Mit Kursrückgängen zwischen 7 und 10% stellten Swiss Re, Swiss Life und Zurich Financial Services zu Wochenbeginn die grössten Verlierer unter den SMI-Werten. Als Ursache für diese Kurseinbrüche nannten Händler die katastrophalen Nachrichten aus dem Bankensektor. Banken sind gleich von zwei Seiten unter Druck: Einerseits hinsichtlich der Höhe der Fremdfinanzierung im Verhältnis zum Eigenkapital, andererseits hinsichtlich der Liquidität.

Versicherungen sind ungleich solider finanziert: Die Prämien der Sach- und Schadensversicherer flossen auch in Wirtschaftskrisen stabil und der Ausstieg aus Lebensversicherungsverträgen ist für die Policenbesitzer nur mit einigen steuerlichen Nachteilen möglich. Auch die gescheiterte AIG sah keine Kündigungswelle in ihrem Kerngeschäft, ruiniert wurde sie durch ihre bankenähnlichen Operationen.

Rekapitalisierungen

Hinzu kommt, dass Versicherungen ihre Obligationenanlagen bis zum Verfall halten können und deshalb, anders als bei den Handelsbüchern der Banken, keine milliardenschweren Wertberichtigungen vornehmen müssen. Deshalb bleiben die unrealisierten Milliardenverluste in den Versicherungsbilanzen bislang folgenlos. Und hinsichtlich der Eigenkapitalunterlegung («Solvabilität») sind die Versicherungen in den letzten zwölf Jahren genau in die umgekehrte Richtung gegangen wie die Banken - der Anteil des Eingenkapitals am Gesamtkapital stieg in diesem Zeitraum und Rekapitalisierungen bei Versicherern blieben bisher die Ausnahme.

Anzeige

Allerdings können sich auch Versicherungen nicht ganz dem wirtschaftlichen Abschwung entziehen: Obligationenschuldner und Policenhalter können Pleite gehen, und in schweren Zeiten nimmt auch der Versicherungsbetrug zu. Dennoch gilt insbesondere das Sach- und Schadengeschäft als vergleichweise immun, denn die Prämien werden eingesammelt, bevor sie vielleicht wieder einmal bei Schadensfällen ausbezahlt werden. Lediglich das Lebensversicherungsgeschäft ist dann schwieriger zu steuern, weil hier Garantien mit langen Fristen gegeben werden müssen.

Favorit der Analysten bleibt Zurich Financial Services. Hier liegt der Schwerpunkt im Nichtlebengeschäft. Thomas Noack, Analyst bei der West LB, kommt auf einen Betrag von 25 Mrd Dollar bei forderungsbesicherten Wertpapieren und nicht realisierten Abschreibungen von 3,1 Mrd Dollar. Am 5. Februar sind die Zahlen fällig, der Analystenkonsens geht von einem operativen Gewinn von 5,47 Mrd Dollar und einem Reingewinn von 3,57 Mrd Dollar aus.

Solide finanziert ist die Bâloise. Der Aktienanteil liegt unter 2%, lediglich der hohe 55%-Anteil von Obligationen von Finanzschuldnern trübt etwas das Bild. Es soll wieder eine Dividende von 4.50 Fr. pro Aktie ausgeschüttet werden. Am 18. März soll über das letzte Geschäftsjahr berichtet werden. Die Analysten erwarten einen Betriebsgewinn von 573 Mio Fr., einen Reingewinn von 475 Mio Fr. und einen Gewinn pro Aktie von leicht über 10 Fr. Diese Dividendenperle gilt als zweite Wahl hinter der Zurich-Aktie.

Die Swiss Life betont bei jeder Gelegenheit ihre niedrige Aktienquote. Aber hier liegt das Problem beim hohen Anteil von Firmenobligationen und Hedge-Fonds-Beteiligungen. Laut Noack schiebt die Swiss Life unrealisierte Verluste von 6,5 Mrd Fr. vor sich her. Nur weil 3 Mrd davon von den Policenhaltern getragen werden, liegt der Nettowert der unrealisierten Verluste deutlich niedriger. Mit einem Anteil von 4,3% an den Wertpapierbeständen ist die Höhe der unrealisierten Verluste deutlich über dem Branchendurchschnitt. Details werden Anleger am 24. März erfahren. Analysten erwarten einen Betriebsverlust von 368 Mio Fr. und einen Reinverlust von 483 Mio Fr. Die Aktie wird zum «Halten» beziehungsweise explizit zum Verkauf empfohlen.