Das Ideenkarussell zur Bekämpfung der Euro-Krise dreht weiter: So soll etwa ein Abkommen zwischen einzelnen Kernländern den Währungsraum stabilisieren. Was halten Sie davon?
Unserer Meinung nach müsste sich die Europäische Zentralbank (EZB) bereit erklären, unbeschränkt Staatsanleihen notleidender Euro-Länder aufzukaufen. Sie sollte zum finanziellen Prellbock im Euro-System werden.

Liesse sich der Kreditengpass nicht auch mit Eurobonds überbrücken?

Die Ausgabe von Eurobonds ist erst sinnvoll, wenn die EZB das Mandat als «Lender of last Resort» erhalten und sich dadurch die Lage in Europa stabilisiert hat. Wenn mitten in der Schuldenkrise solche Anleihen platziert werden, würde wohl niemand die Papiere kaufen. Es ist das Gleiche wie bei einem Unternehmen: Erst wenn die Restrukturierung auf gutem Weg ist und sich Umsetzungserfolge abzeichnen, kann sich die Firma am Kapitalmarkt wieder frische Mittel beschaffen.

Deutschland wehrt sich eisern dagegen, dass die EZB diese Rolle übernimmt. Lassen sich die Deutschen umstimmen?
Ich denke schon. Deutschland will einfach nicht, dass zu früh eingegriffen wird: Die hoch verschuldeten Länder sollten lieber zuerst eigene Anstrengungen unternehmen, bevor die Feuerwehr kommt. Ich erwarte, dass die Verträge bald angepasst werden, damit der neue Status der Zentralbank legitimiert wird. Kommt dies nicht zustande, wird es erst recht teuer. Denn wenn eine Institution im Markt glaubwürdig ist, muss sie gar keine grossen Interventionen machen.

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Und welche Länder sind heute noch glaubwürdige Schuldner?
Norwegen, Singapur, Schweden und auch die Schweiz sind die Spitzenreiter. Die Schlusslichter sind Portugal und Griechenland. Aber auch Indien ist zum Beispiel auf den hinteren Rängen zu finden.

Aber zumeist gewinnen Schwellenländer an Vertrauen.
Die USA wird von Brasilien und China überflügelt. Es herrscht längst eine neue Realität, die sich aber noch nicht in den Einstufungen der offiziellen Ratingagenturen spiegelt.

Das heisst?
Die Zeit spielt für die Schwellenländer. Während die Schuldenrate, also die Brutto-Staatsverschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt, in den Industrieländern in den nächsten Jahren steigt, sinkt dieses Verhältnis in den Schwellenländern. Laut Prognose des Internationalen Währungsfonds dürfte die Schuldenrate der G-20-Industrieländer innert fünf Jahren auf über 117 steigen. Umgekehrt sinkt die Schuldenratio der G-20-Schwellenländer auf 29.

Trotzdem zeigen Länder wie China Anzeichen einer Kreditblase.
Nicht nur in China sehe ich solche Anzeichen. Auch in der Türkei, Brasilien, Indien und Indonesien zeichnet sich eine negative Dynamik ab. In diesen Ländern wachsen die privaten Kredite schneller als die Wirtschaft. Dies werten wir als Warnsignal. Auch in Indien, Russland und Brasilien gibt es Signale der Überhitzung.

Wie kommen Anleger um all diese Risiken herum?
Grundsätzlich sind solide Obligationen aus dem Industrie- und Finanzbereich Staatsanleihen vorzuziehen. Attraktiv sind vor allem Firmen, die einen hohen Anteil ihres Gewinns in Schwellenländern erwirtschaften − so etwa die spanische Telefonica. Aber auch Versicherungen wie Axa oder Allianz, deren Anleihenkurse zuletzt stark abgestraft wurden, sind interessant.

Gibt es attraktive Staatsanleihen?
Interessant sind vor allem Schwellenländer-Anleihen in Hartwährungen wie etwa Brasilien, Südkorea, Skandinavien, Tschechien, aber auch die Turnaround-Kandidaten Irland und Island.

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