Wenn Griechenland zittert, Spanien wankt und die USA unter ihrer Schuldenlast ächzen - wohin soll das Geld noch getragen werden? Immer mehr Anleger antworten auf diese Frage: In die Schweiz.

Am meisten zu spüren bekam dies bisher der Franken. Der Euro wertete seit Beginn der Griechenland-Krise von knapp 1.52 Fr. auf 1.43 Fr. ab. Doch damit ist der Boden noch nicht erreicht. «Wir sehen den Euro Ende Jahr bei 1.38 bis 1.40 Fr.», sagt Thomas Flury, oberster Währungsstratege im Wealth Managment Research der UBS.

Frankenreserven in aller Welt

Dabei schlägt die Schweizerische Nationalbank SNB seit Monaten eine Schlacht gegen den starken Franken, indem sie die heimische Währung gegen den Euro verkauft. Inzwischen sind dadurch die Euro-Bestände in den Büchern der SNB auf ganze 56 Mrd Euro angewachsen. Eine zunehmend prekäre Position, weil das Investment mit dem Verfall des Eurokurses einerseits an Wert verliert. Für den Wirtschaftsprofessor Walter Wittmann ist dies schlechthin eine «Zeitbombe» (siehe Interview nebenan). Und prekär anderseits, weil die Kollegen bei den anderen Notenbanken genau das Gegenteil machen: Sie kaufen den Franken liebend gerne.

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So sind laut den Statistiken der Bank für internationalen Zahlungsverkehr BIZ die Franken-Reserven ausländischer Notenbanken klar gestiegen; der Anteil an den Gesamtreserven wuchs innert der letzten zwei Jahre von 1 auf 3%. Das klingt nicht nach viel, beläuft sich aber auf eine Summe von 20 bis 30 Mrd Fr. «Der Trend verläuft sicher so, dass die Franken-Reserven bei Notenbanken weiter leicht ansteigen», sagt Alfred Roelli, Anlagestratege bei der Genfer Privatbank Pictet.

Noch weit gewichtiger sind die Franken-Positionen der Staatsfonds, wobei diese in den letzten Jahren vor allem produktive Aktiven wie Firmenanteile erworben haben - wie etwa der Singapurer Staatsfonds GIC bei UBS. Auch diese Positionen sind in Franken getätigt worden und sorgen damit für Schub.

Doch nicht nur die Banktitel UBS und Credit Suisse sind bei ausländischen (Gross-)Investoren gesucht. Die hiesigen Aktienindizes, besonders der schwer gewichtete Swiss Market Index SMI, bieten bei stürmischen Finanzmärkten die Vorzüge eines sicheren Hafens. «Beim jetzigen Seitwärtstrend rechnen wir damit, dass der SMI andere Märkte outper-formt», sagt Christoph Riniker, Anlagestratege bei der Privatbank Julius Bär. Zu verdanken hat der SMI seine defensiven Qualitäten den Blue-Chips Roche, Novartis und Nestlé. Ebenfalls als defensiv stuft Riniker im jetzigen Umfeld die Aktien Synthes, Nobel Biocare und Lonza ein.

Rekordtiefe Renditen

Interessantweise haben sich diese Werte auch deshalb gut behauptet, weil die SMI-Schwergewichte und Schweizer Firmen generell eine starke internationale Ausrichtung besitzen, besonders hin zu den schnell wachsenden Schwellenmärkten. Das wirkt sich günstig auf die Wachstumsprognosen der Schweiz aus: Mit 2,5% könnte das BIP 2010 und 2011 hier schneller zulegen als in der Euro-Zone, erwartet Pictet. Damit könne die Wirtschaft auch den starken Franken wettmachen.

Da ein höheres Wachstum aber eine Zinssteigerung seitens der SNB auslösen dürfte, gilt der Fluchtburg-Status, der auch den Schweizer Anleihen zugesprochen wurde, nur noch begrenzt. «Wegen der Aussicht auf einen Anstieg des Zinsniveaus raten wir nun eher zu kürzeren Laufzeiten», sagt Michael Gähler, Leiter des Swiss Institutional Credit Research bei der Credit Suisse. Für risikoaverse Investoren in Schweizer Franken seien Schweizer Staatsanleihen aber auch weiterhin eine sichere Anlage. Das sehen die Märkte genau gleich: Die Nachfrage insbesondere nach Staatsanleihen drückte die Rendite von 10-jährigen «Eidgenossen» auf extrem tiefe 1,80. Der Einfluss auf Firmenbonds war dagegen moderat.

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