Familiengeprägten Unternehmen werden zahlreiche positive Eigenschaften zugeschrieben: Sie gelten bei den Investoren als solide Gesellschaften, die achtsam mit den vorhandenen Mitteln haushalten und eine langfristige, über Jahrzehnte erfolgreiche Strategie verfolgen.

Vor allem aber sollen sie wirtschaftlichen Krisen trotzen und auch in unwirtlichen Zeiten eine gute Performance abliefern. Schliesslich sind die Besitzerfamilien daran interessiert, dass das Unternehmen längerfristig eine Wertsteigerung erfährt, da ihr Vermögen in den Firmen gebunden ist. Zudem sind auch kursstützende Anschlusskäufe durch firmennahe Personen denkbar, wenn eine Aktie abzustürzen droht.

Dennoch hat die anhaltende Wirtschaftskrise nun ein weniger vorteilhaftes Licht auf die Familienunternehmen geworfen. So verloren die im Swiss Entrepreneurial Index der Banque Pasche enthaltenen Gesellschaften im Jahr 2008 mehr als 40%, während der Vergleichsindex SPI im gleichen Zeitraum mit -35% etwas weniger stark gelitten hat. Im Index sind SIX-kotierte Unternehmen enthalten, an denen eine Partei mindestens 20% der Stimmrechte besitzt. Dazu gehören neben Börsenschwergewichten wie dem Pharmakonzern Roche oder dem Personalvermittler Adecco auch viele KMU wie die Industriegruppe Bucher, der Nahrungsmittelhersteller Hügli oder das IT-Unternehmen RedIT.

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Zyklische Familienunternehmen

«Den stärkeren Kurseinbruch bei den Familienunternehmen führen wir auf die geringere Marktkapitalisierung und die geringere Handelbarkeit zurück, welche die Mehrzahl solcher Firmen traditionell ausweist. Und Small und Mid Caps standen im vergangenen Jahr vermehrt unter Druck», erklärt Anja Stubenrauch von Bellevue Asset Management. Das Finanzinstitut verwaltet den BBEntrepreneur-Fonds, der in familiengeprägte Firmen investiert.

Auch Markus Bächtold, Analyst bei Clariden Leu, begründet die schwache Performance der Familienunternehmen mit der Firmengrösse. Mittelabflüsse aus Fonds, wie sie im vergangenen Jahr häufig festzustellen waren, hätten den Aktien dadurch verstärkt zugesetzt. Daneben sieht er noch weitere Gründe für die schwächere Kursentwicklung bei den Familienunternehmen. «Viele familiengeprägte Gesellschaften sind, unter anderem wegen ihrer Grösse, in ihren Geschäftsbereichen weniger stark diversifiziert und eher in zyklischen Branchen anzutreffen», erklärt Bächtold. Zu denken ist dabei an die zahlreichen Industrieunternehmen, die von der Krise heimgesucht wurden. «Wenn ein familiengeprägtes Unternehmen als Automobilzulieferer tätig ist, dann kann es sich der ausserordentlich schwierigen Situation in diesem Markt nicht entziehen», ergänzt Peter Schmid, Leiter des KMU-Geschäfts von PricewaterhouseCoopers Schweiz.

Langfristig auf Erfolgskurs

Trotz der mageren Performance 2008 wird den Familienunternehmen längerfristig nach wie vor eine erfolgreiche Zukunft vorausgesagt. «Die Gesellschaften weisen zumeist fundamental solide Kennzahlen aus, sind wenig verschuldet und zeigen über eine längere Sicht eine bessere Performance als ihre Konkurrenten», ist Stubenrauch überzeugt. Einen weiteren Pluspunkt hebt Schmid hervor: «Die Entscheidungswege zwischen dem obersten Management und den Eigentümern ist häufig kürzer, und auch das Verständnis für die Geschäftsführung ist unter den Parteien besser.» Dadurch ist die Strategie vieler Familienunternehmen nicht auf die kurzfristige Steigerung der Resultate, sondern eher auf den langfristigen Erfolg ausgelegt.

Auch Bächtold glaubt an den langfristigen Erfolg der Familienunternehmen. In der aktuellen Situation würde diese Strategie allerdings wenig bringen. «Die langfristige Ausrichtung der Gesellschaften begrüsse ich sehr, doch können auch diese Unternehmen noch in Schwierigkeiten geraten, wenn die Krise weiter anhält», gibt er zu bedenken. Insbesondere, wenn der Familienbesitz trotz allem mit einem hohen Leverage aufgebaut wurde, drohen Finanzierungsprobleme. Das zeigt der Fall des Merckle-Imperiums.

Laut Bächtold ist der Zeitpunkt für Investitionen in familiengeprägte Unternehmen angesichts der Unsicherheiten über die Schwere der aktuellen Rezession noch verfrüht. «Derzeit bevorzugen wir defensive Werte», so der Clariden-Leu-Analyst. Wer dennoch von den Vorteilen der Familienunternehmen profitieren möchte, sollte folglich auf jene Werte setzen, die das Beste aus beiden Welten vereinen: Zu denken ist dabei an Unternehmen wie den Pharmakonzern Roche oder den Medizinaltechniker Synthes.