Vor wenigen Tagen sorgte Swisscom mit einer rekordhohen Unternehmensanleihe für Aufsehen: Der Telekomriese konnte am Markt 1,5 Mrd Fr. an frischem Kapital aufnehmen.

Dass es Swisscom leicht fällt, solche Summen zu beschaffen, ist kein Zufall. «Für solide finanzierte Unternehmen ist es einfacher, erfolgreich an den Kapitalmarkt zu gelangen», so Philippe Müller, Anleihen-Experte bei der UBS. Nach der grössten Franken-Emission aller Zeiten werde es aber vorerst ruhiger am Schweizer Kapitalmarkt. «Normalerweise werden zu Beginn des Jahres die grössten Emissionsvolumen registriert, die Swisscom-Anleihe ist daher eher eine Ausnahme», so Müller.

Doch die Kapitalmarktbedingungen für Emittenten, die als risikoreicher eingestuft werden, haben sich in den letzten Monaten verbessert. «Der Risikoappetit im Markt ist etwa auf dem Niveau von 2007 und sogar Emittenten von hochverzinslichen Anleihen können derzeit wieder leichter auf den Kapitalmarkt gelangen», so Philippe Müller von der UBS. Das habe man etwa bei den in Schieflage geratenen Banken gesehen.

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Kapital für Schuldendienst

Ein Run auf die Kapitalmärkte wird trotz der guten Bedingungen in den nächsten Wochen nicht stattfinden. «Wir erwarten in nächster Zeit eher kleinere Emissionen von Schweizer Unternehmen, die zur Finanzierung von Akquisitionen oder als Refinanzierung bestehender Schulden dienen könnten», sagt Sylvie Golay, Credit Strategist der Credit Suisse. So könnten beispielsweise Pharmazulieferer Lonza oder Zementkonzern Holcim potenzielle Emissionskandidaten sein. Damit zeichnet sich ein genereller Trend ab.

«Nachdem Unternehmen höherer Rating-Qualität bisher den grössten Teil des Emissionsvolumens ausgemacht haben, zapfen nun immer mehr Unternehmen mit tieferer Bonität den Bondmarkt an», so Golay. Ausserdem werde das Emissionsvolumen von Finanztiteln zunehmen, da vor allem die Banken noch hohe Finanzierungsbedürfnisse hätten. Beim Research der Credit Suisse geht man davon aus, dass das zusätzliche Angebot problemlos absorbiert werden kann, da sich der Risikoappetit gegenüber Unternehmensanleihen aus dem Finanzsektor nach den besser als erwartet ausgefallenen 2.-Quartals-Ergebnissen deutlich verbessert habe.

Trend zu Anleihen hält an

Hingegen könnte in den nächsten Monaten die Emissionstätigkeit von Industrieschuldnern mit Investment-Grade-Rating nachlassen, da viele Unternehmen ihren Finanzbedarf für dieses und zum Teil schon für nächstes Jahr gedeckt haben.

«Längerfristig erwarten wir aber, dass das Emissionsvolumen von Unternehmensanleihen hoch bleiben wird, da die Banken ihre Kreditkonditionen verschärft haben», so Credit-Suisse-Strategist Golay. Unternehmen würden daher vermehrt Kapital direkt über die Finanzmärkte aufnehmen, so wie es etwa in den USA bereits gang und gäbe ist.

Staaten weiten Angebot aus

Im öffentlichen Sektor sollte es angesichts der schlechten Haushaltslage vieler Staaten ebenfalls zu einem Volumenwachstum kommen. «Das Emissionsvolumen von Staatsanleihen wird in diesem und den nächsten Jahren stark zunehmen», so Golay vom Research der Credit Suisse. Staaten wie die USA oder Grossbritannien hätten einen grossen Finanzierungsbedarf. Demgegenüber dürfte das Volumen für Schweizer Staatsanleihen in nächster Zeit nur moderat ansteigen.

 

 


Unternehmensanleihen weiter mit Potenzial

Mit hochverzinslichen Anleihen konnten Anleger in den letzten Monaten teilweise hohe Gewinne erzielen. Die risikobehafteten High-Yield-Bonds sind Investoren aufgrund der grossen Kursausschläge nicht uneingeschränkt zu empfehlen - auch wenn sich im Zuge der wirtschaftlichen Erholung die Entspannung an den Bond-Märkten fortsetzt und die Gefahr von Schuldnerausfällen abnimmt.

Zuletzt sorgten etwa positive Wirtschaftsdaten aus den Vereinigten Staaten sowie die zuversichtlich stimmenden Äusserungen von US-Notenbank-Chef Ben Bernanke für geringere Risikoaufschläge auf Unternehmensanleihen. Der Rückgang dieser sogenannten «Spreads» deutet auf eine weitere Entspannung an den Märkten hin.

Bei der Credit Suisse werden momentan Anleihen mit kurzen bis mittleren Laufzeiten bevorzugt. In einem diversifizierten Anleihenportefeuille empfehlen die Experten ein auf Kosten der lange Zeit gesuchten Staatsanleihen verstärktes Engagement bei Unternehmensanleihen. «Im Investment-Grade-Segment legen wir nun mehr Gewicht auf vorrangige Finanzanleihen ohne Staatsgarantie», sagt Sylvie Golay vom Research der Credit Suisse.

Auch für die UBS sind aufgrund der aktuellen Bewertungen Unternehmensanleihen relativ zu Staatsanleihen immer noch attraktiv. Favorisiert werden daher Anleihen von solide finanzierten Unternehmen.(jb)