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Firmeninvestitionen: EZB-Geldspritze wirkt nicht

EZB-Turm in Frankfurt: Die tiefen Firmeninvestitionen sind ein Problem. Keystone

Die Europäische Zentralbank pumpt Hunderte Milliarden in die Wirtschaft, um Firmeninvestitionen zu erhöhen. Doch der Erfolg bleibt aus: Die Unternehmen geben sich von der EZB-Geldflut unbeeindruckt.

Veröffentlicht am 30.05.2016

Die seit längerer Zeit negativen Zinssätze haben die Investitionen der Unternehmen in Europa nicht zu beleben vermocht. Die überwiegende Mehrheit der Firmen gibt an, dass die Massnahmen überhaupt keine Auswirkungen auf ihre Wachstumspläne gehabt haben.

Rund 84 Prozent der 9440 teilnehmenden Unternehmen erklären, die niedrigen Zinsen hätten ihre Investitionsbereitschaft nicht beeinflusst, wie eine Umfrage des schwedischen Schuldeneintreibers Intrum Justitia AB ergab. Womöglich noch alarmierender ist, dass sich der Anteil von 73 Prozent im vergangenen Jahr erhöht hat.

Rückschlag für Zentralbanker

«Voraussetzung für Wirtschaftswachstum sind Stabilität und Optimismus», erklärte Intrum-Chef Mikael Ericson in dem am Sonntag veröffentlichten Bericht. «Offenbar hat die Strategie, die Zinsen seit mehr als einem Jahr auf einem Rekordtief zu belassen, nicht für die angestrebte Stabilität gesorgt.»

Anzeichen für stockende Investitionen sind ein Rückschlag für die Hoffnungen der Zentralbanker, das Wachstum in Europa durch negative Zinsen und quantitative Lockerung wiederzubeleben. Europa braucht investitionsfreudige Unternehmen, damit Stellen geschaffen werden, die das Wachstum ankurbeln. Im Euroraum liegt der Einlagensatz seit Mitte 2014 im negativen Bereich. Schätzungen der EU-Kommission zufolge dürfte sich das Wachstum im Euroraum in diesem Jahr auf 1,6 Prozent abschwächen, verglichen mit 2,3 Prozent in den Vereinigten Staaten.

Weitere Gefahr entdeckt

«Die Berechnung einer Investition beinhaltet auch Annahmen über die Zukunft», hiess es in dem Bericht. Wichtig sei hierbei der Glaube an künftige Stabilität und Wohlstand. «Vielleicht signalisieren die negativen Zinsen gar nicht diese Stabilität, sondern vielmehr, dass wir uns immer noch in einer aussergewöhnlichen Lage befinden?»

Die Umfrage identifizierte auch eine andere Gefahr für das Wachstum, nämlich Zahlungsverzögerungen. Rund 33 Prozent der Umfrageteilnehmer betrachten das Ausbleiben fristgerechter Zahlungen als Bedrohung ihrer Existenz, während 25 Prozent angaben, sie würden wahrscheinlich Stellen abbauen, wenn Kunden verspätet oder überhaupt nicht zahlten. Die Problematik ist bei den 20 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Europa ausgeprägter. Viele von ihnen berichteten, grössere Konzerne würden sie zwingen, verzögerte Zahlungen zu akzeptieren.

«Das ist ein Marktversagen»

«Das ist ein Marktversagen, das Millionen Europäer Beschäftigungsmöglichkeiten kostet, dass grosse Konzerne die KMUs bewusst dazu zwingen, ihren Cashflow zu finanzieren», erklärte Ericson. «Bis zu zwei von fünf KMUs sagen, Zahlungsverzögerungen verhinderten das Wachstum des Unternehmens. Dass grosse Konzerne ihre viel kleineren Unterlieferanten als Finanzierer ihrer eigenen Cash-Management-Prozesse nutzen, ist nicht nur falsch, sondern führt auch zu Ungleichgewichten in der Gesellschaft.»

(bloomberg/mbü)

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