Die Untergangspropheten haben ein leichtes Spiel. Spätestens seit dem fatalen Ende der ältesten Schweizer Privatbank Wegelin Anfang Jahr weiss man, wie verwundbar die hiesige Finanzbranche ist. Es vergeht kaum eine Woche, ohne dass nicht neue Analysen und Projektionen den weiteren Niedergang vorwegnehmen. Selbst Bankchefs prophezeien ihrer Zunft eine düstere Zukunft, wie unlängst Zeno Staub. In den nächsten fünf Jahren würden 100 Banken verschwinden, sagte der Chef des Zürcher Traditionshauses Vontobel im Interview mit der «Handelszeitung».

Vor diesem Hintergrund fragt sich manch besorgter Beobachter: Sind es 10'000, 20'000 oder gar 100'000 Stellen, die im Schweizer Banking in nächster Zeit verschwinden? Werden 50, 100 oder 1000 Milliarden Franken an Kundengeldern abfliessen? Haben die Grossbanken bereits Dimensionen erlangt, die sie unkontrollierbar machen? Die Meinungen sind gemacht – vielleicht allzu überhastet, wie die zwölf Thesen der neue Serie auf «Handelszeitung Online» zeigen.

1. These: Das Bankgeheimnis wird stark an Bedeutung gewinnen

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Wer den urschweizerischen Diskre­tionsschutz vorschnell abschreibt, begeht einen kapitalen Fehler. Natürlich kann das Bankgeheimnis nicht mehr dazu dienen, Steuern zu hinterziehen. Doch in der globalisierten und technologielastigen Welt von heute ist das Bedürfnis nach dem Schutz der finanziellen Privatsphäre grös-ser denn je – vor allem in den Schwellenländern, wo der neue Wohlstand gedeiht. Darum wird die Essenz des Schweizer Bankgeheimnisses auch in Zukunft gefragt sein.

Das Regelwerk wird zwar auf Druck von aussen sukzessive aufgeweicht, doch das schweizerische Selbstverständnis für Verschwiegenheit verschwindet dadurch kaum. Denn schon lange bevor das Bankgeheimnis 1935 in Kraft trat, existierte in der Schweiz eine Diskretionskultur. Natürlich werden Datenmissbräuche nie ganz zu verhindern sein. Aber aufgrund der jüngsten Erfahrungen werden die Banken ihr Personal gewissenhafter aussuchen und ihre internen Kontrollen so ausbauen, dass es erheblich schwieriger sein wird, solche Straftaten zu begehen.

Fazit: Mit der Euro-Krise, der Überschuldung vieler Industrienationen und der enormen politischen Unsicherheit in vielen Teilen der Welt steigt das Bedürfnis der Menschen nach finanzieller Sicherheit. Schon in wenigen Jahren wird das Bankgeheimnis bei versteuerten Vermögen ein unverwechselbarer Wettbewerbsvorteil der Schweizer Finanzbranche sein – weil es so etwas im Ausland nicht gibt. «Darum», sagt der Historiker Robert Vogler, «verdient das Bankgeheimnis mehr Anerkennung und einen besseren Schutz durch die Politik.»

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2. These: Privatbanken ­verschwinden –Partnerschaften kommen
Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in der Schweiz 700 Privatbankiers. Im Jahre 1934 zählte die Vereinigung der Schweizerischen Privatbankiers 42 Mitglieder. Heute sind es noch zwölf. Der Trend ist klar: Für die unbeschränkt haftenden Privatbankiers wird es zusehends enger.

Denn seit dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers, der UBS-Rettung und der drohenden Insolvenz ganzer Staaten weiss man, dass selbst scheinbar unumstössliche Gegenparteien kollabieren können. «Das», sagt Jacques de Saussure von der Genfer Privatbank Pictet, «ist ein Paradigmenwechsel, der unser Geschäft um einiges schwieriger macht.»

Fazit: Die klassischen Privatbanken als Urgestalten des schweizerischen Geldwesens werden sukzessive verschwinden oder ihre Gesellschaftsform den neuen Gegebenheiten anpassen müssen. Partnerschaftliche Modelle, bei denen die leitenden Mitarbeiter beteiligt sind, bleiben dabei aber attraktiv. Denn letztlich garantieren nur sie die so eminent wichtige Balance zwischen Risiko und Verantwortung.

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Morgen auf «Handelszeitung Online»: Die Thesen zur Vermögensverwaltung und zu den Löhnen.