An Facebook kommen nun auch die Anleger nicht mehr vorbei: Neben Schwellenländern und Rohstoffen sind soziale Netzwerke die heissesten Investments im neuen Jahr.

Besonders aufmerksam verfolgt wird dabei das Vorgehen der Investmentbank Goldman Sachs: Für einen Fonds für ihre Kunden kaufte die Investmentbank 3 Prozent der Facebook-Aktien und schraubte so den (theoretischen) Börsenwert des Netzwerks auf 50 Milliarden Dollar hoch. Zudem brachte die letzte Auktion bei den Handelsplattformen für ausserbörsliche Aktien Second Market und Shares Post einen Preis von 28.26 Dollar pro Facebook-Aktie. Damit hat er sich seit Oktober verdoppelt.

Das goutieren nicht alle. «Eine ganze Reihe von Leuten macht eine Menge Geld mit diesen Aktien», kommentieren die Analysten von Wedbusch, einer amerikanischen Research-Boutique. Gemeint sind Gründer, beteiligte Investmentfirmen und Goldman Sachs selber. Bis zum Börsengang - erwartet wird dieser erst 2012 - sind Facebook-Aktien für das breite Publikum aber weiterhin nur indirekt über die beiden börsenkotierten Firmen Goldman Sachs und Digital Sky zu kaufen.

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Fix und Foxi mit Mixi

Darum versuchen Derivate-Emittenten nun, schnell Ersatz zu schaffen. So springt die französische Bank Société Générale mit ihrem Solactice Social Networks Index (SONIX) inklusive Partizipations-Zertifikat zeitig auf den Trend auf (siehe Kasten). Im Index enthalten sind die Aktien des chinesischen Onlinespiele-Anbieters Tencent und des grössten russischen Internetkonzerns Digital Sky wie auch die japanischen Netzwerke Dena, Gree und Mixi, das amerikanische Internetunternehmen United Online, der grösste europäische Dating-Anbieter Meetic sowie Xing. Und wenn Facebook oder Linkedin an die Börse kommen, würden sie in den Index aufgenommen, verspricht die Bank.

Doch lohnt das Investment in diese Platzhalter? Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei Facebook ist mit 200 auf der Basis der Eckdaten von 2010 beziehungsweise dem 35-Fachen des Umsatzes astronomisch hoch. Bei den ebenfalls nicht kotierten Firmen Zygna, Skype, Groupon oder LikedIn liegt das Preis-Umsatz-Verhältnis zwischen 3 und 10.

Zudem hat der Fall My Space gezeigt, wie schnelllebig die Mode bei sozialen Netzwerken wechselt: Die Papiere von Mixi sind heute in Tokio ein Drittel billiger zu haben als vor einem Jahr. Weitere Anhaltspunkte geben die unter anderem in London kotierten Aktien von Digital Sky, welche ihrerseits ein Portfolio von Internet-Boomwerten verkörpern. Seit letztem November schwankten die Kurse zwischen 34 und 43 Dollar, aktuell liegen sie bei 37 Dollar.

Der Boom verpufft

Stärker gestiegen sind die Papiere des unter professionellen Usern beliebten Netzwerks Xing. Laut der Research-Boutique Montega liegt dies vorab an der Facebook-Fantasie. Auf der Basis der Gewinnschätzungen ist die Aktie mit dem 23-Fachen des Gewinns bewertet. Zweifel weckt hier auch die Abkehr vom gebührenfinanzierten Modell zum Werbegeschäft. Die Online-Spiele-Plattform Tencent schliesslich hat ihren Höhepunkt durchschritten. Das droht nun ebenfalls den anderen SONIX-Werten, wenn der Facebook-Hype verpufft: Anleger, die jetzt noch aufspringen, kommen möglicherweise zu spät.

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