Europas grösste Hedge-Fonds-Manager erreichten im vergangenen Jahr unter anderem mit Nettogewinnen von bis zu 41% bei mindestens einem der Flagship-Fonds eine bessere Performance als ihre Kollegen im Rest der Welt. Eine kürzlich veröffentlichte Schätzung für den nicht handelbaren Index des Datendienstes Hedge Fund Research besagt, dass Investoren in der Hedge-Fonds-Branche 2007 weltweit auf Gewinne von durchschnittlich 10,4% kamen.

Der Anlageberater Hennessee Group rechnet mit 11,6%. Wenigstens fünf weitere Datenanbieter werden ihre Daten demnächst veröffentlichen, es wird jedoch aufgrund ihrer anfänglichen Schätzungen auf der Grundlage der November- und Dezember-Gewinne für handelbare Indizes erwartet, dass ihre Zahlen ebenfalls bei rund 10% liegen werden.

Branche schlägt S&P 500

Von den Investoren erhielt «Financial News» für 2007 die Zahlen von 20 der 25 grössten europäischen Hedge-Fonds-Firmen, deren verwaltetes Vermögen am Jahresende zwischen 4 und 21 Mrd Dollar lag. Zehn von ihnen lagen über dem Branchendurchschnitt, acht lagen über dem Gewinn von US-Staatsanleihen, und die restlichen zwei verzeichneten Verluste, die unter 1% blieben.

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Lee Hennessee, die Geschäftsführerin der Hennessee Group, findet, die Hedge-Fonds-Branche sollte mit dem Standard & Poor’s 500 verglichen werden, den sie um 8 Prozentpunkte übertraf. «Das war die beste relative Performance seit 2002», betont sie.

Richard Watkins, CEO des britischen Anlageberatungsunternehmens Liability Solutions, möchte die Zahlen lieber anhand des Cash Returns, also der Rendite auf das investierte Kapital, beurteilt sehen: Es sei «kein schlechtes Jahr für die Branche» gewesen, und «die Volatilität war gering».

Die erfolgreichsten grossen europäischen Hedge-Fonds arbeiten mit einer Long/Short-Strategie, der beliebtesten unter den mehr als 20 verschiedenen Hedge-Fonds-Strategien. Der globale internationale Fonds von Sloane Robinson, der nicht in den USA investiert, führt, wie aus gut informierten Kreisen verlautet, die Liste der grossen europäischen Fondsmanager mit einem Gewinn von 41% an.

Sloane Robinson wurde 1993 gegründet und ist damit einer der ältesten Hedge-Fonds-Manager in Europa und mit einem verwalteten Vermögen von 15 Mrd Dollar der sechstgrösste. Im vergangenen Jahr erreichten drei seiner anderen Hedge-Fonds überdurchschnittliche Gewinne: Der globale Fonds Phoenicia brachte 36%, der Schwellenländerfonds 34% und der Asien-Fonds 30%. Sein europäischer Fonds wuchs um 7%, und der kleine Japan-Fonds, der in einem Markt tätig ist, der im vergangenen Jahr sehr problematisch war, legte immerhin noch 2% zu.

BlueCrest kam mit seinem Futures-Fonds BlueTrend, der im Gegensatz zu den übrigens BlueCrest-Fonds computerbetrieben ist, auf 25% Gewinn. BlueTrend ist seit seinem Start 2004 auf mehr als 3 Mrd Dollar angewachsen, lag letztes Jahr an der Spitze der grossen Futures-Fonds und liess damit Man AHL, Winton Capital und Aspect Capital hinter sich.

BlueCrest Capital, der ursprüngliche, im Jahr 2000 eröffnete Arbitrage-Fonds, sei per 21. Dezember 2007 mit 10% im Plus, berichtet ein Investor. Der langjährige Firmendurchschnitt liegt bei 12% bei einer Volatilität von unter 6%.

GLG Partners, die im vergangenen Jahr in New York an den Markt gingen, erreichten mit jedem ihrer drei grössten Fonds zweistellige Renditen. Ihr Schwellenländerfonds kam auf 50% nach Gebühren.

Mit einem verwalteten Vermögen von 3,1 Mrd Dollar (Stand Ende September 2007) ist er drauf und dran, den europäischen Long/Short-Fonds als grössten Fonds des Unternehmens abzulösen. Der europäische Long/Short-Fonds verfügte im September über 3,2 Mrd Dollar verwaltetes Vermögen. Der marktneutrale Fonds von GLG, einst der grösste Fonds des Hauses, hatte im September 2,5 Mrd Dollar und machte im Jahr 2007 einen Gewinn von 14%.

Einige der kleineren Fonds in Europa generierten aussergewöhnliche Gewinne. Ein Fonds der britischen Peloton Partners, der 2006 herausgebracht wurde und mit Asset Backed Securities handelt, verzeichnet für das vergangene Jahr einen Gewinn von 87%.

Der wurde hauptsächlich getrieben durch ein kurzfristiges Engagement in US-Subprime-Hypotheken, die nach Ansicht von Richard Blake, einem Senior-Portfoliomanager von Comas, der Dach-Hedge-Fonds-Einheit der Commerzbank, einer der drei grossen Gewinnbringer des vergangenen Jahres waren. Die anderen beiden seien ein Hedge gegen Volatilität und ein kurzes Engagement in Krediten.

Wetten gegen Subprime

Der Zufluss hoher Monatsgewinne, den manche Hedge-Fonds durch Wetten gegen Subprimes erlebt haben, könnte langsam abebben, glauben Dach-Hedge-Fonds-Manager. Der ABS-Fonds von Peloton verlor im Dezember 0,35%. Pelotons älterer Multistrategiefonds verlor im Dezember zwar 0,59%, verzeichnet aber auf Jahressicht einen Gewinn von 27%.

Die spanische Vega Asset Mangement Partners kam mit einem ihrer vier Flagship-Fonds, dem Vega Select Opportunities, 2007 auf 15% Nettogewinn. Nach vier Jahren mit Gewinnen von rund 27% pro Jahr hatte er im Jahr 2005 9% und 2006 sogar 16% Verlust, scheint aber jetzt die alte Form wieder gefunden zu haben.

Die Firma war 2005 mit 11 Mrd Dollar verwaltetem Vermögen in ihren Flagship-Fonds kurzzeitig der weltgrösste Hedge-Fonds-Manager, bevor Verluste die Anleger aufschreckten und das Flagship-Vermögen auf unter 1 Mrd Dollar fiel, obwohl sie auch Assets in anderen Fonds hatte.

Vegas andere Vorzeigefonds, der Vega Diversified und der Vega Global, stiegen um knapp 5%; der Vega Relative Value fiel hingegen um 6%.