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Börseninterview
Finanzmärkte: «Politische Themen haben das Zepter übernommen»

Rom
Dunkle Wolken über dem Quirinal Palast in Rom: Die Regierungskrise beschäftigt die Finanzmärkte. Quelle: Getty Images

Die Krise in Italien zeigt: Wenn es beim Euro «brennt», bleibe der Franken ein Zufluchtsort, sagt Börsenexperte Thomas Heller.

Von Marc Bürgi
am 04.06.2018

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Thomas Heller*: Politische Themen haben das Zepter übernommen. Derzeit allen voran die Regierungskrise in Italien. Aber auch der Handelskonflikt oder das Hin und Her um den Nordkoreagipfel. Anders als im letzten Jahr – als es ebenfalls mehrere solche Events gab - reagieren die Märkte nun auf politische Entwicklungen. Die Aktienmärkte sind unter Druck, die Risikoprämien steigen.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Die weitere Entwicklung der drei genannten politischen Unruheherde ( Italien, Nordkorea, Handelskonflikt) wird die Richtung die Märkte massgeblich beeinflussen – im Guten wie im Schlechten. Bis klar ist, welche Faktoren dominieren werden, wird es immer wieder zu Tauchern aber auch Entlastungsrallys kommen. Ich rechne deshalb damit, dass sich der volatile Seitwärtstrend der letzten Monate noch etwas fortsetzen wird.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Mehr als 9000 Punkte sind innert Jahresfrist im SMI nicht zu erwarten.

Der Franken hat wegen der politischen Krise in Italien zum Euro wieder an Wert gewonnen. Droht eine Rückkehr der Frankenstärke?
Der Status als sicherer Hafen wurden dem Franken zuletzt ja schon fast abgesprochen. Die jüngste Entwicklung zeigt, dass das voreilig war. Insbesondere wenn es rund um den Euro «brennt», bleibt der Schweizer Franken ein Zufluchtsort. Aber man darf auch nichts dramatisieren. Auf handelsgewichteter Basis liegt der Franken nur unwesentlich höher als zu Jahresbeginn und noch immer tiefer als unmittelbar nach der Börsenkorrektur Anfang Februar

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Thomas_Heller_SZKB_Boerseninterview
* Thomas Heller ist CIO und Leiter Research bei der Schwyzer Kantonalbank.
Quelle: ZVG

Die Regierungsbildung in Italien ist fast gescheitert. Bedroht die politische Krise den wirtschaftlichen Aufschwung im Euro-Raum?
In letzter Minute ist ja nun doch eine Regierung zustande gekommen. Ob damit die politische Krise in Italien ausgestanden ist, ist hingegen fraglich. Das Wachstum in der Eurozone zeigt zwar gewisse Ermüdungserscheinungen, die jedoch weder von der italienischen Regierungskrise ausgehen, noch von dieser verschärft werden – zumindest noch nicht. Denn natürlich ist die Konstellation in Italien brisant. Anders als vor Jahresfrist in Frankreich, als es die Euro-kritische Kandidatin Marine Le Pen nicht ins Präsidentenamt geschafft hat, sind nun in Italien erstmals Parteien an der Macht, die offen mit dem Austritt aus dem Euro liebäugeln. Dass nur schon die wahrgenommene Gefahr eines Austritts - wie (un-)wahrscheinlich er auch sein mag - die Märkte in Aufruhr versetzen kann, haben wir vor drei Jahren in Griechenland gesehen. Und bei der Grösse Italiens, kann eine Eskalation der Krise die Wachstumsaussichten im Euro-Raum beeinträchtigen.

Grosse Schwellenländer wie die Türkei und Brasilien stecken in einer Krise. Haben ihre wirtschaftlichen Probleme Auswirkungen auf die globale Konjunktur?
Die Probleme in der Türkei und in Brasilien sind hausgemacht. Sie dürften sich deshalb mehrheitlich isoliert in den beiden Ländern abspielen. Die Ansteckungsgefahr auf andere Länder ist aus heutiger Sicht eher gering. Insofern werden sich die Auswirkungen auf die globale Konjunktur in Grenzen halten.

Der Swiss Market Index wird 30 Jahre alt. Welche Bedeutung hat der Schweizer Leitindex heute für Anleger in der Schweiz und weltweit?
Nun, der SMI ist seit Jahren DAS Börsenbarometer der Schweiz und hat insofern natürlich eine sehr grosse Bedeutung für Schweizer Anleger. Wobei er sich eigentlich nur bedingt als Messgrösse für die hiesige Aktienmarktentwicklung oder den Anlageerfolg eignet. Als reiner Preisindex berücksichtigt er nämlich die Dividendenzahlungen der enthaltenen 20 Unternehmen nicht und weist dadurch eine zu tiefe Wertentwicklung aus. Der Swiss Performance Index (SPI) ist nicht nur breiter aufgestellt (208 Unternehmen), sondern bildet auch die «echte» Performance – das heisst inklusive der Dividenden – des Schweizer Aktienmarktes ab.

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