Hunderte privater und börsennotierter Biotechfirmen haben bisher einige der erfolgreichsten Wirkstoffe gegen Krebs, Aids und andere Krankheiten entwickelt. Und die Pharmabranche verlässt sich zunehmend darauf, den Biotech-Start-ups ihre neuen Produkte abkaufen und sie dann vermarkten zu können. Doch jetzt verzögert sich die Neuentwicklung von Medikamenten, etliche Stellen im Hightech-Bereich müssen gestrichen werden. Kleineren Biotechfirmen droht gar die Insolvenz. Der Branche fehlt das Geld für die Forschung.

«So wie wir bisher Geschäfte gemacht haben, das ist vorbei – zumindest vorübergehend. Unternehmen, die wenig Geld haben oder wenig Assets, die Cash generieren könnten, sind in Gefahr», sagt George Scangos, Chef der Biotechfirma Exelixis aus San Francisco. Scangos warnt Analysten: «Derartige wirtschaftliche Verhältnisse habe ich noch nie erlebt. Einerseits haben wir eine imposante Pipeline vielversprechender Präparate, andererseits fehlen uns die finanziellen und humanen Ressourcen, um sie zu entwickeln.»

Das Cash geht aus

In den USA arbeiten 38% der 370 kleinen Biotechunternehmen mit weniger als einem Jahresetat an Cash, knapp 100 börsennotierte Biotechunternehmen haben sogar weniger als sechs Monate Cash, berichtet die Biotechnologieorganisation BIO aus Washington. Die Aktien der grossen Firmen wie Amgen, Genentech oder Gilead Sciences sind zwar gefallen, ihr Umsatz ist aber stark genug, dass sie einen Rückgang überstehen können. Die Krise trifft besonders die kleinen Biotechs mit wenig Umsatz und wenig Cash.

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Angesichts der günstigen Preise für kleinere Unternehmen kündigte GlaxoSmithKline bereits an, man überlege, nun zuzukaufen. Auch Novartis beobachtet die Lage genau. Wagniskapitalgeber fahren ihr Engagement in Biotech zurück, sodass die Forscher dazu übergehen, die potenzielle zukünftige Umsatzentwicklung eines Wirkstoffs an Investmentfonds zu verkaufen. Wir sind sehr stark von funktionierenden Kapitalmärkten abhängig», sagt BIO-Präsident Jim Greenwood.

Oramed Pharma aus Jerusalem beispielsweise braucht 25 Mio Dollar zur Durchführung einer Versuchsreihe mit oral verabreichtem Insulin. Anstatt Aktien zu verkaufen, wendet sich das Unternehmen an grosse Pharmaunternehmen in Russland, Südafrika, Südkorea und Indien. Gegen Cash sollen diese eine Beteiligung an möglichen Umsätzen bekommen, wenn das Medikament die Zulassung erhält.

Überleben wird schwierig

In Grossbritannien haben Ardana und Phoqus Pharmaceuticals in diesem Sommer Insolvenz beantragt. Das Schweizer Unternehmen Lonza gab jetzt eine Gewinnwarnung heraus. «Für etliche Unternehmen wird es schwer, zu überleben», sagt Aisling Burnand, CEO der Bioindustrievereinigung in Grossbritannien.

Der Wellcome Trust, eine private Stiftung in London, die medizinische Forschung unterstützt, hat beobachtet, dass sich die Zahl der Biotechunternehmen, die um Unterstützung ersucht haben, in den vergangenen zwölf Monaten verdoppelt hat. Normalerweise werden nur Projekte im Frühstadium gefördert. Doch zunehmend kommen auch Unternehmen, die Kapital für die Erprobung am Menschen benötigen – Geld, das sie normalerweise aus dem Aktienmarkt oder aus Partnerschaften mit grossen Pharmaunternehmen erhalten.

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