Der Stellenabbau am Schweizer Finanzplatz blieb lange eine Drohkulisse. Die Banken lebten trotz Dauerklagen gut. Mit den jüngsten Einschnitten bei UBS und Credit Suisse ist die Radikalkur aber eingeläutet. 5500 Stellen verschwinden, davon 400 allein in der Schweiz.

Das ist erst der Anfang. Finanzanalysten erwarten nämlich, dass die UBS an ihrem Investorentag im November einen weiteren Stellenabbau ankündigt – als Folge der anhaltend trüben Aussichten am Finanzmarkt. Auch die Credit Suisse erwäge weitere Reduktionen, sagen Insider. Und Thomas Sutter, Sprecher der Schweizerischen Bankiervereinigung, sagt: «Es ist denkbar, dass andere Banken ähnlich auf das schwierige Marktumfeld reagieren.» Geldhäuser wie Julius Bär, Lombard Odier oder Sarasin passen ihre Belegschaft bereits den neuen Gegebenheiten an, allerdings in kleinen, weniger aufsehenerregenden Schritten.

Konsolidierungsdruck hat stark zugenommen

Der Stellenabbau ist nur eine Facette des Umbaus, den der hiesige Finanzplatz derzeit durchmacht. Längst kämpfen namhafte Banken ums Überleben oder werden demnächst geschluckt. «Der Druck zur Konsolidierung hat klar zugenommen», sagt Philipp Hofstetter, Partner bei der Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers. Letzte Woche übernahm die Genfer Union Bancaire Privée den Ableger der holländischen ABN Amro in der Schweiz. Die hiesigen Töchter von Commerzbank, Dresdner Bank, Banque Safdié oder ING wechselten bereits den Besitzer. Der Ex-UBS-Banker und heutige Unternehmensberater Ray Soudah erwartet in diesem Jahr etwa 20 Deals.

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Das faktische Ende des Bankgeheimnisses ist zur Zäsur geworden. Dank den neuen Steuerabkommen mit Deutschland und Grossbritannien lassen sich die Verkaufsobjekte in der Schweiz auch besser bewerten. In der Branche gelten die hel­vetischen Standbeine spanischer Konzerne (Santander, BBVA), deutscher Banken (Deka, Lampe, Bantleon) und Institute wie die Dexia Privatbank, die Banque ­Pasche, die Bank von Roll oder die Banque Louis als Übernahmekandidaten. Letzten Monat bestätigte auch die südafrikanische Finanzgruppe Investec, dass sie ihr Private-Banking-Standbein in der Schweiz abstossen wolle. «Genügende Erträge zu erzielen, ist im derzeitigen Marktumfeld schwierig», meint denn auch Martin ­Mauer vom Verband der Auslandsbanken.

Löhne wurden noch nicht angepasst

Trotz der massiven Gewinnerosion hat die Branche die Löhne noch nicht an die neuen Verhältnisse angepasst – obschon da das grösste Sparpotenzial bestünde. Fehlt die Einsicht, dass es jetzt zu diesem Schritt kommen muss, wird wohl die Börse nachhelfen. Seit den Kursverlusten der letzten Monate sind die Bankaktien im Keller. Lehman-Kollaps, UBS-Krise und Boni-Exzesse haben das Vertrauen in eine Branche zerstört, die ihr Selbstverständnis nur noch aus ihren Millionen­gehältern ableitete. «Unsere Generation wird es nicht mehr erleben, dass Bank­aktien neue Höchstkurse erreichen», kommentiert der 49-jährige Schweizer Börsenexperte und Finanzkolumnist Thomas J. Caduff.

(rcv)