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Firmengewinne verlieren an Glanz

In den USA ist der Startschuss für die Berichterstattung des 3. Quartals gefallen. Allzu viel wird nicht erwartet der Trend zu immer höheren Gewinnen hat seinen Zenith inzwischen überschritten. W

Von Samuel Gerber
am 10.10.2007

GEWINNSCHÄTZUNGEN. Kaum eine Gewinnmeldung wird dieser Tage so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen wie jene von Alcoa – wohl weniger wegen der Resultate, sondern weil die US-amerikanische Aluminiumproduzentin traditionellerweise den Reigen der Quartals-Berichterstattung eröffnet. Von nun an heisst es an der Wall Street wieder: Earning Season!

Und die Chancen stehen gut, dass viele Unternehmen im 3. Quartal 2007 positiv überraschen. Dies nicht etwa, weil die Ergebnisse besonders stark ausfallen werden. Vielmehr dürfte der Sprung über die Messlatte eher gelingen, weil diese im Verlauf der letzten Wochen tiefer gehängt wurde: Nach einer Häufung von Hiobsbotschaften seitens der US-Firmen im Sommer (siehe Grafik) haben die Investoren ihre Gewinnerwartungen deutlich zurückgenommen.

Andere Situation als 2000

Mittlerweile gilt es an den Finanzmärkten als gesetzt, dass die Profite im 3. Quartal nicht mehr das Ausmass des vorangehenden Jahresviertels erreichen werden zu schwer wiegen die Finanzkrise und die sich abzeichnende Abkühlung der Konjunktur. Nicht nur in den USA, sondern zunehmend auch in Europa. In den letzten Wochen hat nämlich die Unternehmensstimmung auch diesseits des Atlantiks einen Dämpfer erlitten. Entsprechend passen die Marktbeobachter ihre Schätzungen an. So senkte die Zürcher Kantonalbank (ZKB) die für Europa 2007 erwartete Gewinnwachstumsrate um 3,2% auf 9,7%. 2008 und 2009 rechnet das Institut mit Werten von 8,7 bzw. 8,8%. Mit Folgen auch für den Schweizer Aktienmarkt, hängen doch hiesige Unternehmen zu rund 60% von Exporten in die EU ab. Anastassios Frangulidis, Leiter Volkswirtschaft und Anlagestrategie International bei der ZKB, rät daher zur Vorsicht. «Das 3. und 4. Quartal werden zeigen, dass es mit dem hohen Gewinnwachstum nicht weitergehen kann.» Sandro Merino, Leiter Wealth Management Research Europa, sagt: «Der Zenith beim Gewinnwachstum ist überschritten.» Müssen Anleger jetzt also auch mit sinkenden Renditen bei ihren Aktienpapieren rechnen? Merino gibt Entwarnung. «Vergleiche mit den letzten 20 Jahren zeigen, dass bei abnehmendem Gewinnwachstum die Kurse nicht unbedingt unter Druck kommen müssen.» Optimistisch gibt sich auch Frangulidis. Die Rückgänge bei den Gewinnwachstumsraten würden zwar durchaus ins Gewicht fallen. Aktien seien aber weltweit nicht überbewertet, und die Erwartungen seien im Vergleich zur Börsenblase der Jahrtausendwende weit tiefer. «Ein drastischer Gewinneinbruch wäre nur möglich, wenn die USA und die restliche Welt in die Rezession stürzen würden», so Frangulidis. Und davon, da sind sich sowohl der ZKB- wie auch der UBS-Experte einig, sei in den nächsten Quartalen nicht auszugehen. Trotzdem wird es mit sinkender Gewinnkraft schwieriger, Aktien mit Aufwärtspotenzial aufzuspüren. Das zeigt ein Blick auf die Titel im Swiss Market Index (SMI): Dort wurde während der letzten vier Wochen über die Hälfte der Konsensschätzungen zum Gewinn pro Aktie nach unten revidiert (siehe Tabelle). Besonders hart traf es auf Grund der Kreditmarktkrise die Bankenwerte wie UBS oder Credit Suisse. Zu den Verlierern in der Erwartung der Marktspezialisten gehören aber auch Werte anderer Branchen. So werden die Gewinne bei Novartis, Clariant und Syngenta tiefer gesehen. Aber es gibt auch Gewinner: So fällt der Zementriese Holcim mit positiven Gewinnrevisionen auf, ebenso der Zykliker Swatch.Beides kein Zufall, glaubt man Frangulidis von der ZKB. Dieser sieht im Grundstoffsektor und in den Schwellenländern Asiens noch viel Renditepotenzial – und über Holcim und die Luxugüterhersteller Swatch oder Richemont lässt sich dieses Potenzial umsetzen. So profitiert die Holcim-Aktie vom weltweiten Baustoff-Boom und kann ein gutes Kostenmanagement vorweisen. Swatch und Richemont kommt hingegen der steigende Wohlstand in Asien zugute. Richemont gehört aus diesen Gründen auch zu den Favoriten der UBS, ebenso wie Roche und, auf längere Sicht, die Credit-Suisse-Aktie.

Rauere Zeiten für Nebenwerte?

Noch schwieriger zu finden sind die Zugpferde unter den Small und Mid Caps. Denn das Marktsegment gilt auch in der Schweiz als relativ hoch bewertet, sodass ein Auftrumpfen immer schwieriger wird. Das Gewinnwachstum von nahezu 20% 2007 dürfte sich für die Small Caps im SPI Small Index bis Ende 2008 auf etwa 10% verringern, schätzt deshalb die UBS. Aber auch hier sind Gewinnsteigerungen möglich: So hat die ZKB bei Kaba, Intershop, Jelmoli und Meyer Burger ihre Gewinnschätzungen kürzlich nach oben korrigiert.

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