Die Untergangspropheten haben ein leichtes Spiel. Spätestens seit dem fatalen Ende der ältesten Schweizer Privatbank Wegelin Anfang Jahr weiss man, wie verwundbar die hiesige Finanzbranche ist. Es vergeht kaum eine Woche, ohne dass nicht neue Analysen und Projektionen den weiteren Niedergang vorwegnehmen. Selbst Bankchefs prophezeien ihrer Zunft eine düstere Zukunft, wie unlängst Zeno Staub. In den nächsten fünf Jahren würden 100 Banken verschwinden, sagte der Chef des Zürcher Traditionshauses Vontobel im Interview mit der «Handelszeitung».

Vor diesem Hintergrund fragt sich manch besorgter Beobachter: Sind es 10'000, 20'000 oder gar 100'000 Stellen, die im Schweizer Banking in nächster Zeit verschwinden? Werden 50, 100 oder 1000 Milliarden Franken an Kundengeldern abfliessen? Haben die Grossbanken bereits Dimensionen erlangt, die sie unkontrollierbar machen? Die Meinungen sind gemacht – vielleicht allzu überhastet, wie die zwölf Thesen der Serie auf «Handelszeitung Online» zeigen.

9. These: Branchenfremde Akteure erobern die Bankenlandschaft

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Seit der Finanzkrise trauen viele Kunden ihren Banken nicht mehr, wie dem «World Retail Banking Report 2012» von der Beratungsfirma CapGemini zu entnehmen ist. Im weltweiten Durchschnitt erklärten 51 Prozent aller Befragten, sie seien unsicher, ob sie im Verlauf der nächsten zwölf Monate bei ihrer Hauptbank bleiben wollten, respektive sie seien sicher, dass sie wechseln würden.

Bloss, wohin denn? Zu einer anderen Bank? Kaum. Experten sind sich einig, dass sogenannten Neueinsteigern eine grosse Zukunft bevorsteht. Gemeint sind branchenfremde Firmen, die bereits über ein ausgezeichnetes Image verfügen und so beste Chancen haben, im Bankgeschäft Fuss zu fassen. Britische Detailhändler wie Tesco oder Marks & Spencer haben das bereits bewiesen, genau so wie Richard Bransons Virgin Bank. Wahrscheinlich werden auch Technologiefirmen wie Apple und Google mittelfristig ins Banking einsteigen, wie bereits kolportiert wird.

Fazit: Die grösste Konkurrenz für die Banken kommt von aussen, von innovativen Unternehmen, zu denen die Kunden eine emotionale Bindung haben – das, was die Geldhäuser in Jahrhunderten nie hingekriegt haben.

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10. These: Die totgesagte Bankfiliale erlebt ein Revival

Ausgerechnet jene Kunden, die das Online und Mobile Banking am fleissigsten nutzen, besuchen auch ihre Bank am häufigsten. Dies belegt eine neue, internationale Studie des amerikanischen Technologiekonzerns Cisco. Die totgesagte Geschäftsstelle erlebt so ihren zweiten Frühling – und wie.

Immer beliebter werden Geschäftsstellen, die mit privatem Ambiente aufwarten – etwa mit Sofas, Cheminée oder einer Wohnküche mit Saftbar, Kaffeemaschine, Wifi und iPads. Ein weiterer Trend: Im angelsächsischen Raum werden manche Filialen nach Geschäftsschluss für kulturelle Events genutzt, wie für Filmvorführungen, Lesungen oder Vereinsversammlungen. So erhält die Filiale einen anderen Charakter, wird zum sozialen Treffpunkt. Dazu passt, dass mehrere Institute mit Musik und einer eigenen Geruchswelt einen eigenen Charme verbreiten wollen.

Fazit: Virtuelle Angebote sind «in». Doch aufs Beratungsgespräch, eine Analyse zur Steueroptimierung, die gelegentliche Sprüngli-Schokolade und auf den Gratisbesuch eines Kultur-Events werden die Kunden auch in Zukunft nicht verzichten wollen.

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Morgen auf «Handelszeitung Online»: Die Thesen zu Social Media und Grossbanken in der Schweiz.