Sie sind einer der dienstältesten Technologie-Werte-Analysten der Schweiz. Erinnerte Sie der Hype rund um den Facebook-Börsengang an die Tech-Blase der Jahrtausendwende?

Panagiotis Spiliopoulos:
Die Vorgänge gleichen sich fast aufs Haar. Der Börsengang selber mahnte mich an die schlimmsten Beispiele aus der Endphase des Tech-Booms im Jahr 2000. Dass man kurz vor dem Börsengang noch die Anzahl Aktien um einen Drittel erhöhte, war schlicht fahrlässig.

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Der Kurs der Facebook-Aktie ist nun die Quittung dafür?
Der Startpreis war viel zu hoch angesetzt. Interessant ist, dass viele institutionelle Investoren keine Aktien zeichnen wollten. Also wurde der Börsengang zu einem guten Teil von Privatanlegern bestritten. Und von denen wetteten wohl viele darauf, dass sie das Papier später irgendeinem Dummen zu einem noch höheren Kurs verkaufen könnten. Da lagen sie falsch.

Wird der Kurs weiter fallen?
Wir decken den Wert offiziell nicht ab, deshalb kann ich nur für mich sprechen. Ich würde Facebook erst bei einem Kurs um die 20 Dollar kaufen, wenn überhaupt.

Immerhin macht Facebook Gewinn und hat Hunderte Millionen von Nutzern.
Ich will das Unternehmen ja nicht schlechtreden. Das Problem bei Facebook ist, dass alle nur die Story kaufen – und kaum jemand sich die Frage stellt, ob der Titel auch zur Anlage taugt. Bei Google etwa waren die Aktien so gepreist, dass sie langfristig Potenzial boten. Im Facebook-Kurs ist schon die beste aller Welten enthalten.

Nun suchen findige Angleger schon die nächste Facebook-, Apple- und Google- Story. Wo spielt in den nächsten Jahren in der Technologie-Branche die Musik?
Facebook folgte auf Social- Media-Unternehmen wie Groupon, Linkedin oder Zynga. Die Pipeline für solche Unternehmen ist in Amerika gut gefüllt. Hoffentlich werden aber die Preisvorstellungen realistischer. Mit der Zeit könnte der Trend sich hin zu mobilen Anwendungen für Social Media verschieben. Werbebasierte Geschäftsmodelle haben meiner Meinung nach wenig Zukunft. Hier regiert allein Google.

Derweil kämpfen Schweizer Technologie- Werte hart, um mit der Entwicklung mitzuhalten. Das Angebot von Logitech, ADB oder Kudelski wurde von veränderten Nutzergewohnheiten und neuen Technologien überholt. Welche der hiesigen Tech- Firmen haben noch Potenzial?
Die künftige Bedeutung der hiesigen Tech-Branche ist leider marginal. Derzeit halte ich nur drei Titel für investierbar. Der Bankensoftware-Produzent Temenos ist in seiner Nische Weltmarktführer, jedoch von den Banken abhängig. Der Computerzubehör-Entwickler Logitech ist ein Turnaround-Wert mit Luft nach oben. Austriamicrosystems schliesslich macht 20 Prozent des Umsatzes als Zulieferer von Apple und kann von dessen Wachstum profitieren.

Für die anderen Werte wird es eng?
Kudelski und ADB kämpfen mit strukturellen Problemen, Micronas ist tendenziell zu klein für ein Investment. Und bei Ascom sehe ich wenig Fantasie.

Die Anleger lassen derzeit alles fallen, was nach Risiko riecht. Da wird wohl auch der Technologie-Sektor leiden?
Mit der Branche haben die Investoren in den letzten zwei Jahren gut verdient. 2012 ist der Technologie-Index Nasdaq nochmals um 10 Prozent gestiegen. Sollte sich jetzt die Lage weiter eintrüben, werden die Investoren wohl am ehesten bei Tech-Werten Gewinne mitnehmen. Ich rechne deshalb mit Rückschlägen.

Was sollen all jene tun, die weiter an die Branche glauben?
Statt Aktien abzustossen, sollte man lieber mit einem Derivat den Nasdaq leer verkaufen. So lässt sich von Rückschlägen profitieren. Wer nach soliden Werten sucht, wird zudem bei IBM oder Microsoft noch fündig.