Die Meldung sorgte für Aufsehen: Mercedes, Audi und BMW, die führenden deutschen Autobauer, berichteten über eine explodierende Nachfrage und Vollauslastung bis in die Sommermonate. Gut eine Woche zuvor noch hatte der europäische Branchenverband der Autobauer Acea wegen der Einstellung der staatlichen Abwrackprämien und der wirtschaftlichen Unsicherheiten einen Rückgang bei den Mai-Absatzzahlen vermeldet.

Was sich wie ein Widerspruch liest, begründet sich mit der wieder erstarkten Nachfrage nach hochpreisigen Modellen aus Übersee und insbesondere aus China. Während die staatlichen Fördermassnahmen bei den Luxuskarossen kaum Wirkung zeigten, profitieren diese nun insbesondere von deren hohem Prestige in Asien und dem Boom in der Region. Im Heimmarkt jedenfalls fiel der Absatz von Mercedes und Co. ebenfalls ernüchternd aus.

GF: Erholung auch bei den LKW

Die überraschende Erholung bei den deutschen Autoherstellern erfreut nun auch die Schweizer Automobilzulieferer. So hat Georg Fischer (GF) beispielsweise ein erhöhtes Interesse bei den Mittelklassewagen festgestellt, welches durch die anziehende Nachfrage noch zusätzlich angekurbelt werden dürfte. Im Segment GF Automotive produziert das Schaffhauser Unternehmen Gussteile für die Automobilindustrie und Nutzfahrzeughersteller. Vergangenes Jahr war das LKW-Geschäft, das für rund 30% des Umsatzes in der Automotive-Sparte verantwortlich ist, stark zurückgegangen. Laut GF haben die Hersteller die Produktion inzwischen wieder aufgenommen, der Abbau der Lagerbestände ist beendet.

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Weil auch die beiden Sparten Piping Systems und AgieCharmilles auf Erholungskurs sind, verzeichneten die Aktien von GF im laufenden Jahr ein Plus von rund 40%. Die Analysten der Bank Vontobel erwarten entsprechend, dass das Unternehmen auf dem besten Weg sei, sein Umsatzziel von 4 Mrd Fr. sowie eine Ebit-Marge von 8% im Jahr 2012 zu erreichen.

Feintool ist wieder auf Kurs

Die aktuelle Entwicklung in der Autoindustrie kommt auch Feintool entgegen, weil deren Teile mehrheitlich in teureren Fahrzeugen eingesetzt werden. Mit einem Plus von gut 50% seit Anfang 2010 gehört der Lysser Feinschneide-Spezialist denn auch zu den Top-Performern im SPI. Allerdings schaut der Komponentenhersteller auch auf ein rabenschwarzes Geschäftsjahr 08/09 per Ende September zurück. Dank eines rigorosen Sparprogramms und der Fokussierung auf Asien ist es Feintool mittlerweile gelungen, wieder auf Kurs zu kommen. Unter dem neuen Management um CEO Heinz Loosli sollen zudem die langjährigen Probleme, wie die Organisation in den USA, angepackt werden, um die Rentabilität des Unternehmens weiter zu verbessern. Sollte diese Region profitabel werden, würde dies, laut den Analysten der Zürcher Kantonalbank, eine starke Verbesserung auf Ebit-Stufe für die Gruppe bedeuten.

Neben der Erholung in der Autobranche kommt bei Komax der verstärkte Trend hin zu ökologischeren Lösungen und Hybridmotoren hinzu. Weil sich die Auslastung in diesem Bereich wieder normalisierte, konnte der Hersteller von Kabelverarbeitungsmaschinen im Mai die Prognosen für das 1. Halbjahr 2010 deutlich erhöhen. Zu schaffen macht der Zentralschweizer Firma dagegen das Solargeschäft. Weil die Dünnfilmtechnologie derzeit nicht vorankommt, hat Komax jüngst die Bündelung der Solaraktivitäten in den USA bekannt gegeben.