Während der letzten Börsenbaisse waren die Telecom-Netzbetreiber von Schulden geplagt. Die Banken gaben kaum Kredite, und es dauerte Jahre, bis sich die Aktienkurse wieder erholten.

Heute ist es umgekehrt: Seit der Lehman-Pleite haben die Aktien der Telecom-Netzbetreiber deutlich besser abgeschnitten als der Gesamtmarkt. Und auch die Vorzeichen sind anders: Trotz des Abschwungs haben die Netzbetreiber ausreichend hohe Cashflow-Ströme, um ihre Schulden und das laufende Geschäft zu finanzieren. Es gibt kaum Anzeichen für Preiskämpfe, die Dividendenrenditen sind vergleichsweise üppig. Zudem zeigen sich bisher kaum Spuren der wirtschaftlichen Abschwächung in den Büchern einzelner Netzbetreiber. Die Meldungen aus der Branche weisen auf einen soliden Geschäftsgang hin.

Swisscom wird zur Ausnahme

So meldete Telekom Austria für das 4. Quartal 2008 ein gutes Wachstum, in Frankreich sprachen Orange und SFR von guten Handy-Verkäufen, und auch T-Mobile aus Deutschland rechnet damit, dass 2009 «ähnlich gut» wie 2008 ausfallen wird. Doch Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel: Dazu gehören die spanische Telefonica und die Swisscom, die am 4. März mit Zahlen aufwarten wird.

Anzeige

Swisscom droht gemäss den Analysten von JP-Morgan das grösste Risiko aus Italien. «Wir rechnen mit einer Enttäuschung beim Ergebnis für das 4. Quartal 2008», meint JP-Morgan-Analyst Maurice Patrick, «und obwohl das Unternehmen verlauten liess, das selbst gesteckte Umsatzziel zu erreichen, erwarten wir 4% weniger als der Analystenkonsens.» Fastweb, die italienische Beteiligung, könnte das Vorsteuergewinnziel auf Stufe Ebitda von 158 Mio Euro für das 4. Quartal des letzten Jahres trotz hohen Umsatzwachstums um 5% verfehlen.

Fastweb gibt die Richtung vor

Beim Analystengespräch im letzten Herbst sprach das Fastweb-Management von «herausfordernden Zielen» für das 4. Quartal. Es fehlten noch 30% bis zum Ziel - und kurz vor Weihnachten hatte sich das Consumer- und Kleinfirmengeschäft deutlich abgeschwächt. Fastweb kommt bereits am 26. Februar mit seinen Zahlen - und gibt damit die Richtung für die Muttergesellschaft vor.

Für Swisscom selber erwartet Maurice Patrick einen Umsatzrückgang um 1,7% auf 9,455 Mrd Fr. sowie einen Gewinnrückgang auf Stufe Ebitda um 0,7% auf 3,876 Mrd Fr. Unter Einschluss von Fastweb soll ein Betriebsgewinn von 2,6 Mrd Fr. eingespielt werden, knapp 4% mehr als 2007.

Der Analystenkonsens liegt bei einem Umsatz von 12,152 Mrd Fr., für den Gewinn auf der Stufe Ebitda werden 4,79 Mrd Fr. erwartet. Beim Betriebsgewinn rechnen die Analysten schliesslich mit 2,71 Mrd Fr. Abschreiber dürften den Reingewinn um ein Viertel auf 1,56 Mrd Fr. drücken.

Anleger werden bei Swisscom den Ausblick beachten. Hier liegt die Messlatte beim Umsatz bei 12,25 Mrd Fr. und beim Gewinn auf Stufe Ebitda bei 4,81 Mrd Fr. für dieses Jahr.

Swisscom und ihr CEO Carsten Schloter befinden sich beim Ausblick auf das laufende Jahr in einer Zwickmühle: Wenn der Konzern zu optimistisch ist, heisst es am Markt, die Ziele könnten verfehlt werden. Und ein zu bescheidener Ausblick könnte als Enttäuschung interpretiert werden. Ein Trostpflästerchen könnte dann die Dividende pro Aktie sein. Analysten erwarten für dieses Jahr eine stabile Ausschüttung bei 20 Fr. und somit 2 Fr. über Vorjahr.

Überrascht Deutsche Telekom?

Am 27. Februar legen zudem mit der Deutschen Telekom und TIM zwei weitere europäische Telecom-Riesen ihre Zahlen vor. Nachdem die Aktie der Deutschen Telekom zuletzt eine Underperformance verzeichnet hat, könnte es laut den Analysten der Deutschen Bank nun zu positiven Überraschungen kommen.

Die Ergebnisse des abgelaufenen Jahres sowie der Ausblick auf die kommenden zwölf Monate dürften zudem das Vertrauen in die Dividendenpolitik stärken. Die Dividende wird auf 0.78 Euro pro Aktie geschätzt und bliebe damit gegenüber 2007 konstant. Die Deutsche Bank empfiehlt die Titel mit einem Kursziel von 13.70 Euro zum Kauf.