Die Allianz hat mit ihren neuen Commerzbank-Aktien aus dem Verkauf der Dresdner Bank bislang kein gutes Geschäft gemacht. Der Wert der Aktien sei allein von Ende August bis Ende September um 1,6 Mrd Euro auf 4,9 Mrd gefallen, teilte die Allianz mit. Der Münchner Finanzkonzern hatte Ende August die Dresdner Bank an die Commerzbank veräussert. Der Kaufpreis besteht zu einem grossen Teil aus Aktien der Commerzbank, an der die Allianz künftig mit knapp 30% beteiligt sein soll. Der Verkauf, der in mehreren Schritten erfolgt, soll trotz der Turbulenzen an den Börsen weiterhin bis Ende 2009 abgeschlossen sein. Die Buchverluste bei Europas grösstem Versicherer haben an der Börse ein Beben ausgelöst: Die Allianz-Aktie fiel allein diese Woche um 8% und riss auch Schweizer Versicherungswerte mit ins Minus. Citigroup stufte das Allianz-Papier umgehend von «Kaufen» auf «Halten» zurück, denn noch schlimmer als der Verlust auf den Commerzbank-Aktien drückt die Aussicht auf künftige Schäden.

Verantwortlich für die Tochter

So rechnet die Allianz nach dem Milliardenverlust im 3. Quartal mit weiteren Abschreibungen wegen der Finanzmarktkrise. Der Vorstand erwarte «zusätzliche Wertminderungen auf Kapitalanlagen, die insbesondere das operative Ergebnis in der Lebens- und Krankenversicherung belasten werden».

Von Juli bis September hatte die bisherige Allianz-Tochter Dresdner Bank, die nun an die Commerzbank verkauft wird, den Wert ihrer forderungsbesicherten Wertpapiere um 650 Mio Euro nach unten korrigiert und einen Nettoverlust von 1,2 Mrd Euro ausgewiesen. Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter hatte betont, die Zahlen seien auch Folge der Offenheit, mit der das Institut Einbussen aus der seit Sommer 2007 tobenden Finanzkrise verbuche. Der Münchner Versicherungskonzern Allianz ist bis Ende 2008 rechtlich für seine Bank-Tochter verantwortlich. Die Commerzbank will die Dresdner Bank dann bis spätestens Ende 2009 in zwei Schritten für insgesamt 9,8 Mrd Euro übernehmen.

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Wegen des Milliardenverlusts im 3. Quartal rückte die Allianz von ihrer Gewinnprognose ab. «Ohne eine umfassende Erholung der Aktienmärkte werden wir unser Ziel eines operativen Ergebnisses ohne das Bankgeschäft von 9 Mrd Euro in diesem Jahr und auch 2009 nicht erreichen können», sagte Finanzvorstand Helmut Perlet.

Die Finanzkrise hinterliess tiefe Spuren in der Bilanz des grössten europäischen Versicherungskonzerns. Im 3. Quartal verbuchte die Allianz einen Nettoverlust von 2 Mrd Euro. Vor Jahresfrist hatte das Unternehmen noch 1,9 Mrd Euro Gewinn gemacht. Der Konzern-umsatz sank im 3. Quartal leicht um 3,8% auf 21,1 Mrd Euro. Das operative Ergebnis ging von 2,6 Mrd Euro im Vorjahresquartal auf 1,6 Mrd Euro zurück. Immerhin: Die Schaden- und Unfallversicherung, das grösste Geschäftssegment der Allianz-Gruppe, hat sich widerstandsfähig gezeigt. 2008 erzielte das Unternehmen bisher ein Ergebnis von 6,5 Mrd Euro.