Das überraschend klare «Nein» der griechischen Bevölkerung zu den Reformvorschlägen der Gläubiger hat die Aktien der Banken in Europa am Montag auf Talfahrt geschickt. Der Index für Papiere der Geldhäuser der Eurozone sackte um bis zu 3,2 Prozent ab. Vor allem Papiere südeuropäischer Institute wie der italienischen Banco Popolare, der spanischen Banco de Sabadell oder der portugiesischen BCP fielen bei den Anlegern in Ungnade. Ihre Aktien verloren zwischen vier und 5,5 Prozent. An der Börse Frankfurt büssten Aktien von Deutscher Bank und Commerzbank jeweils 2,5 Prozent ein.

Die in den USA notierten Titel der National Bank of Greece stürzten um 15 Prozent ab. Einen Ausverkauf gab es auch bei einem börsennotierten Fonds (ETF) auf griechische Aktien. Er brach im vorbörslichen US-Geschäft um gut elf Prozent ein. Dax, Eurostoxx 50 und auch den Euro brachte das Ergebnis der Volksabstimmung dagegen nur kurz aus dem Tritt. Die Athener Börse blieb bis auf weiteres geschlossen.

Athener Börse weiter geschlossen

«Das Bankensystem wird sehr wahrscheinlich eingefroren bleiben und der paralysierte griechische Zahlungsverkehr beeinträchtigt die Realwirtschaft in den kommenden Wochen zunehmend», sagte Citi-Analyst Ronit Ghose. Die Europäische Zentralbank (EZB) wollte am Montag über eine Verlängerung der Notfall-Kredite für die griechischen Geschäftsbanken beraten. Die Geldhäuser der Halbinsel blieben wie in der vergangenen Woche grösstenteils geschlossen. Damit soll vermieden werden, dass die Griechen ihre Konten komplett leer räumen und die Banken dadurch in die Pleite trudeln.

Anleger verkauften auch die Anleihen Italiens, Spaniens und Portugals und trieben damit die Renditen der zehnjährigen Titel dieser Länder in die Höhe. Mit 2,317 bis 3,08 Prozent lag die Rendite der Papiere aber nur etwa halb so hoch wie zum Höhepunkt der europäischen Schuldenkrise 2012 und weit unterhalb eines Niveaus, das von Volkswirten als kritisch gesehen wird. Investoren schichteten ihr Geld dennoch in die als sicher geltenden Bundesanleihen um. Sie verhalfen dem Bund-Future damit zu einem Plus von 78 Ticks auf 152,58 Punkte.

Das Gros der Anleger bleibt besonnen

Dax und EuroStoxx50 rutschten zwar zu Handelsbeginn um jeweils mehr als zwei Prozent ab, grenzten ihre Verluste aber schnell wieder ein. Am Mittag notierte der deutsche Leitindex 1,1 Prozent tiefer bei 10.934 Punkten. Sein pan-europäisches Pendant lag 1,5 Prozent im Minus bei 3389 Zählern. Nach der überraschenden Ankündigung des Referendums in Griechenland vor gut einer Woche waren die Kurse mehr als doppelt so stark eingebrochen. Die Verluste des Euro am Devisemarkt hielten ebenfalls in Grenzen. Er verbilligte sich um etwa einen halben US-Cent auf 1,1061 Dollar.

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61 Prozent der griechischen Wähler hatten sich am Sonntag gegen die Sparforderungen der Geldgeber ausgesprochen und damit Ministerpräsident Alexis Tsipras den Rücken gestärkt. «Das Votum bedeutet nicht das Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro", betonte Andrew Milligan, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Standard Life Investments. "Alles wird vom Willen zum Kompromiss aller Seiten abhängen. Die Uhr tickt.»

Griechen wollen Kompromiss mit Gläubigern

Edmund Shing, Fondsmanager des Vermögensverwalters BCS, äusserte sich verhalten optimistisch über die Aussichten für die geplanten Gespräche. «Mit dem Rücktritt des Finanzministers Yanis Varoufakis signalisiert die griechische Regierung, dass sie einen Kompromiss mit den Gläubigern erreichen will.» Die Analysten der Essener National-Bank äusserten sich skeptisch: «'Eigentlich' können weder Finanzminister noch Staats- und Regierungschefs dem Ansinnen der griechischen Administration nach dem Theater der vergangenen Tage und Wochen weiter entgegen kommen.»

(reuters/chb)