Der März ist nicht nur der Monat der Jahresabschlüsse, Budgetentwürfe und Ausblicke auf Gewinn- oder Verlustentwicklungen, sondern statistisch gesehen auch der Monat, in dem es in den USA am dritthäufigsten zu Unternehmensinsolvenzen kommt. Im März bekommen Darlehensgeber also zumindest eine Ahnung von möglichen sich anbahnenden Problemen. Und die Nervosität 2008 dürfte weit grösser sein als in früheren Jahren. Die Geldgeber sorgen sich um ihre alten Darlehen, geizen mit neuen Krediten und haben weniger Geduld mit den Klienten. «Viele überlegen, ob und wann sie einen Kunden zu drastischen Restrukturierungen drängen sollen, um die roten Zahlen klein zu halten. Sie haben Angst vor noch weit grösseren Verlusten», sagt Vincent Lambiase von der Unternehmensberatung BBK.

Rettungskonzepte schlagen fehl

Vergangene Woche gab beispielsweise die Hypothekenbank Thornburg Mortgage bekannt, eine Nachschussforderung von über 500 Mio Dollar des Darlehensgebers JP Morgan Chase teilweise nicht bedienen zu können. Auch die beiden Private-Equity-Firmen Carlyle Group und Kohlberg Kravis Roberts & Co (KKR) taumeln aufgrund der Tumulte an den Hypothekenmärkten. Carlyle Capital etwa, eine Tochter der Carlyle Group, konnte den Nachschussforderungen auf sein 21,7-Mrd-Dollar-Portfolio nicht nachkommen.

Mit dem Ziel, ihre Marken auszuweiten, hatten Carlyle und KKR Fonds aufgelegt, um Hypothekenpapiere zu kaufen, und diese später an die Börse gebracht. Doch bisher ist das Konzept nicht aufgegangen. Die Aktien von Carlyle Capital stürzten von einst 20 Dollar auf Pennystock-Niveau, KKR Financial liegen rund 50% unter ihrer Erstnotiz.

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Doch beide Firmen bemühen sich, die Anleger zu beruhigen. «Wir sind davon überzeugt, dass diese Herausforderungen keine Auswirkungen auf die Carlyle Group oder auf einen anderen Fonds haben», hiess es in einem Brief an die Anleger. Trotzdem brach Carlyle-Mitbegründer David Rubenstein eine Besprechung im edlen Skiresort Deer Valley ab und kehrte nach Washington zurück, um der grössten Krise in der 20-jährigen Firmengeschichte ins Auge zu sehen. Denn die Branche hat grosse Probleme.

Nach einem Bericht der Fed hat rund ein Drittel der Banken ihre Kreditstandards in der jüngeren Vergangenheit angehoben, und rund 45% verteuern ihre Kredite an grosse und mittelständische Unternehmen. «Den Banken geht es jetzt in erster Linie darum, das Risiko zu minimieren», sagt Sean Mathis von der Beraterfirma Miller Mathis & Co.

Noch höhere Ausfallraten

Die Kreditverschärfungen führen dazu, dass die Ratingagenturen eine Verfünffachung der Ausfallraten bei Unternehmensanleihen prognostizieren. 48 Mrd Dollar an spekulativen Unternehmensdarlehen werden bereits in den kommenden zwei Jahren fällig. Die kommenden Monate dürften also unangenehme Nachrichten bringen. Dazu kommt, dass sich auch die Kosten der Banken für Versicherungen gegen Kreditausfälle innerhalb eines Jahres fast verdreifacht haben.

Die Banken befinden sich bisweilen in einem Zwiespalt, da sie in vielen Fällen nicht die letzte Entscheidung über eine Kreditvergabe treffen. Sie verkaufen die Anleihen oft gestückelt weiter an andere Banken, Versicherungen oder Hedge-Fonds. Und die müssen einer Änderung der Kreditbedingungen zustimmen. Unstimmigkeiten sind programmiert. Das Prekäre: Einige Hedge-Fonds würden sich gar über einen Kreditausfall freuen – diejenigen, die darauf spekulieren, dass sie im Fall einer Insolvenz einen Unternehmensanteil erwerben können.

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Wert von Hedge-Fonds abgestürzt

Doch auch Hedge-Fonds treffen die Probleme mit den Nachschussforderungen, da die Banken die Gelder zurückfordern, die sie ihnen geliehen hatten. Darlehen von Banken und Brokern haben es Hedge-Fonds erst ermöglicht, ein Vielfaches der ursprünglichen Summen in unterschiedlichen Investments anzuhäufen. Aber da der Wert einiger dieser Investments in den vergangenen Wochen abgestürzt ist, verlangen die Darlehensgeber mehr Sicherheiten, um sich selbst vor Verlusten zu schützen. So führte aktuell eine Nachschussforderung zum Zusammenbruch des Londoner Hedge-Fonds Peloton Partners.

Aufgrund der Angst, dass sich die Probleme ausweiten könnten, sanken dabei sogar die Preise der sichersten Hypothekenpapiere. «Das fühlt sich unglaublich schlecht an», sagt Gregory Peters, Kreditstratege bei Morgan Stanley. «Die Tatsache, dass auch die qualitativ besten Papiere betroffen sind, ist wirklich besorgniserregend», meint auch Tim Bond, Stratege bei Barclays Capital. «Damit werden die Probleme auch in den Bereich der Anleger getragen, die nur in sicherste Hypothekenpapiere investieren.»

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