INVESTOREN .

Gleich zwei Grosstransaktionen mit Geldfluss von Ost nach West gingen in den letzten Tagen erstaunlich lautlos über die Bühne. Die chinesische Versicherung Ping An erwarb für knapp 2 Mrd Euro einen 4,2%-Anteil an der belgisch-holländischen Fortis-Gruppe, einer grossen europäischen Finanzdienstleisterin. Kurz zuvor blätterte Abu Dhabi Investment Authority (Adia) 7,5 Mrd Dollar für knapp 5% der globalen Bankenleaderin Citigroup auf den Tisch. Der US-Gigant hatte mit Fehlspekulationen im amerikanischen Subprime-Hypothekenmarkt Milliardenverluste eingefahren und leidet unter dünner Eigenkapitaldecke.

Finanztitel sind auch nach der kurzen Rally Ende letzter Woche derzeit so günstig zu haben wie nie. Die tiefen Aktienkurse locken Investoren zum Einstieg und geben den seit Jahren latenten Fusions- und Übernahmegerüchten neue Fantasien. Schweizer Werte bleiben davon nicht verschont. Mike Bär, bis 2004 Chef Private Banking bei Julius Bär und heute mit der Finanzgesellschaft Baer Capital in Dubai tätig, rät zu Gelassenheit. «Ich betrachte diese Entwicklung als natürliche Folge von Globalisierung und freier Marktwirtschaft», sagt der Bankenspezialist im Gespräch mit der «Handelszeitung». Laut Bär ist der Grund, warum Banken und Versicherungen zuoberst auf dem Einkaufszettel der vermögenden neuen Mitspieler aus China und dem Mittleren Osten stehen, ein einfacher. Solche Beteiligungen hätten bisher in den Portefeuilles der Investoren gefehlt. Nicht das Ziel des Geldflusses sei deshalb bemerkenswert, sondern die Ursache. «Im ersten Rohstoffboom vor 30 Jahren landeten die Dollar in US-Immobilien und auf Schweizer Bankkonten», sagt Bär. «Diesmal profitierte die inländische Industrie, es entstanden moderne Volkswirtschaften, und deren Erträge fliessen nun in Aktien grosser Unternehmen im Westen.»

Anzeige

EBK müsste vorher prüfen

Die Finanzbranche ist jedoch wegen ihrer Mittlerrolle für die Wirtschaft und der Gefahr des Dominoeffekts im Krisenfall speziell reguliert. In der Schweiz nimmt die Bankenkommission (EBK) jeden Investor unter die Lupe, der über 10% eines Instituts erwerben will. «Sollte sich ein chinesischer Staatsfonds namhaft an einer Schweizer Bank beteiligen wollen, würden wir prüfen, ob Gewähr für einwandfreie Geschäftsführung geboten ist», sagt EBK-Sprecher Alain Bichsel. «Grundsätzlich sind wir aber für eine offene Wirtschaft, das Bankengesetz ist kein Heimatschutzartikel.» Ein Teil der geschätzten 3000 Mrd Dollar, die in den Kassen der Staatsfonds in China, im Mittleren Osten und in weiteren Ländern schlummern, wäre also bei UBS, CS oder anderen Schweizer Instituten zumindest aus staatlicher Sicht willkommen.