145 Milliarden Dollar ausgeben - wer würde davon nicht träumen? Doch den Managern grosser Beteiligungsgesellschaften bereitet es eher schlaflose Nächte, wenn sie daran denken, dass sie noch vor Ende des Jahres Unternehmen finden müssen, die sie dafür kaufen. Denn sie haben das Geld von ihren Investoren nur für eine bestimmte Zeit - in der Regel zehn Jahre - bekommen. Die Anleger wollen Rendite sehen und zahlen hohe Management-Gebühren an die Fonds - doch dafür dürfen die Milliarden nicht einfach auf der Bank liegen. Die Beratungsfirma Triago geht davon aus, dass die Private-Equity-Gesellschaften weltweit für ein Zehntel der 145 Milliarden, die sie in diesem Jahr investieren müssen, keine Verwendung finden werden - doppelt so viel wie im langjährigen Durchschnitt.

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Insgesamt suchten Finanzinvestoren Ende Mai sogar für 366 Milliarden Dollar sinnvolle Anlagemöglichkeiten, wie Zahlen des Datenanbieters Preqin belegen - Geld, das ihnen Pensionsfonds, Versicherungen oder reiche Familien zugesagt, das die Private-Equity-Firmen aber noch nicht abgerufen haben. Das ist mehr als ein Zehntel der annähernd drei Billionen Dollar, die weltweit in Private-Equity-Fonds stecken.

Ein Berg an «trockenem Pulver»

Seit kurzem wächst der Berg an«trockenem Pulver», wie es im Branchenjargon heisst, wieder, nachdem er seit der Finanzkrise stetig abgebröckelt war. Die Finanzinvestoren stehen vor einem Dilemma. In diesem Jahr laufen so viele Private-Equity-Fonds aus wie noch nie. Doch wer gibt ihnen Geld für neue Fonds, wenn sie nicht unter Beweis stellen konnten, dass sie bisher Sinnvolles damit angefangen haben?

Doch das Volumen der Firmenübernahmen durch Finanzinvestoren stagniert. Im ersten Halbjahr gaben sie 149 Milliarden Dollar für den Kauf von Unternehmen aus, etwas weniger als im zweiten Halbjahr 2012. Und ohne den 28 Milliarden Dollar schweren Kauf des Ketchup-Herstellers H.J. Heinz und das 24 Milliarden Dollar umfassende Angebot für den Computerriesen Dell sähe es so trist aus wie 2010.«Es passiert nicht viel, weil die Preise immer noch ziemlich hoch sind und die Kredite der Banken relativ teuer», sagt Tim Syder vom britischen Finanzinvestor Electra. Vielen bleibt nur, die Anleger zu bitten, die Laufzeit der Fonds zu verlängern. Schliesslich seien ihnen ja in den 18 Monaten nach der Finanzkrise die Hände gebunden gewesen, weil der Markt praktisch tot war.

Von der rechten in die linke Tasche

Der Fundus«neuer» Objekte, die bisher in Familienhand waren oder zu Grosskonzernen gehörten, ist begrenzt. Vielfach reichen Finanzinvestoren deshalb Firmen untereinander weiter - kritisch beäugt von ihren Anlegern, deren Geld damit oft von der linken in die rechte Tasche wandert, weil sie in mehrere Fonds investiert haben. Und jeder Finanzinvestor lädt dem Unternehmen neue Schulden auf, um auch als dritter oder vierter Private-Equity-Eigentümer noch auf seinen Schnitt zu kommen. Das erhöht das Risiko des Scheiterns, wenn die hohe Schuldenlast die Firma überfordert. Immerhin war das zweite Quartal nach Preqin-Daten das zweitbeste Quartal seit 2006, was die Ausstiegschancen für Private Equity betrifft. Sie verkauften Beteiligungen für 93 Milliarden Dollar, 42 Milliarden kamen durch Börsengänge herein.

Doch der Hunger nach neuen Beteiligungen und der Zwang, das eingesammelte Geld auszugeben, treibt die Preise.«Es gibt immer die Sorge, dass zum Ende der Investmentperiode hin das Geld eher 'hinausgeworfen' als investiert wird», sagt Charles Magnay von Altius Associates, der Investitionen in Private-Equity-Fonds managt. Der Chef des britischen Finanzinvestors 3i, Simon Borrows, fragt selbstkritisch:«Bleiben die Leute, die all das Geld einsammeln, diszipliniert und geben es klug aus, anstatt es hastig zum Fenster hinauszuwerfen?»

Die Laufzeit zu verlängern, ist für viele Investoren da die bessere Alternative. Für die Finanzinvestoren könnte es ratsam sein, gleich weniger Geld einzusammeln: CVC Capital Partners, Miteigentümer des Chemiekonzern Evonik und der Formel Eins, hat für seinen neuen Übernahmen-Fonds - den zweitgrössten seit der Finanzkrise überhaupt - kürzlich in Rekordzeit 10,5 Milliarden Euro eingeworben. Ein Insider sagte, die Investoren hätten gern noch mehr gegeben. Doch mehr wollten die Briten nicht nehmen.

(tke/reuters)