Zwar bleibt der Leitzins unverändert, der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, warnt aber vor weiter steigenden Preisen in der Eurozone. In der Pressekonferenz im Anschluss an die Zinsentscheidung sprach Trichet von «Aufwärtsrisiken bei der Inflation». Die Teuerungsrate dürfte demnach weiter «klar über zwei Prozent liegen».

Die Geldpolitik nannte Trichet weiterhin wachstumsstützend. Allerdings deuten die jüngsten Konjunkturdaten laut Trichet auf eine Abkühlung der Wirtschaft in der Eurozone hin. Die konjunkturelle Entwicklung im Euroraum bleibe aber nach wie vor auf einem «moderaten Wachstumspfad».

Ökonomen rechnen damit, dass der wichtigste Zins zur Versorgung der Geschäftsbanken im Euro-Raum mit Zentralbankgeld bis zum Jahresende noch einmal erhöht wird. Dafür sprechen hohe Inflationsraten.

Nächste Erhöhung kommt - aber wann?

Unsicher sind sich die Experten allerdings, ob die Währungshüter die geldpolitischen Zügel bereits im Oktober weiter anziehen oder erst im Dezember. Die Anzeichen mehren sich, dass die Konjunktur in den 17 Ländern mit Euro-Währung an Schwung verlieren könnte. Auch ist die Euro-Schuldenkrise noch längst nicht beendet.

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Nach dem Euro-Gipfel zur Griechenlandrettung sind jetzt Spanien und vor allem Italien wieder in den Fokus geraten. Beobachter schliessen daher nicht aus, dass sich die Währungshüter mit einer weiteren Zinserhöhung bis Dezember Zeit lassen könnten.

Zwei Erhöhungsschritte seit April

Seit April hat der EZB-Rat die Zinsen in zwei kleinen Schritten angehoben. Zuvor hatte der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft seit Mai 2009 auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent verharrt.

Wegen der anhaltenden Turbulenzen an den Märkten steht zudem die Frage nach weiteren Anleihekäufen durch die Zentralbank im Raum. Die Ratingagentur Standard & Poor's forderte zuletzt ein Eingreifen der EZB, um die Anleger zu beruhigen.

Kauf weiterer Staatsanleihen?

Es ist allerdings höchst umstritten, ob die EZB wegen der Probleme in den beiden für die Stabilität der Währungsunion wichtigen Ländern Spanien und Italien abermals Staatsanleihen kaufen sollte oder nicht.

In den Tagen vor der Ratssitzung waren immer wieder entsprechende Forderungen laut geworden. Das Argument der Befürworter: Nur die Zentralbank mit ihrer theoretisch unbegrenzten finanziellen Feuerkraft sei in der Lage, entsprechend stark als Käufer aufzutreten und so die Märkte wieder zu beruhigen.

Kritiker wie Deutschland sperren sich jedoch gegen weitere Staatsanleihenkäufe. Die EZB hat in den vergangenen 18 Wochen keine Anleihen mehr gekauft.

Bereits am Mittwoch hatte die Schweizer Nationalbank ihren Kampf gegen den starken Franken mit einer Zinssenkung intensiviert. In der Nacht zum Donnerstag intervenierte Japan dann gegen den starken Yen und die Notenbank lockerte ihre ohnehin schon lockere Geldpolitik weiter.

(cms/sda)