Seit kurzem bieten zwei Emittenten neue Derivate auf Afrika an. Die Vehikel der Deutschen Bank (DB) und von ABN Amro sind seit Anfang Mai an der SWX handelbar. Das Tracker-Zertifikat der DB (Valor 3897810) ist auf einen S-BOX Afrika Performance-Index aufgelegt und enthält 16 Aktien von Unternehmen, deren Hauptgeschäftstätigkeit sich in Afrika abspielt. Das S&P Africa Open End Zertifikat von ABN Amro (Valor 3851016) investiert in einen Index, der die 40 grössten börsenkotierten Unternehmen Afrikas enthält. Die grössten Länderpositionen im Index sind Südafrika, Ägypten und Marokko. Bei den Sektoren sind die Finanzen mit einem Gewicht von fast einem Drittel überrepräsentiert, auch Branchen wie Telekommunikation, Goldminen und Platin sind stark vertreten.

Das Sortiment vergrössert sich

Damit erweitert sich die Produktpalette unter den strukturierten Produkten, welche Investments in den Schwarzen Kontinent anbieten. Vor einigen Monaten liberierte Merrill Lynch Zertifikate (Valor 3543622 für Euro, 3543623 für Dollar) und Kapitalschutzprodukte (Valor 3543621 für Fr.) auf einen Africa Lions Index. Die Zertifikate laufen noch bis 2012, die Kapitalschutzprodukte bis 2099. Auch die UBS bietet Bonus-Zertifikate (Valor 3689439 für Fr.) und ein Index-Zertifikat (Valor 3727973) an.

Pro-Kopf-Einkommen steigend

Auf dem geografischen Radar der Investoren ist Afrika zwar nach wie vor grösstenteils unberührtes Neuland. Die meisten Investoren denken beim Schwarzen Kontinent immer noch in erster Linie an Armut, Dürre, Hunger und korrupte Regierungen. Dass sich die Wirtschaftssysteme in den letzten Jahren teilweise radikal reformiert haben, hat sich mittlerweile jedoch in ersten Investorenkreisen herumgesprochen.

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«Ich bin sehr frustriert darüber, dass sich vor drei Jahren noch niemand für das Anlagethema Afrika interessiert hat», sagt Richard Titherington, CIO Emerging Markets Equities von JP Morgan. Mittlerweile müsse nämlich bei der Auswahl der Firmen schon ein waches Auge auf die Bewertungen geworfen werden. Dennoch ist der Experte überzeugt vom Wachstumspotenzial Afrikas. Speziell attraktiv ist der Reichtum an Rohstoffen, über den der Kontinent verfügt. Afrika besitzt 10% der weltweit nachgewiesenen Ölreserven. Auch Gold, Silber, Diamanten, Basismetalle und diverse Agrarrohstoffe hat der Kontinent zu bieten.

Durch den Rohstoffboom der letzten Jahre erhöhte sich das Pro-Kopf-Einkommen der Bevölkerung kontinuierlich. Gemäss den Analysten von Merrill Lynch erhöhen sich durch die steigenden Einkommen voraussichtlich auch die Konsumausgaben. Nicht nur die Finanzbranche, auch der Einzelhandel, der Gesundheitssektor und die Telekommunikationsbranche profitieren davon.

Als interessantes Investment empfiehlt Titherington von JP Morgan demnach auch MTN, eine Telekom-Firma aus Südafrika. «MTN hat in der letzten Dekade von Südafrika aus über den ganzen Kontinent expandiert und ist jetzt einer der führenden Player in den Emerging Markets», so der Experte. Das Unternehmen sei mittlerweile in 21 Ländern in Afrika und im Mittleren Osten tätig und verfüge über 48 Mio Abonnenten.

Banken als riesige Chance

Gefallen findet Titherington auch an Guaranty Trust Bank (GTB), einem nigerianischen Finanzinstitut, dass unter den Top Ten in Nigeria rangiert. Weniger als 10% der Bevölkerung in Nigeria verfügen derzeit über ein Bankkonto. «Die steigenden Einkommen bieten eine riesige Chance für das Unternehmen», konstatiert Titherington.