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Fairtrade
Faires Gold soll den illegalen Abbau bekämpfen

Bergbau in Peru: Die grosse Mehrheit der Mineure arbeitet in problematischen Minen. (Bild: AFP PHOTO/ERNESTO BENAVIDES)

Die illegale Goldförderung belastet den Ruf der Branche. Nun wird in der Schweiz faires Gold eingeführt. Doch es ist Mangelware.

Von Roberto Stefano
am 13.11.2013

Die illegalen Goldminen befinden sich im Amazonasgebiet im Osten Perus. Entlang des Highway im Dis­trikt Madre de Dios hatten sich 2007 einige 100 Mineure niedergelassen. Inzwischen sind dort Dutzende von Minenstädten entstanden – mit all ihren negativen Begleiterscheinungen. Die Mineure verursachen gravierende Schäden in der Wildnis. Mit ihren Maschinen bauen sie die Erdschichten ab und hinterlassen verseuchte Kraterseen. Über verwinkelte Wege gelangt das hier geförderte Gold auf den Weltmarkt – zum Teil wohl auch in die Schweiz.

Immer wieder geraten die hiesigen Goldschmelzen dadurch ins Visier von Nichtregierungsorganisationen, wie zuletzt die Tessiner Goldraffinerie Argor-Heraeus. Es erstaunt daher kaum, dass das Thema Nachhaltigkeit in der Branche an Bedeutung gewinnt. Kürzlich wurde erstmals zertifiziertes Gold in die Schweiz ­importiert. Bereits nächstes Jahr will die auf fairen Handel spezialisierte Max-­Ha­velaar-Stiftung Fairtrade-Gold in der Schweiz lancieren. Noch allerdings ist nachhaltiges Gold Mangelware.

Laut der amerikanischen Geologiebehörde USGS wurden im Jahr 2012 weltweit 2700 Tonnen Gold abgebaut. Davon 804 Tonnen von Produzenten, die sich dem verantwortungsvollen Goldabbau verschrieben haben. Unter den 15 Firmen, die laut dem World Gold Council im Bereich des «Responsible Gold Mining» aktiv sind, befinden sich führende Namen wie AngloGold Ashanti, Barrick Gold oder Goldcorp. Diese Unternehmen treffen Vorkehrungen zum Schutze der Umwelt und ihrer Mitarbeiter.

Faire Bedingungen für Mineure

Für die Klassierung als faires Gold braucht es allerdings mehr. Gefordert sind faire Bedingungen für die Mineure sowie eine Förderung, die nicht zu Umweltschäden führt. Zudem gibt es für den Goldabbau im grossen Stil derzeit noch keine Alternative zum Einsatz von Quecksilber und Zyanid. Deshalb stammt ein Grossteil des neu gewonnenen Goldes mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Abbaugebieten, in denen mit diesen hochgiftigen Chemika­lien gearbeitet wird.

Hinzu kommt, dass sich insbesondere die grossen, internationalen Minengesellschaften zum verantwortungsvollen Goldbau bekennen. Die Grosskonzerne machen dabei gut 80 Prozent der weltweiten Goldproduktion aus. Gleichzeitig beschäftigen sie aber nur 10 Prozent der Arbeiter, die für die Förderung des Goldes nötig sind. Der restliche Abbau erfolgt in sogenannten handwerklichen und kleinen Bergbaubetrieben. Hier sind weltweit fast 15 Millionen Menschen in den Goldminen tätig. Die Mineure sind hohen Unfallrisiken ausgesetzt und kämpfen mit gesundheitlichen Problemen durch den Kontakt mit Quecksilber oder Zyanid.

Zudem sind sie von lokalen Abnehmern abhängig, die oft auch in illegalen Geschäften tätig sind. Schliesslich hinterlässt der Abbau ökologisch gravierende Schäden. Aufgrund des steigenden Goldpreises sind in den letzten Jahren in zahlreichen Entwicklungsländern dennoch enorm viele kleine Bergbaubetriebe entstanden. «Weltweit sind über 100 Millionen Menschen direkt oder indirekt vom handwerklichen und kleingewerblichen Bergbau abhängig», sagt Katrin Dorfschmid von Fairtrade Max Havelaar Schweiz.

