Allen Rettungsversuchen und Staatsinterventionen zum Trotz frisst sich die Finanzkrise weiters durchs System. Jetzt hat sie auf die weltweiten Devisenmärkte übergegriffen. Der Euro und andere Währungen verloren stark an Wert. Bei einigen Schwellenländer-Devisen wie dem ungarischen Forint oder dem koreanischen Won haben die Verluste bereits ähnliche Dimensionen erreicht wie beim Ausbruch der Asien-Krise vor elf Jahren.

«Ein Hauch von 1997 weht über den Globus», sagt Philipp Nimmermann, Analyst bei der BHF-Bank. In den späten 90er Jahren waren die Währungen der zuvor boomenden Tiger-Staaten dermassen abgestürzt, dass die Ökonomien nur mit Hilfe des Internationalen Währungsfonds vor dem Kollaps bewahrt werden konnten. «Der Unterschied zu damals ist, dass die jetzigen Verwerfungen nicht auf eine Region begrenzt sind», sagt Nimmermann.

Anfang Woche rutschte der Euro auf 1,24 Dollar – mehr als 30 US-Cent tiefer als noch im Juli.

Fast panikartige Reaktionen

Ein derartiger Wertzerfall des Euro kommt für viele überraschend. Schliesslich gestaltet sich die volkswirtschaftliche Situation in Euroland keineswegs schlechter als in Amerika, die weiter stark unter den Folgen der geplatzten Kreditblase leidet. «Das sind fast schon panikartige Reaktionen», sagt Folker Hellmeyer, Stratege bei der Bremer Landesbank, «tausende Hedge-Fonds und andere Investoren lösen ihre Fremdwährungspositionen auf und transferieren ihr Geld zurück in den Heimatmarkt», erklärt Hellmeyer. Da spielten Fakten wie die explodierende Staatsverschuldung in den USA keine Rolle mehr. «Internationale Investoren fliehen in die liquideste Devise, die der Vereinigten Staaten. Kleinere Währungen geraten da unter die Räder», sagt auch Nimmermann.

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Doch nicht nur der Dollar profitiert vom Status als Fluchtwährung. Auch der Yen wird auf der Suche nach Sicherheit nach oben getrieben. Hier ist der Effekt sogar noch stärker. Über Jahre war zu niedrigen Zinsen geliehenes Geld aus Japan herausgeflossen, das in Schwellenländern und anderen spekulativen Märkten angelegt wurde. «Diese sogenannten Carry-Trades werden jetzt abgewickelt, und das katapultiert den Yen nach oben», erklärt Hellmeyer. Ganze 28% hat sich die japanische Devise seit Anfang des Jahres verteuert. Für japanische Exporteure wie Toyota, Nintendo oder Sony kommt diese Verteuerung zur Unzeit. In einem konjunkturellen Umfeld, in dem die Nachfrage nach Konsumartikeln ohnehin schwächelt, verlieren die Unternehmen preislich an Wettbewerbsfähigkeit.

Die umgekehrte Wirkung hat die Schwäche des Euro für Exportfirmen aus dem Euroland. Allerdings ist dies angesichts der befürchteten weltweiten Rezession nur ein schwacher Trost. Für die exportabhängige deutsche Wirtschaft beispielsweise könnte der Zerfall vieler Emerging-Markets-Währungen noch zurückschlagen.

Hohe «Spreads» bei Anleihen

Wie ernst die Lage bereits ist, zeigen die Risikoaufschläge (Spreads) bei Schwellenländer-Anleihen. Sie messen das Mehr an Zinsen, das ein solcher Staat gegenüber erstklassigen Papieren industrialisierter Länder bieten muss. Bei Russland beträgt der Aufschlag gut 673 Basispunkte (6,73%) gegenüber US-Staatsanleihen. Ähnlich sieht die Situation in Ungarn aus. Der Zerfall des ungarischen Forint hat solche Ausmasse erreicht, dass über einen Staatsbankrott des Landes spekuliert wird.

Die Notenbank in Budapest versuchte gegenzusteuern, indem sie den Leitzins um 300 Punkte auf 11,5% anhob. Zudem sprang ihr die EZB mit 5 Mrd Euro Soforthilfe zur Seite. Neben Ungarn werden die baltischen Staaten, Rumänien, die Türkei und Argentinien als gefährdet angesehen. «Die Hoffnung ist, dass wir eine koordinierte internationale Hilfsaktion sehen, die einen ähnlichen Kollaps wie 1997 verhindert», sagt Hellmeyer.