Noch im November 2007 galt der Internationale Währungsfonds (IWF) als völlig irrelevant, denn ihm waren die Kunden weggelaufen. Zu gut schien es der Weltwirtschaft zu gehen, als dass jemand noch den Gang nach Washington würde antreten müssen. Jetzt stehen sie Schlange. Island, Ungarn, Ukraine, Pakistan – ein Land nach dem anderen klopft beim IWF an, um sich eine Milliardeninfusion zu holen.

Und es werden noch mehr werden. Die Finanzkrise erreicht die souveränen Staaten. Alle Länder, die eine negative Leistungsbilanz ausweisen, könnten in die Bredouille geraten. Rumänien gilt als Kandidat, und sogar Ländern in der Eurozone wie Griechenland oder Spanien drohen Turbulenzen. Denn niemand will mehr das Loch in deren Bilanzen finanzieren. «Die Akteure an den Finanzmärkten beginnen jetzt ein neues Spiel», sagt Thomas Straubhaar vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI). «Nach den Banken fassen sie nun erste Länder ins Auge und spekulieren dabei auf die Reaktion der Politik.»

Krise trifft Staaten der EU

Private Kapitalzuflüsse in aufstrebende Volkswirtschaften sind abrupt gestoppt, die Milliarden fliessen so schnell ab, wie sie die ausländischen Banken, Fonds und Investoren nur abziehen können. Wer sich jüngst gegen einen Ausfall auf russische Staatsschulden versichern wollte, musste dafür mehr zahlen als für Kreditversicherungen gegen einen Konkurs Kolumbiens oder Panamas.

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Galt Island noch als Ausnahmefall, so erreichte die Krise mit Ungarn die erste Volkswirtschaft in der EU. Dänemark musste die EZB mit 12 Mrd Euro helfen, damit die Regierung das heimische Bankensystem am Leben halten kann.

Angesichts dieser Entwicklung lässt sich leicht vorstellen, was im Europäischen Währungsverbund los wäre, wenn es den Euro nicht gäbe. Denn dieser wirkt wie ein Klebeband, das den Kollaps eines seiner Mitglieder weitaus unwahrscheinlicher macht. Bislang scheint die Eurozone so krisenresistent, dass in ihren Hauptstädten darüber nachgedacht wird, ob nicht die Eurozone erweitert werden könnte. Doch den Zentralbankern läuft bei solchen Szenarien der Angstschweiss über die Stirn.

Dabei ist es nicht der drastische Fall des Eurokurses, der den Notenbankern Sorgen bereitet. Vielmehr ist es der Blick in die Zahlungsbilanzen, der die Krisenangst schürt. Ein Land wie Griechenland kam in den letzten zwölf Monaten auf ein Leistungsbilanzdefizit von 14% des Bruttoinlandprodukts. Zuletzt soll die Regierung bereits Schwierigkeiten gehabt haben, auslaufende Altschulden zu refinanzieren. Doch was passiert, wenn Griechenland in eine ähnliche Situation geraten sollte wie zuletzt Island?

Der EG-Vertrag besagt, dass die EZB keinem Staat der Eurozone zur Hilfe eilen darf, wenn der Bankrott droht. Wenn aber die Notenbank nicht einspringt, bleiben Kredite vom IWF – und der anderen europäischen Staaten.

Einfache Auswege sieht niemand mehr. Die Finanzkrise hat inzwischen eine Dynamik gewonnen, dass selbst hartgesottene Krisenmanager nicht mehr folgen können. Was bisher an Krisenplänen in den Schubladen lag, ist längst überholt. Bereits ist von einem Plan C die Rede, ohne dass man wirklich sagen könnte, wie dieser aussehen würde.