Der Bankenplatz Schweiz lebt, trotz der Finanzkrise, Steuerdebatten und des zunehmenden Wettbewerbs mit weiteren Finanzplätzen. «Unsere wichtigsten Alleinstellungsmerkmale sind die wirtschaftliche Sicherheit und Stabilität des Landes, das Vertrauen in die Banken und ihre Professionalität sowie die Internationalität», sagt Patrick Odier, Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung.

Banker und Nationalrat Thomas Matter konkretisiert die Standortvorteile: «Swiss Banking steht für die weltbesten Dienstleister, die Schweiz profitiert mit ihrer Stabilität auch von der Krise und es besteht Rechtssicherheit und Diskretion – auch wenn diese stärker unter Druck gekommen sind.»

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Keine Abschottung von internationalen Trends

Diesen Stärken stehen indes auch Schwächen gegenüber: «Swiss Banking hört an den Landesgrenzen auf und man muss sich bei der Frage nach der Attraktivität des Standortes immer auch fragen, was eine Bank bieten muss, damit ein Kunde nicht zuerst zur Vertretung in Singapur geht, sondern nach Zürich kommt», so Matter. Wichtig sei es, dass Banken immer die Sicht und Vorteile ihrer Kunden vertreten.

«Wettbewerbsfähigkeit ist wichtig – sie muss aber nachhaltig sein», ergänzt Finma-Chef Mark Branson. «Es gibt keine Abschottung von internationalen Trends». Man müsse am Bankenplatz Schweiz konsequent nach vorne schauen. «Die Rahmenbedingungen von 2006/2007 werden nie mehr zurück kommen», stellt Branson weiter fest. Ins gleiche Horn bläst auch der Präsident des Zürcher Bankenverbandes, Thomas Ulrich: «Für die Branche geht es darum, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen sowie Innovation und Entwicklung entschlossen voran zu treiben.»

Zürich: Fast jeder zweite Banker bei den zwei Grossen

Dass der Bankenplatz lebt, bescheinigt auch die jüngste Ausgabe des Global Financial Centres Index. Die Limmatstadt rangiert auf Platz 7 – und hat damit einen Platz gut gemacht. Seine internationale Bedeutung verdankt der Bankenplatz Zürich vor allem der Präsenz der beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse, die im vergangenen Jahrzehnt stets Spitzenplätze in den Rankings der weltweit grössten Vermögensverwalter belegten.

Die beiden Grossbanken halten mit über 1,3 Billionen Franken mehr als die Hälfte der aggregierten Bilanzsumme der Region, fast jeder zweite Bankangestellte arbeitet bei einer der beiden Grossbanken. Addiert man alle Angestellten der Branche – inklusive den Versicherern – resultiert rund ein Fünftel der regionalen Wirtschaftsleistung. Und noch eine Zahl ist beeindruckend: Jeder zehnte Arbeitsplatz im Kanton Zürich ist in der Finanzbranche angesiedelt.

Genf kämpft gegen den Abstieg

Aber Genf, die traditionelle Hochburg im Private Banking und Zentrum für Handelsfinanzierung, kämpft gegen den Abstieg. Im aktuellsten Global Financial Centres Index ist die Rhonestadt bereits auf Platz 13 abgerutscht – 2013 war sie noch auf Platz 7, 2014 schon auf Platz 9. Der jüngste Schock für das wichtige Standbein Private Banking waren die Querelen um die Schweizer Niederlassung der britischen Grossbank HSBC Private Bank (Suisse).

Hinzu kommt der Wechselkurseffekt: Dies fordert den Finanzplatz stark, denn die Banken bedienen ihre internationale Kundschaft weitgehend aus der Zentrale heraus. Die Kosten fallen in Franken an, die Einnahmen werden meist auf der Basis von Fremdwährungen erzielt. Dies ist für Genf besonders tragisch, da kein anderer Schweizer Finanzplatz einen so hohen Auslandbanken-Anteil der subsumierten Bilanzssumme hat wie Genf: Jeder dritte Franken der kumulierten Bankbilanzsummen von 190 Milliarden Franken rechnet Bakbasel einer Auslandbank zu.

Immerhin bleibt dem Finanzplatz neben dem Private Banking die internationale Handelsfinanzierung als zweite Säule. In diesem Bereich ist die Rhonestadt nach wie vor Weltzentrum: Sie ist Standort für mehrere dutzend Rohstoffhändler und zahlreiche auf entsprechende Finanzdienstleistungen spezialisierte Banken. Genf hat den Spitzenplatz im weltweiten Zucker-, Getreide- und Ölsaathandel, gehört zu den grössten Akteuren in Produktgruppen wie Baumwolle und Kaffee und bringt es auf ein Drittel des globalen Handels in Erdöl und Erdölprodukten.

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Schwester-Publikation «Schweizer Bank».