Die Kurse an der Obligationenbörse haben sich am Donnerstag abgeschwächt. Im Gegenzug warfen die Zinspapiere so viel ab wie lange nicht mehr. Die Renditen der zehnjährigen Referenzanleihe der Eidgenossenschaft stiegen auf minus 0,03 Prozent - der höchste Stand seit September 2015.

Der Juni-Kontrakt des Zins-Futures Conf sank bei vergleichsweise grossen Umsätzen um 35 Basispunkte auf 157,90 Prozent. Auch die Renditen der richtungsweisenden Euro-Bunds und der US-Treasury-Bonds legten kräftig zu.

Druck vom Markt genommen

Händler sagten, die Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi, dass vorerst kein Bedarf für weitere Zinssenkungen bestehe, habe etwas Druck von den Märkten genommen. Die EZB hatte zuvor mitgeteilt, die Leitzinsen blieben unverändert auf Rekordtief. Die monatlichen milliardenschweren Anleihenkäufe sollen bis mindestens Ende 2017 fortgesetzt werden.

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«Wir erwarten, dass die Zinsen noch einige Zeit auf demselben Niveau bleiben«, sagte Draghi. Die Wahrscheinlichkeit einer Senkung habe sich verringert. Die Schlüsselsätze sollen weit über die Zeit des Anleihen-Kaufprogramms der EZB hinaus auf dem aktuellen Niveau liegen.

Geldschwemme bleibt konstant

Die EZB beende die Geldschwemme zwar nicht, aber sie werde nicht noch ausgeweitet, sagte ein Händler. Damit habe die EZB auch etwas Druck vom Franken genommen. Der Euro-Kurs stieg auf 1,0730 von zuvor 1,0715 Franken. Die SNB intervenierte in den vergangenen Wochen kräftig gegen den starken Franken, wie aus der Entwicklung der Giroguthaben der Banken bei der SNB abgelesen werden kann.

Das Geschäft im Sekundärmarkt verlief laut Händlern in ruhigen Bahnen. Mangels neuer Anleihen hielten sich die Aktivitäten auch im Primärmarkt in Grenzen. «Die Woche war bisher ganz gut und wir erwarten in den kommenden Tagen eine Belebung«, sagte ein Händler. Dabei steckten Anleihen sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland in der Pipeline.

«Nach der EZB bedeutet vor der Fed»

«Vor der EZB-Zinsentscheidung haben sich die Marktteilnehmer zurückgehalten und nun dürften sie auf die Job-Daten vom Freitag und danach auf die Zinsbeschlüsse der US-Notenbank am kommenden Mittwoch warten«, sagte ein Börsianer.

«Nach der EZB bedeutet vor der Fed«, sagte ein anderer Händler. Die Meinungen zur Fed sind allerdings weitgehend gemacht. Reuters-Daten zufolge beträgt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte rund 90 Prozent.

(reuters/me/gku)