Das Quartal dürfte eher schwierig gewesen sein, mit Gegenwind von der Währungsseite und einem langsameren Wirtschaftswachstum», kommentiert Marco Strittmatter, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB), die Lage beim Logistiker Kühne + Nagel. Erst die anstehende Publikation der Quartalszahlen 2008 wird Aufschluss darüber geben, welche Spuren die schlechteren Rahmenbedingungen in den Ergebnissen der Schweizer Logistiker hinterlassen haben.

Für das 1. Quartal rechnet Strittmatter mit einer Umsatzsteigerung von 10,5% und beim Reingewinn mit einem Zuwachs von 11,2%. Kühne + Nagel legt das Quartalsergebnis am 21. April vor, Panalpina folgt am 29. April 2008.

Viel Negatives in den Kursen

Sal.-Oppenheim-Analyst Markus Hesse ist optimistisch, was das Wachstum des Gesamtmarktes betrifft: «Die negativen Währungseffekte und die Konjunkturabschwächung werden sich zwar in den Ergebnissen bemerkbar machen, aber nicht so stark zum Tragen kommen wie von einigen Marktteilnehmern befürchtet.» Es sei auch bereits sehr viel Negatives in den Aktienkursen der Logistikunternehmen enthalten.

In den letzten sechs Monaten hat die Aktie von Kühne + Nagel mit rund 20% etwa gleich viel eingebüsst wie der Swiss Performance Index (SPI), während Panalpina 37% verloren hat und damit noch mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 14,2 für 2008 und 11,3 für 2009 gehandelt wird. Für Kühne + Nagel liegt das geschätzte KGV für 2008 mit 18,2 etwas höher, jenes für 2009 beträgt 15,8. Obwohl Kühne + Nagel an der Börse teurer bewertet ist, wird die Aktie von Analysten im Durchschnitt attraktiver eingeschätzt als Panalpina. Während die Hälfte der Analysten Panalpina zum Kauf empfiehlt, sind es bei Kühne + Nagel fast 60%.

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Im Gegensatz zur Aktie von Kühne + Nagel stünden bei Panalpina weniger die Marktbedingungen als vielmehr Sondereffekte wie etwa der Rückzug aus dem Nigeria-Geschäft im Vordergrund, erklärt Hesse von Sal. Oppenheim. Der definitive Ausstieg aus diesem Geschäft wird den Betriebsgewinn stärker belasten als erwartet. Die Frage sei nur, wie sich diese negativen Effekte auf das Gesamtjahr aufteilten.

Panalpina musste bereits die Ziele für 2008 senken, es wird noch eine Steigerung des Bruttogewinns um mindestens 4% angestrebt. In einer Studie verweist Marco Strittmatter von der ZKB aber auch auf positive Aspekte. Panalpina sei es gelungen, in der Luft- und Seefracht stärker zu wachsen als der Gesamtmarkt, und liege damit nur wenig hinter Kühne + Nagel zurück.

Übergangsjahr für Panalpina

2008 müsse aber als Übergangsjahr betrachtet werden. Für die Panalpina-Aktie sieht der ZKB-Analyst erst wieder Aufwärtspotenzial, wenn Stabilität ins Management zurückkehrt und weitere negative Nachrichten ausbleiben.

Auf längere Sicht dürften aber Kühne + Nagel und Panalpina von den vielversprechenden Trends in der Logistikbranche profitieren. Wachstumstreiber sind Globalisierung, Outsourcing und die Konsolidierung innerhalb des Sektors. Da Kühne + Nagel und Panalpina zu den Branchenriesen gehören, profitieren sie überdurchschnittlich von dieser Entwicklung.

Die Jahresabschlüsse der beiden Unternehmen haben jedenfalls gezeigt, dass die grossen Wettbewerber auf Kosten der kleinen Wettbewerber Marktanteile gewinnen konnten.