«Wenn wir 3 Millionen Euro zusammenbekommen, wäre es vernünftig - mehr wäre richtig gut», so wurde Christian Bönig, Teammanager des Hamburger Kultvereins FC St. Pauli gestern auf «Welt Online» zitiert. Keine 24 Stunden später ist diese Marke geknackt: «Toller Erfolg», ist auf der Homepage des aktuellen Tabellenvierten der 2. Bundesliga zu lesen. Innert Wochenfrist sind durch die Emission einer Anleihe drei Millionen Euro zusammengekommen.

Dieses Beispiel könnte, nicht zuletzt mit Blick auf das kriselnde Xamax Neuchâtel, auch in der Schweiz Schule machen. Die Aktion unter dem Titel «Auf St. Pauli regeln wir das unter uns!» erweist sich als regelrechter Publikumsrenner. Insgesamt wollen die «Kiezkicker» bis zu 6 Millionen Euro einsammeln. «Wir werden weiter hart dafür arbeiten, noch mehr Menschen für unsere Anleihe zu begeistern», sagt Vize-Präsident Tjark H. Woydt.

Die Konditionen lassen aufhorchen: Wer sein Geld dem Club bis zum Verfall am 30. Juni 2018 zur Verfügung stellt, erhält dafür einen Jahreszins von 6 Prozent. Mit anderen Worten: Die Bonität des FC St. Pauli wird - natürlich rein theoretisch und unter nicht vergleichbaren Marktbedingungen - besser eingestuft als diejenige von Italien und Spanien.

Anzeige

Wer seine Verbundenheit zum Traditionsverein nicht nur im Depot beweisen, sondern auch zur Schau stellen will, kann dies mittels «Schmuckurkunde» tun, die in Stückelungen von 100, 500 und 1910 Euro erhältlich ist – letztgenannte Zahl entspricht dem Gründungsjahr des FC St. Pauli. Der Anleihenkäufer kann dabei aus sechs verschiedenen Motiven der Urkunde auswählen.

Bemerkenswert: Es seien nicht einige wenige Grossanleger, die bisher investiert hätten, sondern bereits deutlich über 2000 Menschen, wie der Club auf seiner Homepage schreibt. Der bislang höchste gezeichnete Einzelbetrag läge bei 50'000 Euro. «Das zeigt uns natürlich, dass die Anleihe eine breite Akzeptanz findet und darin bestätigt, mit der Emission die richtige Entscheidung getroffen zu haben», so Woydt.

Bereits andere deutsche Fussballclubs wie Schalke 04, der 1. FC Nürnberg oder Hansa Rostock hatten den Weg der Emission einer Anleihe gewählt. Mit Borussia Dortmund ist ein Verein als Aktiengesellschaft an der Börse kotiert. Der Ruhrpottverein nahm im Jahr 2000 dadurch netto 130 Millionen Euro ein – der bisherige Kursverlauf ist indes alles andere als eine Erfolgsgeschichte: Der Emissionspreis von 11 Euro sackte zwischenzeitlich auf unter 1 Euro – auch die Meistereuphorie 2011 ist an der Börse wieder verklungen.