Zinserhöhung macht und die amerikanische Wirtschaft wohl besser abschneiden wird als viele andere wichtigen Regionen. Zudem glaube ich, dass der Markt die Lockerungspläne der japanischen Notenbank überschätzt und einen zu schwachen Yen einpreist.

Und von welchen Devisen sollten Anleger die Finger lassen?
Der australische und der neuseeländische Dollar waren letztens sehr beliebt und profitierten noch von den besseren Wirtschaftsaussichten des Absatzmarktes China. Doch jetzt sehe ich nicht, was die beiden Devisen höher treiben sollte. Ich befürchte eher, dass die Investoren zu optimistisch waren und die Devisenmärkte wegen all dem Notenbankgeld überschäumen. Bei Schwellenland-Währungen wie Südafrikas Rand erwarte ich ebenfalls Abwertungsrisiken.

Wie können Privatanleger angemessen auf diese Risiken reagieren?
Das hängt natürlich davon ab, was das Ziel der Investoren ist. Ich würde höchstens davor warnen, die Fremdwährungshebel im Devisengeschäft ausser Acht zu lassen. Diese können bis 100 :1 betragen und sind äusserst gefährlich, wenn es zu einem Einbruch kommt.

Auch so gilt der Devisenhandel als intransparent und anfällig für Betrügereien, wie etwa jene der deutschen Bank FX-Direct. Wie sehen Sie das?
Zu Mitbewerbern äussern wir uns grundsätzlich nicht. Der Devisenhandel ist der grösste Markt der Welt und die Preisdaten sind gratis, weil es keine spezialisierten Börsen gibt. Mehr Transparenz ist fast nicht möglich. Generell sollten Anleger nur mit etablierten Brokern arbeiten und auf ihr eigenes Verhalten achten – Gewinne rasch realisieren und Verluste begrenzen.

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