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Flauer Frühling

Credit Suisse an der Park Avenue in New York: Unter Erwartung. (Bild: Keystone)

Das Geschäft der Schweizer Grossbanken dürfte 2011 gelitten haben. Besonders die UBS verliert gemäss Analysten an Terrain.

Von Matthias Niklowitz
am 11.04.2011

Was für die Schmuckbranche das Weihnachtsgeschäft, ist für Investmentbanker das erste Jahresviertel. Die Credit Suisse erzielte dort 2010 mehr Gewinn vor Steuern als in den restlichen drei Quartalen zusammen. Erwartungsgemäss liegen die Ziele sowohl bei der CS als auch der UBS für dieses Jahr sehr hoch – sie dürften nun aber deut- lich verfehlt werden. Analysten zufolge könnten die Umsätze bei beiden Grossbanken bis zu 30 Prozent tiefer ausfallen als ursprünglich geplant.

Schwacher Dollar schlägt durch

Verantwortlich dafür sind nicht etwa die Krisen in Japan und Nahost, wie man meinen könnte. Viel stärker zu Buche schlagen dürften Währungseffekte, und hier insbesondere die Schwäche des Dollar gegenüber dem Franken. Dies darum, weil die allermeisten Geschäfte der Investmentbanken in der US-Leitwährung anfallen. Matt Spick, Analyst bei der Deutschen Bank, schätzt den negativen Effekt der Dollarschwäche auf die Geschäfte der Schweizer Grossbanken auf 10 Prozent.Entscheidend für Credit Suisse und UBS ist aber auch, in welchen Bereichen ihre Investmentbank tätig ist. Das ist einerseits das Börsengeschäft mit dem Wertschriftenhandel: Die Umsätze steigen, wenn es der Börse gut geht und viele Investoren handeln. Das war Anfang 2011 sicher der Fall. Gemischt dürfte hingegen das Emissionsgeschäft mit der Ausgabe neuer Aktien und Anleihen ausfallen.

Während die Emissionen von Obligationen im Vergleich zum vorangegangenen Quartal um rund 50 Prozent gestiegen sind, ist das Volumen bei den Aktienemissionen um 40 Prozent gefallen. Besonders hart trifft dies offenbar die UBS. Im Emissionsgeschäft hält die Bank zurzeit einen Anteil von 3,5 Prozent, wie Berechnungen des Spezialisten Dealogic zeigen (siehe Tabelle). 2008 waren es noch 5,5 Prozent gewesen. «Die Sparte verliert hier an Dampf», sagt Spick von der Deutschen Bank. Bei der Credit Suisse kompensiert der Gewinn an Marktanteilen bei den Anleihensemissionen den Rückgang auf der Aktienseite.

Hoffen auf Glencore

Ein grosses Geschäft belebt jedoch die Fantasie: Der für das 2. Quartal 2011 geplante Börsengang des Rohstoffhandels-Giganten Glencore dürfte den Syndikats-Banken bis zu 300 Millionen Dollar bringen. Bei diesem Mega-IPO sind beide Schweizer Grossbanken mit dabei. Die Credit Suisse als Hausbank, die UBS als «Bookrunner» im Konsortium. Ob das zu einer Verbesserung des Dealogic-Rankings reicht, ist offen. Denn die amerikanischen Konkurrenten JP Morgan, Goldman Sachs, Morgan Stanley und Citigroup teilen sich derweil das gewichtige IPO von Ally, der ehemaligen Finanzsparte des US-Autokonzerns General Motors.

Sehr schwankungsanfällig ist auch das Geschäft mit Firmenübernahmen. Dies nicht zuletzt, weil bei den besonders lukrativen Deals auch grosse politische Unsicherheiten mit hinein spielen. So beraten derzeit Credit Suisse, Deutsche Bank und Morgan Stanley die Deutsche Telekom beim geplanten Verkauf ihrer US-Tochtergesellschaft T-Mobile an den amerikanischen Netzbetreiber AT&T. Wie bei Glencore winken den Banken auch hier bei erfolgreichem Abschluss dreistellige Millionensummen. Aber ob diese Transaktion tatsächlich zustande kommt, ist laut den Analysten der Deutschen Bank noch offen: Im US-Kongress regt sich Widerstand, und Geld fliesst erst nach Vertragsunterzeichnung.

Hochpolitisch und weiterhin offen ist auch die geplante Fusion zwischen der Deutschen Börse und der NYSE-Euronext, welche die New Yorker Börse und damit das Herz der Wall Street betreibt. Die Fusion ist nach einem Gegenangebot der Nasdaq-OMX-Gruppe in der Schwebe. Engagiert sind bei den verschiedenen Parteinen die Deutsche Bank, JP Morgan, Credit Suisse und Goldman Sachs.

Solche Deals, die noch nicht abgeschlossen sind, erklären die von Dealogic ermittelten Ranking-Unterschiede. Bei den angekündigten Übernahme- und Fusions-Geschäften (M&A) liegt die Credit Suisse auf Platz 4. Wenn nur die abgeschlossenen Transaktionen berücksichtigt werden, fällt die Bank jedoch auf Platz 8 zurück. Umgekehrt verhält es sich bei der UBS. Sie belegt bei den angekündigten M&A-Geschäften nur den neunten Platz, bei den abgeschlossenen Deals aber den Rang 6.
Deutlich belebt hat sich das Geschäft mit verbrieften Hypotheken, die 2007 die Finanzkrise auslösten. Laut den Analysten von Nomura dürfte hier das Volumen über jenes von 2008 und 2009 steigen.

Das hohe letztjährige Volumen liege indessen aufgrund der erwarteten Zinswende in Europa ausser Reichweite. Bei den ehemals toxischen Papieren geben amerikanische Banken den Ton an Barclays Capital, JP Morgan und Bank of America liegen an der Spitze. Dabei profitieren diese Institute nun zusätzlich davon, dass sie die Reste der gestrauchelten Investmentbanken von Lehman Brothers, Bear Stearns und Merrill Lnych übernehmen konnten.

Vermögensverwalter sollen es richten

Die Credit Suisse kommt als Nummer sechs in diesem Geschäft auf einen Marktanteil von 7 Prozent. Gar nicht mehr im Ranking vertreten ist die UBS, nachdem sie während der Finanzkrise einen Grossteil dieser Papiere an die Schweizerische Nationalbank SNB ausgelagert hat.

Einmal mehr ist es nun bei Credit Suisse und UBS die Aufgabe des Vermögensverwaltungsgeschäfts, die Schwankungen beim Investment Banking auszugleichen. Die Frage ist nur, ob die Kollegen dies auch leisten können. Marktbeobachtern zufolge dürften zwar sowohl Credit Suisse als auch UBS ihre Margen bei 0,95 Prozent der Vermögenswerte gehalten haben. Und im Gegensatz zu manchen Schweizer Privatbanken leiden die Grossbanken weniger unter dem schwachen Dollar, weil nur die Hälfte ihrer Gesamtausgaben in Franken anfällt.

Dagegen dürften sich die Atomkraftwerk-Katastrophe in Japan und die Unruhen im Nahen Osten bei den verwalteten Vermögen bemerkbar gemacht haben. Die Kapitalmärkte sind in den letzten Wochen stark unter Druck gekommen viele Indizes stehen heute fast auf den gleichen Marken wie zu Jahresanfang. Mit Folgen: Laut den Analysten von Citigroup darf auch auf dieser Seite des Bankgeschäfts nicht mit positiven Überraschungen gerechnet werden.

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