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Aktienmarkt
Europäische Aktien in guter Verfassung

Pirelli Reifen
Pirelli-Reifen: Aktien des Premiumreifenherstellers können auch im Aktienportfolio für Profil sorgen.Quelle: ZVG

Der Ausblick für Anlagen in europäischen Aktien ist positiv. Daran ändert auch die unsichere politische Lage in Italien nichts.

Von Mark Denham*
am 26.07.2018

Wie bei allen Aktienanlagen muss allerdings der für diese Anlageklasse geeignete Zeithorizont berücksichtigt werden, also länger als drei Jahre. Der US-Dollar gab im ersten Quartal zwar gegenüber dem Euro nach und belastete damit die Korrekturen des Gewinnwachstums europäischer Unternehmen.

Allerdings erstarkte er seitdem wieder, was sich positiv auf den europäischen Aktienmarkt auswirkt. Tatsächlich erwirtschaften börsennotierte Unternehmen einen erheblichen Teil ihrer Umsätze im Ausland, und der stärkere US-Dollar hat zur Folge, dass ihre Gewinne nach der Umrechnung in Euro höher sind.

Schaut man sich den Markt an, sind europäische Aktien in guter Verfassung: Das zweite Jahr in Folge dürften die Gewinne europäischer Aktien steigen, wenn auch in geringerem Masse als 2017, als sie um rund 15 Prozent zulegten. Dieses Jahr kann mit einem Gewinnwachstum von etwa 8 Prozent gerechnet werden, was sich teilweise auf die gute zugrunde liegende Dynamik der europäischen wie auch der globalen Wirtschaft zurückführen lässt. Die Wachstumsrate hat sich zwar gegenüber dem hohen Niveau vom letzten Jahr verlangsamt, die Frühindikatoren sind aber nach wie vor expansiv.

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Auf lange Sicht sind die Bewertungen ebenfalls attraktiv: So liegt etwa die durchschnittliche Dividendenrendite auf europäischen Märkten bei 3,8 Prozent – was gegenüber den noch immer niedrigen Zinssätzen eine äusserst attraktive Rendite ist. Die KGV-Bewertungen entsprechen trotz der vergleichsweise besseren Gewinnaussichten dem 30-Jahres-Durchschnitt.

Langfristige Wachstumsaussichten für SAP, Kerry Group oder Ryanair

Im derzeitigen Umfeld scheint der Ansatz vielversprechend, Titel von Unternehmen zu ermitteln und zu bewerten, welche die besten langfristigen Wachstumsaussichten bieten. Diese Unternehmen können eine hohe, nachhaltige Rentabilität vorweisen, die idealerweise mit einer internen oder externen Wiederanlage kombiniert wird. Man muss jedoch auch Disziplin wahren, was den Preis anbelangt, den ein Anleger für die erworbenen Aktien zahlt. Wichtig ist, sich auf Titel mit den besten asymmetrischen Risiko-Rendite-Profilen zu konzentrieren.

Ist man bei der Titelauswahl nicht auf Länder oder Sektoren beschränkt, finden sich unter den Tausenden potenziellen Anlagen auf den europäischen Märkten viele interessante Aktien – wie etwa SAP, Kerry Group, Siemens Healthineers, Ryanair und Pirelli. All diese Unternehmen erfüllen die Anlagekriterien der nachhaltigen Rentabilität und Wiederanlage, und von ihnen kann man erwarten, dass sie in den kommenden Jahren herausragende Renditen abwerfen. Sie alle weisen unternehmensspezifische Faktoren für ein künftiges Wachstum auf, das in unterschiedlichem Masse nicht so sehr von Wirtschaftswachstum oder Marktbedingungen abhängt.

In Italien erscheint beispielsweise Pirelli eine sehr interessante Anlagemöglichkeit zu sein. Der Reifenmarkt ist weniger zyklisch als man denken mag, denn er wird eher durch Ersatzteilumsätze als durch Neuwagenumsätze bestimmt. Etwa 75 Prozent des Marktes nehmen Ersatzteile ein. Zudem produziert Pirelli ausschliesslich Reifen für Endverbraucher und ist ein weltweit führender Hersteller im Segment für Premiumreifen, das schneller wächst als der Gesamtmarkt. Die Investitionen des Unternehmens in sein Vertriebsnetz scheinen nachhaltig zu sein, und die zunehmende Konzentration auf das Premiumsegment dürfte die Margen steigern und mittelfristig zu einer höheren Bewertung führen.


* Mark Denham ist Portfoliomanager bei Carmignac. Bevor er im November 2016 zum Unternehmen stiess, war er für Aviva Investors als Fondsmanager und Leiter der gesamteuropäischen Aktienabteilung tätig. Er kam 1999 zu Aviva und war davor als Fondsmanager bei National Mutual Life tätig. Er machte seinen Abschluss in Naturwissenschaften an der Universität Cambridge und besitzt Qualifikationen von FIA und IMC.