Die Kleinmineure sind auch in Peru in der Mehrzahl. Eine dieser Minengesellschaften ist die Bergbaugenossenschaft Sotrami. Als erste Goldmine Perus darf sie ihr Gold mit dem Fairtrade-Siegel verkaufen. Die internationale Zertifizierungsorganisation Flo-Cert hat die kleine Bergbaufirma dafür fast zwei Jahre lang nach über 200 Kriterien auf Herz und Nieren geprüft. Von dort stammen auch die ersten 25 Kilogramm faires Gold, die kürzlich über die Better Gold Initiative, eine Partnerschaft zwischen der Swiss Better Gold Association (SBGA) und dem schweizerischen Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in die Schweiz geliefert wurden.

Zur SBGA zählen neben den Goldraffinerien Argor-Heraeus, Metalor und Pamp auch Luxusgüter- und Uhrenhersteller wie Cartier oder A. Favre & Fils sowie die Max-Havelaar-Stiftung Schweiz. «Die Initiative übernimmt eine Vorreiterrolle», sagt SBGA-Sprecher Philippe Dunant. Es sei das erste Mal, dass handwerkliche und kleine Bergbaubetriebe in eine Wertschöpfungskette eingebunden seien, die von der Mine direkt bis an den Markt reicht.

Die Produzenten von fairem Gold verkaufen ihre Ware ohne Zwischenhändler an die Raffinerien und erhalten dafür 99 Prozent des Weltmarktpreises sowie 70 Dollarcents pro Gramm Gold für Investi­tionen in Sozial- und Umweltprojekte. «Die Verkaufsbedingungen sind eindeutig besser, wir sind jetzt Exporteure», so ­Sotrami-Direktor Eugenio Huayhau Vera.

Noch viel Arbeit nötig

Was das sehr geringe Volumen an fairem Gold betrifft, das bisher erhältlich ist, gibt sich die SBGA optimistisch. «Wir müssen noch einen deutlichen Fortschritt erzielen und mehrere solcher kleinen Bergbaubetriebe in den Prozess integrieren, genau so wie wir auch Abnehmer für das Gold benötigen», sagt Dunant.

Bereits in mehreren Ländern im Ausland gibt es ein Label für fair abgebautes und gehandeltes Gold, nach den Standards von Fairtrade International. Das Edelmetall von inzwischen drei zertifizierten Minen in Südamerika, darunter erneut Sotrami, wird in Grossbritannien an rund 40 Goldschmiede verkauft.

Bis im Herbst 2014 will die Max-Havelaar-Stiftung Fairtrade-Gold auch in der Schweiz lancieren. «Wie bei anderen Fairtrade-Produkten gibt es auch für Gold ­einen Fairtrade-Mindestpreis sowie eine Fairtrade-Prämie für eigene Projekte», so Dorfschmid. Da die Schweiz im inter­natio­nalen Goldmarkt eine wichtige Drehscheibe ist, sieht Max Havelaar hierzulande ein grosses Potenzial, um bei den Herkunftsländern etwas bewirken zu können. Tatsächlich ist die Schweiz mit vier der grössten Goldraffinerien der wichtigste Goldhandelsplatz der Welt (siehe Kasten). Für den Ruf der Schmelzen zumindest dürfte die Initiative vorteilhaft sein.

 

Goldmarkt Schweiz: Drehscheibe für Edelmetall

Goldhandelsplatz
Mit den drei Tessiner Raffinerien Valcambi, Pamp und Argor-Heraeus sowie Metalor aus Neuenburg befinden sich vier der weltweit führenden Betriebe in der Schweiz. Laut Schätzungen werden 70 Prozent der weltweiten Goldbestände jährlich über die Schweiz abgewickelt.

Kontrolle
Der Handel mit Goldbarren ist dem Geldwäschereigesetz unterstellt und wird von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht F inma überwacht. Die Akteure unterstehen zudem einer strengen Sorgfaltspflicht. «Bevor wir mit jemandem ins Geschäft kommen, wird dieser eingehend überprüft und laufend überwacht », sagt Pamp-Chef Mehdi Barkhordar. Die intensiven internen und externen Kontrollen der Zulieferer dauern zwei bis drei Monate.

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