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Börseninterview
«Facebook ist ein Unternehmen mit einem starken Management»

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Mark Zuckerberg: Der 34-jährige Amerikaner leitet das Soziale Netzwerk.Quelle: Chesnot/Getty Images

CS-Experte Burkhard Varnholt findet lobende Worte für Facebook – und äussert sich positiv zur Wirtschaft von WM-Gastgeber Russland.

Von Marc Bürgi
am 23.07.2018

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Thema Nummer 1 ist aktuell der Handelskonflikt. Die Sorgen, er könne einen schwer zu kontrollierenden Flächenbrand auslösen, hat Risikoaversion und Risikoprämien von Aktien in die Höhe schiessen lassen. Wahrscheinlich eine Übertreibung.

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Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Wie sind seit etwa sechs Wochen in Schweizer Aktien übergewichtet. Das hat sich ausgezahlt. Wir halten an dieser Übergewichtung gern fest. Die Schweizer Börse bietet im globalen Vergleich Perlen.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
9180 Punkte

Das zweite Halbjahr hat begonnen. Auf was für Geschäftsbedingungen sollten sich Schweizer Unternehmen einstellen?
Die Schweiz erlebt eine Art Mini-Boom. Die Auftragslage der Unternehmen ist gut und bislang ist die Schweizer Wirtschaft vom Handelskonflikt nur am Rande betroffen. Der Arbeitsmarkt ist zwar von Vollbeschäftigung geprägt, doch Schweizer Unternehmen profitieren weiterhin von ihrer hohen Attraktivität für Arbeitnehmer. Unsere wichtigsten Exportmärkte in Europa, Asien und Amerika florieren. Dazu kommen dieses Jahr die hohen Einnahmen aus den Vermarktungsrechten der Fussball-WM – wenngleich sie nur wenig Arbeitsplätze oder Steuern generieren. Die Geschäftsbedingungen Schweizer Unternehmen dürfen sich weiterhin günstig entwickeln.

Burkhard_Varnholt_Credit_Suisse
*Burkhard Varnholt ist Anlagechef der Swiss Universal Bank und Vize-Chef des Global Investment Committee der Credit Suisse.
Quelle: zvg

China und auch die Schweiz haben gegen die US-Strafzölle bei der Welthandelsorganisation Klage eingereicht. Wird die WTO und die anderen Institutionen des internationalen Handelssystems trotz des Handelskonflikts ihre Bedeutung behalten?
Auf lange Frist ist das schwer vorstellbar. Die WTO ist schon seit Jahren ressourcenmässig unterdotiert obwohl die von ihr zu behandelnden Aufgaben oder Streitigkeiten rasant zunehmen. Das lähmt und schwächt die Organisation. Aber momentan ist sie die einzige, weltweit akzeptierte und zuständige Organisation für die Klärung multilateraler Handelsfragen. Doch in ihrer aktuellen Form ist sie für die neue, entstehende Weltordnung 2030 nur mangelhaft vorbereitet. Gut möglich, dass sich da noch einiges tun wird.

Der Börsenkurs von Facebook hat sich vom Datenskandal erholt. Gewinnt das Soziale Netzwerk das Vertrauen der Nutzer und Anleger zurück?
Wahrscheinlich. Facebook ist ein Unternehmen mit herausragendem Wachstumsausweis und einem starken Management. Wir trauen dem Unternehmen und der Aktie noch viel zu und führen die Aktie als Kauf-Empfehlung. Nichtsdestotrotz halte ich grundsätzlich wesentlich mehr von Kollektivanlagen als von Einzeltiteln – besonders in diesem Markt, wo der Grundsatz «The Winner takes it all» häufig gilt.

Aus Sicht des Internationalen Währungsfonds hat der Aufschwung der Weltwirtschaft ihren Höhepunkt erreicht. Teilen Sie diese Einschätzung?
Der Internationale Währungsfonds hat diese Woche für die nächsten zwei Jahre jährliche Wachstumserwartungen von 3,9 Prozent pro Jahr publiziert. Das ist sehr viel. Mehr als wir erwarten (3,3 dieses und 3,1 Prozent nächstes Jahr). Viel mehr Wachstum liegt gar nicht drin. Der Hinweis des IWF, dass die Unwägbarkeiten, besonders aus dem Handelskonflikt und dessen Sekundärrisiken, zunehmen, ist selbstverständlich angemessen. Vor einem Jahr schien die Welt noch eine friedlichere zu sein als heute. Aber wir dürfen nicht übersehen, dass wir uns – auch in der Einschätzung des IWF – in den nächsten Jahren noch auf einem sehr hohen Niveau bewegen. Eine plötzliche Rezession scheint aktuell extrem unwahrscheinlich.

Russland hat als Gastgeber der Fussball-Weltmeisterschaft viel Lob erhalten. Wie schätzen Sie den wirtschaftlichen Zustand Russlands ein?
Finanz- und fiskalpolitisch ist Russland wahrscheinlich das solideste Schwellenland. Es hat eine geringe Aussenverschuldung, praktiziert eine umsichtige Geld- und Fiskalpolitik und die Wirtschaft entwickelt sich trotz der Sanktionen und vor allem dank des hohen Ölpreises den Umständen entsprechend zufriedenstellend. Ohne die Bürde der Sanktionen wären russische Wertpapiere weltweit gefragte Valoren.

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