Der Name Bernard Madoff steht für den grössten Finanzbetrug aller Zeiten. Er hat über mehrere Jahrzehnte ein gigantisches Schneeballsystem aufgebaut. Insgesamt soll er bei Anlegern rund 65 Mrd Dollar eingesammelt haben. Die Methode Madoff funktionierte simpel. Mit den frischen Geldern der Investoren bediente er die Zinsen oder Auszahlungswünsche der bestehenden Anlegergemeinde.

Exklusivität als Motivation

Keine Aufsichtsbehörde brachte ihn zu Fall. Erst die Finanzkrise liess sein Betrugsimperium auffliegen. Als mehr Anleger ihre Gelder abzogen, als neue Mittel hinzukamen, konnte Madoff das Lügengebilde nicht länger aufrechterhalten.

Sein System arbeitete so gut und so lange, weil er zum einen als ehemaliger Nasdaq-Chef einen exzellenten Ruf an der Wall Street genoss. Zum anderen wusste er die Anleger geschickt um den Finger zu wickeln. Statt übermässiger Gewinne versprach er glaubwürdigere und vor allem stetige Renditen. Zudem hatte er stets vermieden, in der Öffentlichkeit allzu protzig aufzutreten.

Stattdessen vermittelte er seinen Kunden das Gefühl der Exklusivität. So schaffte er bei ihnen zusätzliche Motivation, dabei sein zu wollen. Neue Sparer wollten einfach nur mit von der Partie sein und stellten keine unbequemen Fragen. Obwohl die Aufsichtsbehörden immer wieder konkrete Tipps erhielten, dass es sich um ein Schneeballsystem handelt, griffen sie nicht entschieden ein.

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Dem Charme von Madoff erlegen

Möglich wurde der Schwindel nur, weil Madoff von der Geldverwaltung über die Handelsabwicklung bis zur Bilanzprüfung alles unter seinem Dach anbot. Wie die Staatsanwaltschaft jetzt herausgefunden haben will, halfen auch zahlreiche Mitarbeiter bei den Luftbuchungen mit.

Zu den Geprellten zählen unter anderen Hollywood-Produzent Steven Spielberg, Laureat Elie Wiesel sowie diverse Universitäten, karitative Einrichtungen und diverse Grossbanken. Selbst deutsche Anleger sind über HedgeFonds-Beteiligungen betroffen. Der Friedensnobelpreisträger Wiesel gibt zu, Madoffs Charme erlegen zu sein. «Um ihn herum gab es einen Mythos», wurde Wiesel in der «New York Post» zitiert. «Er hat den Eindruck vermittelt, dass er einen Club mit hundert Mitgliedern unterhält.»

Nach Angaben von Madoffs Anwältin Ira Sorkin wird sich ihr Mandant schuldig erklären. Die Anklage umfasst Urkunden- und Bilanzfälschung, Anlagebetrug, Geldwäsche, Meineid, Falschangaben gegenüber der Börsenaufsicht SEC und Diebstahl von Altersvorsorgebeträgen.

Trotz Geständnis keine Milde

Madoff war am 11. Dezember des vergangenen Jahres festgenommen worden, durfte aber gegen Zahlung einer 10 Mio Dollar schweren Kaution weiter in seinem Luxus-Penthouse in Manhattan wohnen. Den Gerichtsunterlagen zufolge bemüht er sich, die sieben Mio Dollar teure Wohnung sowie Anleihen und Bargeld im Wert von 62 Mio Dollar behalten zu dürfen. Er hatte erklärt, dieses Vermögen stehe nicht mit dem Betrugsskandal in Verbindung und gehöre seiner Ehefrau Ruth.

Madoff - der zuletzt nur noch mit schusssicherer Weste das Haus verliess - darf nicht mit Milde rechnen. Einer der Staatsanwälte machte klar, dass es trotz des umfassenden Geständnisses keinen Strafablass gibt. Verteidiger versuchen oftmals, durch den Handel Geständnis gegen Haftverschonung ihre Klienten vor dem Gröbsten zu bewahren - was oft genug auch gelingt. Experten werten dies als Indiz dafür, dass Madoff partout nicht preisgeben wollte, wer ihm bei seinen Machenschaften zur Hand ging.