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Facebooks Chancen, Groupons Probleme

Alexander Stoeckel: «Facebook hat aber noch viele Möglichkeiten.» (Bilder: Keystone, ZVG)

Facebook, Groupon und Zynga schlittern an der Börse abwärts, Investoren verabschieden sich. Alexander Stoeckel vom Private-Equity-Investor b-to-v Partners schätzt die Gefahr einer Technologieblase ein

Von Jeffrey Vögeli (Interview)
am 21.08.2012

«Handelszeitung Online»: Bei Groupon sind mehrere Investoren ausgestiegen. Was ist das Problem des Unternehmens?
Alexander Stoeckel: Groupon verbindet Internet-Elemente wie die schnelle Ansprache grosser Usergruppen mit lokalen, mittelständischen Unternehmen und ihren Produkt- oder Service-Angeboten. Allerdings ist noch nicht klar, ob das Versprechen an diese Firmen – die Gewinnung von Neukunden durch Gutschein-/Rabatt-Aktionen – tatsächlich einlösbar ist. Sollte sich herausstellen, dass die Schnäppchenjäger nur einmal kommen, wird die Akzeptanz für Groupon womöglich sinken. Das schnelle Wachstum, einhergehend mit grossem Vertriebsaufwand, hat möglicherweise über die mangelnde Perspektive hinweggetäuscht.

In Groupon haben Sie nicht investiert, aber in Facebook und Zynga. Wie unterschieden sich die Unternehmen?
Facebook stellt eine eigene Art von Benutzeroberfläche für das Internet zur Verfügung. Manche nutzen es schon als Startseite und es kommen immer mehr Funktionen hinzu, zum Beispiel Unternehmensseiten auf Facebook. Zynga profitiert unter anderem von Facebooks Wachstum und hat ausgezeichnete Wachstumsraten im Bereich Nutzer und Umsätze zu verzeichnen. Anders als Facebook, das seine Plattform kontinuierlich ausbaut und verfeinert, muss Zynga aber immer neue Spiele entwickeln, welche dann einen Lebenszyklus durchlaufen.

Wie sind Sie mit dem Investment in Facebook zufrieden?
Wir bekamen bereits im Januar 2009 die Möglichkeit, uns an Facebook zu beteiligen. Allerdings sind wir auch schon weit vor dem Börsengang wieder ausgestiegen.

Weshalb?
Der Facebook-IPO war natürlich ein zentrales Ereignis in der Branche. Es war deutlich, dass mit Goldman Sachs und Morgan Stanley die besten Investmentbanken daran beteiligt sein würden. Wir sahen deshalb schon früh die Gefahr eines Hypes beziehungsweise einer Überhitzung, insbesondere bei Bewertungen oberhalb von 50 Milliarden Dollar.

Keine Trauer um entgangene Chancen?
Ganz und gar nicht. Wir haben unser Investment mehr als vervierfacht. Jetzt haben wir den Luxus, die Entwicklung aus der Perspektive eines Beobachters neutral mitverfolgen zu können.

Wie beurteilen Sie denn die Zukunftschancen von Facebook?
Grundsätzlich positiv. Die Abwertung halte ich hauptsächlich für eine Korrektur der hohen Bewertung des Unternehmens beim Börsengang.

Das Geschäftsmodell ist also solide?
Ich glaube ja. Dass sich der Nutzerzuwachs verlangsamt, ist nur natürlich.Viele Märkte sind gesättigt oder nähern sich diesem Punkt. Facebook hat aber noch viele Möglichkeiten, seine Nutzerbasis auf andere Arten zu nutzen und zu monetarisieren. Gerade auch im Mobile-Bereich.

Deuten die schlechte Performance von Facebook, Groupon und Zynga an der Börse auf eine erneute Technologieblase hin?
Im Unterschied zur Internet-Bubble der Jahrtausendwende werden die Geschäftsmodelle von Internet-Unternehmen von den Investoren heute sehr viel genauer auf ihre Validität geprüft. Internet-Unternehmen, die heute an die Börse gehen, verfügen im Unterschied zu ihren Pendants aus der Bubble-Phase über echte und nicht nur über prognostizierte Umsätze und sind in der Regel profitabel oder absehbar profitabel.

Trotzdem bringen die Investoren ihr Geld in Sicherheit.
Vielleicht. Doch selbst wenn beispielsweise Groupon scheitern sollte: Auf einen erneuten Crash, der durch einen Hype um Internet-Unternehmen zurückzuführen ist, wird es nicht hinauslaufen.

Was macht man heute anders?
Die Geschäftsmodelle der Internet-Unternehmer sind heute stärker Cash-orientiert. Im Dotcom-Hype verkaufte man den Investoren ein Versprechen, zum Beispiel bezüglich der Monetarisierung einer User-Community, welches dann anschliessend teilweise nicht gehalten wurde. Heute wird ganz genau gerechnet und das Ziel der Internet-Unternehmer lautet vielfach: Mit echten Umsätzen wollen wir zeigen, dass unsere Idee funktioniert.

Was heisst die Situation bei Groupon für die Schweizer Kopie Dein Deal?
Dein Deal ist etwas anders zu beurteilen. Durch die Zusammenarbeit mit Ringier tun sich für Dein Deal unseres Erachtens viele Möglichkeiten auf. Dank der verstärkten Medienpräsenz und dem Unternehmergeist bei Ringier könnte Dein Deal sich unter Umständen zu einer echten Marke mit hoher Kundenakzeptanz entwickeln.

Die Probleme mit dem Geschäftsmodell bleiben trotzdem bestehen.
Natürlich. Aber Dein Deal könnte sich als lokaler Marktführer etablieren, ähnlich wie Ricardo lokal stärker verwurzelt ist als Ebay.

Wäre ein mit Facebook vergleichbarer Börsengang auch in der Schweiz denkbar?
Grundsätzlich denkbar schon. So etwas wäre sogar wünschenswert.

Ist es auch realistisch?
Momentan gibt es kein Internet-Unternehmen in der Schweiz, welches eine annähernd grosse Reichweite hat oder den entsprechenden Umsatz und massive und nachvollziehbare Umsatzerwartungen wie Facebook, Zynga oder Groupon generiert. Es fragt sich zudem, ob es bei einem IPO dieser Grössenordnung für das entsprechende Schweizer Unternehmen nicht reizvoller wäre, direkt in den USA Aktien auszugeben und auf einen noch grösseren Kapitalpool zuzugreifen.

 

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